RSNplus“Manchmal reicht es, manchmal nicht“

Deutsche Männer haben mit WM-Ausgang nichts zu tun

Von Felix Mattis mit Peter Maurer aus Montreal

Foto zu dem Text "Deutsche Männer haben mit WM-Ausgang nichts zu tun"
Georg Zimmermann und Florian Lipowitz bei der Präsentation vor dem Start des WM-Straßenrennens. | Foto: Cor Vos

28.09.2026  |  (rsn) – Die Ausbeute aus dem Vorjahr zu toppen, das war für die deutschen Elite-Männer im Straßenrennen der Weltmeisterschaften von Montreal nicht schwer: Nachdem 2025 in Ruandas Hauptstadt Kigali alle vier deutschen Starter von Magen-Darm-Problemen lahmgelegt waren und das Rennen vorzeitig beenden mussten, kamen nun in Kanada zumindest zwei von sechs im Ziel an.

Faktisch muss man das als Steigerung betrachten, doch von einer Erfolgsgeschichte war Schwarz-Rot-Gold mit den Plätzen 38 und 47 für Georg Zimmermann und Florian Lipowitz am Sonntag trotzdem sehr weit entfernt.

"Man muss das so hinnehmen. Wir sind ja nicht durch Zufall da rausgekommen, sondern halt aufgrund unserer Leistungsfähigkeit. Wir haben unser Bestes gegeben, manchmal reicht es für ganz vorne und manchmal nicht", brachte es Zimmermann gegenüber radsport-news.com gewohnt trocken auf den Punkt und befand in der Kurzanalyse: ___STEADY_PAYWALL___

Zimmermann: "Erste Gruppe, die nicht Finale gefahren ist"

"70 Kilometer vor dem Ziel, bei der Attacke von van der Poel, hat ein bisschen was gefehlt, um in die erste Gruppe zu kommen. Danach waren wir halt in der ersten Gruppe, die nicht mehr so richtig Finale gefahren ist." Das bedeutete, dass der 28-Jährige am Ende mit 6:48 Minuten Rückstand auf den neuen Weltmeister Brandon McNulty im Ziel ankam, Lipowitz weitere 16 Sekunden dahinter.

Zu sehen war das deutsche Nationaltrikot vor allem auf den Schultern vom Deutschen Meister Felix Engelhardt, der es in die frühe Ausreißergruppe des Tages geschafft hatte. Als die aber nach der vierten Runde auf dem lokalen Rundkurs um den 'Mont Royal' wieder eingeholt war, endete Engelhardts Rennen bald.

Felix Engelhardt war Teil der frühen Ausreißergruppe. | Foto: Cor Vos

Nico Denz war vorher bereits ausgestiegen und auch Marco Brenner fuhr nur eine Runde mehr als Engelhardt. Abgesehen von Zimmermann und Lipowitz war nur Maximilian Schachmann noch relativ lange dabei. Doch ihn warf ein Defekt zurück, so dass auch er im Finale keine Rolle mehr spielen konnte.

Schlechte Ausbeute darf nicht enttäuschen oder überraschen

Insgesamt war das deutsche Team in der Breite sehr stark aufgestellt, allerdings fehlt derzeit ein Fahrer, der bei schweren Eintagesrennen zur absoluten Weltspitze gehört und ein Garant für Top-10-Platzierungen oder sogar den Kampf um eine Medaille ist. Alle sechs Montreal-Starter haben an einem Sahne-Tag in Top-Form die Chance für ein Top-Ergebnis - aber es muss eben alles passen.

In der Öffentlichkeit liegt der Fokus auf Lipowitz, von dem viel erwartet wird. Doch der ist eben Rundfahrtspezialist. Seine Bilanz bei Eintagesrennen und Klassikern ist dürftig. Das in Kombination mit seinem Schlüsselbeinbruch-Aus bei der Tour de France im Juli deutete ohnehin nicht auf ein Top-Resultat des Tour-Dritten von 2025 hin.

Das deutsche Männer-Team bei der WM in Montreal (von links): Nico Denz, Felix Engelhardt, Marco Brenner, Maximilian Schachmann, Georg Zimmermann und Florian Lipowitz. | Foto: Cor Vos

De facto fuhr er mit Platz 47 in Montreal schließlich sogar sein bestes Ergebnis bei einem Eintagesrennen seit dem 20. Rang beim Giro dell'Emilia im Oktober 2024 ein. Es durfte also niemand ernsthaft enttäuscht oder negativ überrascht sein von der recht dünnen deutschen Ausbeute, die in den vergangenen 30 Jahren nur drei Mal schlechter war: beim wortwörtlichen Totalausfall 2025 in Kigali, 2022 im australischen Wollongong, als auch nur zwei Deutsche ins Ziel kamen und 52. (Nikias Arndt) beziehungsweise 72. (Jannik Steimle) wurden, sowie 2016 beim Windkanten-Debakel in Katar, als mit André Greipel nur ein Deutscher durchfuhr und 42. wurde.

Lipowitz: "Mein Ziel war, hier durchzukommen"

"Ich bin ehrlich gesagt einfach happy, heute ins Ziel zu kommen. Es war ein sehr harter Tag, mir hat einfach ein bisschen der Punch gefehlt und die letzte Stunde war einfach zu lang für mich", sagte Lipowitz nach dem Rennen am ZDF-Mikrofon und erklärte: "Mein Ziel war, hier durchzukommen."

Der 26-Jährige spürte deutlich, dass er nach seiner Verletzungspause noch nicht in Top-Form ist und es ihm vor allem in den Bereichen, die ihm ohnehin nicht so liegen, fehlte: "Ich habe das auch in Italien (beim Comeback Mitte September, Anm. d. Red.) gemerkt, dass mir einfach die Spritzigkeit fehlt. Ich glaube, als es richtig losging, war ich recht weit vorne positioniert, aber ich konnte einfach nicht so tief gehen. Und dann fährt man einfach in der Gruppe, in der man ist."

Florian Lipowitz im WM-Straßenrennen von Montreal. | Foto: Cor Vos

Diese Spritzigkeit und die hohen Peaks in seinen Leistungswerten gehen Lipowitz im Vergleich mit Klassikerspezialisten ohnehin ab. "Ich bin grundsätzlich einfach ein GC-Fahrer. Ich fahre die gleichen Werte, egal ob es ein Eintagesrennen ist oder ob es die dritte Woche bei der Tour ist. Ich tue mich also relativ schwer bei den Eintagesrennen. Aber ich glaube, umso besser ist es, dass ich jetzt welche fahre. Nur dadurch kann ich mich verbessern", meinte der Deutsche, der am kommenden Wochenende den Giro dell'Emilia in der Emilia Romagna fahren soll, bevor anschließend Tre Valli Varesine und Il Lombardia noch folgen.

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