Ausblick auf die Cross-Saison 2022/23

Schwerer Winter für den Querfeldeinsport

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Schwerer Winter für den Querfeldeinsport"
Eli Iserbyt (Pauwels Sauzen - Bingoal) gehen die Konkurrenten aus. | Foto: Kevin Kempf

16.09.2022  |  (rsn) – Im vergangenen Jahrzehnt führte der Weg für den Querfeldeinsport immer bergauf, doch nun steht der Crosszirkus vor einem schweren Winter. Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck), Wout Van Aert (Jumbo – Visma) und Thomas Pidcock (Ineos Grenadiers), die Weltmeister der vergangenen acht Jahre, werden jeweils nur ein stark abgespecktes Programm absolvieren.

Der Weltranglistenzweite Toon Aerts wartet nach seinem positiven Dopingtest noch immer auf ein Urteil in seinem Fall und ist seit dieser Woche offiziell ohne Arbeitgeber. Quinten Hermans (Intermarché – Wanty – Gobert), Tim Merlier und Gianni Vermeersch (Alpecin – Deceuninck) werden ebenfalls zugunsten ihrer Straßenkarrieren deutlich kürzer treten.

Auch die Umstrukturierung des Weltcups sorgt für Probleme. Der Klassiker in Koksijde hat die wichtigste Rennserie verlassen und sich der X²0 badkamers Trofee angeschlossen. Die Rennorganisatoren des ehemaligen Superprestige-Rennens in Gieten sahen keine Zukunft mehr für ihr Rennen und zogen den Stecker.

Dominiert Pauwels Sauzen – Bingoal wieder die erste Saisonphase?

So sieht es aus, als würden die ersten Männerrennen der Saison 2022/23 noch mehr als in den vergangenen Jahren von Pauwels Sauzen – Bingoal dominiert werden. Ohne Hermans und Aerts werden Eli Iserbyt und Michael Vanthourenhout ihre größten Konkurrenten aus dem Vorjahr zunächst nicht fürchten müssen. Die größte Gefahr droht ihnen vermutlich von ihrem ehemaligen Mannschaftskollegen Laurens Sweeck, der Pauwels Sauzen nach sechs Jahren in Richtung Crelan – Fristads verlassen hat.

Neben den drei Belgiern ist der Niederländer Lars van der Haar (Baloise – Trek Lions) der vierte große Name, der von Saisonbeginn an dabei sein wird. In seinem Team ist er nach dem Abgang der Aerts-Brüder der alleinige Kapitän, es sei denn, Thibau Nys fährt konstant auf seinem Topniveau, welches der 19-Jährige in seinen ersten beiden Jahren in der U23 beziehungsweise der Elite nur selten erreichen konnte.

Mit Pim Ronhaar, dem U23-Weltmeister von 2021, haben die "Löwen" ein weiteres Toptalent in ihren Reihen, das allerdings letztes Jahr nicht an die starken Ergebnisse seiner Weltmeistersaison anknöpfen konnte. Interessant wird auch die Entwicklung seines Landsmanns David Haverdings sein, der im vergangenen Winter die Juniorenkategorie fast nach Belieben dominierte.

Der Nachwuchs soll die von den Top-Starts hinterlassenen Lücken füllen

Auch die anderen Teams müssen auf den Nachwuchs hoffen. Bei Alpecin – Deceuninck hat Niels Vandeputte beim deutschen Saisonauftakt schon seinen ersten Sieg gefeiert, als er in Bensheim den Spieß umdrehte und sich bei Marcel Meisen (Stevens) für die Niederlage vom Vortag revanchierte. Jente Michels sind nach einer beeindruckenden ersten U23-Saisonebenfalls regelmäßige Platzierungen in den Top Ten zuzutrauen.

