Niewiadoma-Phinney im längsten WM-Rennen Zweite

Vollering holt in Montréal ihr erstes Regenbogentrikot

Von Jan Zesewitz

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Demi Vollering ist die neue Weltmeisterin. | Foto: Cor Vos

26.09.2026  |  (rsn) – Demi Vollering (Niederlande) hat nach dem Giro d’Italia und der Tour de France Femmes auch den WM-Titel in Montreal geholt. Nach 180 Kilometern beim längsten Rennen in der Geschichte der Titelkämpfe rang sie Kasia Niewiadoma-Phinney (Polen) im Zweier-Sprint nieder. Bronze ging nach einer harten Verfolgungsjagd an die Italienerin Elisa Longo Borghini, Vierte wurde knapp dahinter Marlen Reusser (Schweiz). Vollerings niederländische Teamkolleginnen kontrollierten das Rennen vom Start weg, eine Solo-Flucht der Topfavoritin 38 Kilometer vor dem Ziel wurde vor der Schlussrunde von Longo Borghini und Niewiadoma-Phinney vereitelt.

Auf der ansteigenden Zielgerade in Montreal warteten die Polin und Vollering als Führungsduo lange, die Verfolgerinnen kamen aber nicht mehr heran. Niewiadoma-Phinney begann den Sprint 175 Meter vor dem Ziel, aber Vollering war die Stärkere. Juliette Berthet (Frankreich) wurde Fünfte vor Puck Pieterse, die die Attacke ihrer Teamkollegin lancierte. Célia Gery (Frankreich), Dominika Wlodarczyk (Polen), Maeva Squiban (Frankreich) und die Deutsche Franziska Koch komplettierten die Top Ten.

”Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte die Siegerin im Ziel-Interview und lobte auch den starken Team-Auftritt. “Ich habe schon oft gesagt: Ich denke, dass ich diesen Traum im Herzen für einen Grund gehabt habe. Ich habe so hart auf dieses Ziel hingearbeitet. Man braucht Mut, um mit ganzem Herzen voll daran zu glauben und um ein Team mit so starken Mädels um sich herum zu versammeln. Sie haben sich alle für mich aufgeopfert, obwohl sie vielleicht selbst auch eine Chance gehabt hätten. Sie haben sich alle für mich eingesetzt.“

Für eine Weile sah es so aus, als wäre die Attacke 38 Kilometer vor dem Ziel die alles Entscheidende gewesen. Die Nachführarbeit der anderen Favoritinnen dahinter war nicht von großer Zusammenarbeit geprägt, aber kurz vor der Schlussrunde wurde Vollering von Longo Borghini und Niewiadoma-Phinney gestellt. “Es gab so viele Momente, in denen ich dachte, dass ich vielleicht zu früh attackiert hatte“, sagte Vollering. “Es war die ganze Zeit so knapp und ich habe mich nicht getraut, mich umzudrehen. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie schon an meinem Hinterrad waren. Ich hatte 20 Sekunden, dann 22 und 15. Irgendwann kamen sie heran und ich dachte ‘Oh Shit!‘. Aber es war noch nicht vorbei.“

Vollering krönt ihr erfolgreiches Jahr

Die Niederländerin setzte mit Gold die Krone auf ihr höchst erfolgreiches Jahr 2026. Die Weltranglistenerste gewann den Omloop Het Nieuwsblad (1.WWT), die Flandern-Rundfahrt (1.WWT), den Flèche Wallonne (1.WWT), Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.WWT), den Giro d’Italia (2.WWT), die Tour de France (2.WWT) und nun zum ersten Mal in ihrer Karriere das Regenbogentrikot. Die 180 Kilometer begannen mit einer langen Anfahrt, die letzten 40 Kilometer boten viel Spektakel, startend mit der Attacke von Squiban, die durch Vollerings Vorstoß neutralisiert wurde.