Pauwels Sauzen hofft auf Ryan Kamp, den U23-Weltmeister von 2020, der aber wie sein Landsmann Ronhaar 2021/2022 eine schwächere Saison hatte. Ganz anders erging es U23-Weltmeister Joran Wyseure, der wie sein Teamkollege Emiel Verstrynge von Tormans zu Crelan – Fristads wechselte. Die beiden Belgier feierten ihren jeweiligen Durchbruch und konnten ihre starken Saisons mit Top-Ten-Platzierungen in großen Rennen mit einem Doppelsieg bei der WM krönen.

Aus deutscher Sicht liegen - wie immer seit dem Rücktritt von Philipp Walsleben - alle Hoffnungen auf Meisen. Letzte Saison wurde der Deutsche Meister in Düsseldorf von der Nachwuchshoffnung Tom Lindner (Heizomat – Kloster Kitchen) geschlagen, der 21-Jährige hatte danach aber nur noch wenige Auftritte im Gelände und ließ dabei auch die nötige Konstanz vermissen.

Frauen

Wesentlich besser sieht die Situation für den Querfeldeinsport bei den Frauen aus. Nach vielen Jahren mit Rennen, die im Wochentakt an Spannung kaum zu überbieten waren, sorgte  Lucinda Brand (Baloise – Trek Lions) mit ihrer Dominanz 2021/22 oft für Langeweile. Nur Weltmeisterin Marianne Vos (Jumbo – Visma), die ein abgespecktes Programm absolvierte, konnte ihre Landsfrau gefährden und mehrere Male schlagen.

Mit Ceylin del Carmen Alvarado (Alpecin – Deceuninck) kann nach einer schwachen Saison wieder gerechnet werden, denn im Gegensatz zum Vorjahr, als sie bei einem Sturz eine schwere Verletzung davontrug, hatte die Niederländerin heuer eine gute Vorbereitung. Annemarie Worst (777) meldete sich bereits zum Ende der letzten Saison wieder in alter Stärke zurück, nachdem der Winter lange nicht nach Wunsch gelaufen war. Mit Denise Betsema (Pauwels Sauzen – Bingoal) hofft eine weitere Niederländerin, wieder ganz vorn eingreifen zu können.

Wie bei den Männern gibt es auch bei den Frauen interessante Talente, die allerdings im Gegensatz zu Vandeputte & Co. den Anschluss an die Weltelite bereits geschafft haben. Fem van Empel (Pauwels Sauzen – Bingoal) konnte – in Abwesenheit von Brand – die Weltcups in Flamanville und Val die Sole gewinnen. Puck Pieterse (Alpecin – Fenix) kam bei sechs Weltcup-Rennen aufs Podium und wurde in Fayetteville U23-Weltmeisterin vor van Empel. Die beiden 20-Jährigen überflügelten auch Shirin van Anrooij (Baloise – Trek Lions), die allerdings auf der Straße ebenfalls zur erweiterten Weltklasse gehört und auch dort ein großes Programm absolvierte.

Wenig Konkurrenz für die überragenden Niederländerinnen

Schwieriger ist die Suche nach Topstars, die nicht aus den Niederlanden kommen. Kata Blanka Vas (SD Worx) ist neben Vos die einzige Fahrerin, die die Crosssaison der auf der Straße unterordnet. Das machte sich letzten Winter bei den Leistungen der 21-Jährigen bemerkbar. Die US-Amerikanerin Clara Honsinger (Cannondale) und die Kanadierin Maghalie Rochette (Specialized) können an guten Tagen mit den Besten konkurrieren, es fehlt ihnen aber etwas an Konstanz. Honsinger ist außerdem eine Spezialistin für die ganz schweren Rennen und hat große Probleme bei schnellen Wettkämpfen.

Die Italienerin Silvia Persico wurde im Verlauf der letzten Saison immer stärker und fand im Januar Anschluss an die Weltspitze, wie nicht zuletzt ihre Bronzemedaille bei der WM in Fayetteville bewies. Der 25-Jährigen gelang allerdings in dieser Saison auch der Durchbruch auf der Straße und es bleibt abzuwarten, wie sich das auf ihre Leistungen im Winter auswirkt.