Bis zu den kurz vor dem Zielstrich stand die Siegerin nicht fest, auch der Sprint war nach der langen Strecke eng, erst auf den letzten Metern musste Niewiadoma-Phinney klein beigeben. “Ich wollte den Sieg nicht mehr weggeben. Ich habe nur ‘nein‘ gedacht. ‘Nein! Jetzt gehört er mir!‘“, sagte die neue Weltmeisterin. “Ich kann mir vorstellen, dass es für die Zuschauer ein fantastisches Rennen war. Ich bin stolz, dass ich ein Teil davon war. Ich kann es kaum erwarten, es mir selbst anzusehen."

So lief das WM-Rennen der Frauen:

In Brossard startete bei strahlendem Sonnenschein das längste Rennen der Frauen in der WM-Geschichte. Gut 60 Kilometer fuhr das Feld flach die Metropole Montreal an, wo der gewohnte Rundkurs absolviert wurde. Nach rund 20 Kilometern setzte sich eine vierköpfige Spitzengruppe ab, bestehend aus Marte Berg Edseth (Norwegen), Nathalie Quinn (USA), Gergana Stoyanova (Bulgarien) und Beatriz Roxo (Portugal).

Auf dem Weg nach Montreal bauten sie ihren Vorsprung auf das von dem niederländischen Team kontrollierte Feld auf bis zu 4:30 Minuten aus. Auf dem hügeligen Kurs fiel die Gruppe auseinander, Stoyanova und Roxo konnten dem Tempo nicht mehr folgen. Bei Erreichen des Rundkurses betrug der Vorsprung des verbliebenen Duos noch 3:15 Minuten.

Das Streckenprofil der Straßen-WM der Frauen | Foto: Veranstalter

Dort begann das Rennen richtig. Die Niederlande kontrollierten weiter das Tempo, Attacken wurden pariert. 95 Kilometer vor dem Ziel gab es einen Massensturz, bei dem auch die Titelverteidigerin Magdeleine Vallieres betroffen war und durch den es zu einem Split im Feld kam. Caroline Andersson (Schweden) und Lauretta Hanson (Australien) wurden ins Krankenhaus gebracht.

Die Niederlande sorgten für ein hohes Tempo, Edseth wurde als letzte Ausreißerin 75 Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Das Feld schrumpfte derweil auf rund 40 Fahrerinnen. Es entwickelte sich ein Ausscheidungsfahren. Erst 52 Kilometer vor dem Ziel konnte sich wieder eine Fahrerin absetzen: die Französin Maeva Squiban. Sie fuhr einen Vorsprung von 45 Sekunden heraus, den sie bis drei Runden vor Schluss hielt.

In dieser Runde machten die Niederländerinnen ernst. Puck Pieterse sorgte für eine Tempoverschärfung am längsten Anstieg des Tages, 38 Kilometer vor dem Ziel attackierte Vollering. Ihr Vorsprung betrug schnell 20 Sekunden auf eine achtköpfige Verfolgerinnengruppe um unter anderem Reusser und Niewiadoma.

Longo Borghini bergauf abgehängt

Dieser Abstand blieb eine Weile konstant, aber vor allem Longo Borghini und Niewiadoma-Phinney attackierten immer wieder in den folgenden beiden Runden. Wenige Meter vor der Schlussrunde schafften die beiden und Berthet den Anschluss zur Spitzenreiterin. Die Italienerin attackierte in das Glockengeläut zur letzten Runde, Reusser verfolgte die Führenden als Fünfte. Die Polin und die Niederländerin schlossen nach einigen Kilometern Verfolgung zur Italienerin auf und hängten Longo Borghini schließlich zehn Kilometer vor dem Ziel bergauf ab.

Die gerade Abgehängte steckte allerdings nicht auf, ebenso wenig wie Reusser hinter ihr. Auf der Zielgeraden kamen die vier fast noch einmal zusammen, dann begann Niewiadoma-Phinney den Sprint, Vollering hielt dagegen und krönte sich zur Weltmeisterin vor der Polin, Longo Borghini gewann vor Reusser Bronze.

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