So muss man vielleicht auf die unter 20-Jährigen schauen. Zoe Bäckstedt steigt als Weltmeisterin von den Juniorinnen in die U23 beziehungsweise Elite auf. In der höchsten Kategorie feierte sie allerdings schon letzten Winter drei Siege, unter anderem beim Ethias Cross in Essen. Ihrer Teamkollegin Marie Schreiber gelangen im September in Deutschland bereits zwei UCI-Siege. U23-Mountainbike-Weltmeisterin Line Burquier (A.S. Bike) erzielte als 18-Jährige schon Top-Ten-Resultate in Weltcuprennen. Die Französische Meisterin ist vor allem in den schweren Rennen zu beachten.

Die Rennserien

Über den anderen Serien steht der Weltcup mit seinen 14 Events. Koksijde hat sich wegen der hohen Kosten zurückgezogen, mit Namur fehlt ein weiterer belgischer Austragungsort - die wallonische Stadt richtet diesmal an der Zitadelle die Europameisterschaft aus. Statt Hoogerheide, das Gastgeberin der Weltmeisterschaften ist, gehört das neue Rennen auf dem Gelände des Safari-Parks Beekse Bergen diesmal zum Weltcup. Besancon nimmt den Platz von Flamanville ein. Neu dabei ist ebenfalls Maasmechelen.

Nach dem Aus von Gieten und dem Wechsel von Gavere zum Weltcup musste die Superprestige, die in dieser Saison eine rein belgische Veranstaltung ist, ihren Kalender umstellen. Die beiden Urgesteine der Serie wurden durch Gullegem und Rückkehrer Middelkerke ersetzt. Bei der X²0 badkamers Trofee, bei der es nicht um Punkte, sondern um die schnellste Zeit geht, sucht man wie bei der Superprestige vergeblich nach einem Rennen außerhalb Belgiens. Auch den Klassiker in Loenhout findet man nicht mehr bei den acht Rennen, der dortige Azencross gehört nun zum kleineren Exact Cross. In dieser Rennserie wurde der Titelsponsor Ethias durch Exact ersetzt. Beim Exact Cross gibt es keine Gesamtwertung.

Die einzigen deutschen UCI-Rennen in Lützelbach und Bensheim wurden bereits absolviert. Sie bildeten den Saisonauftakt des internationalen Kalenders. Das Supercross in München muss der DM in der bayrischen Landeshauptstadt weichen.

Der Cross-Kalender 2022/23

September
19. Exact Cross Kruibeke
25. Exact Cross Beringen

Oktober
1. Oktober Exact Cross Meulebeke
9. Oktober Weltcup Waterloo
16. Oktober Weltcup Fayetteville
23. Oktober Weltcup Tabor
29. Oktober Superprestige Ruddervoorde
30. Oktober Weltcup Maasmechelen

November
1. November X²0 Trofee Oudenaarde
6. November Europameisterschaft Namur
11. November Superprestige Niel
13. November Weltcup Beekse Bergen
19. November Superprestige Merksplas
20. November Weltcup Overijse
26. November X²0 Trofee Kortrijk
27. November Weltcup Hulst

Dezember
3. Dezember Superprestige Boom
4. Dezember Weltcup Antwerpen
10. Dezember Exact Cross Essen
11. Dezember Weltcup Dublin
17. Dezember Weltcup Val di Sole
23. Dezember Exact Cross Mol
26. Dezember Weltcup Gavere
27. Dezember Superprestige Heusden-Zolder
28. Dezember Superprestige Diegem
30. Dezember Exact Cross Loenhout

Januar
1. Januar X²0 Trofee Baal
3. Januar X²0 Trofee Herentals
5. Januar X²0 Trofee Koksijde
7. Januar Superprestige Gullegem
8. Januar Weltcup Zonhoven
15. Januar Deutsche Meisterschaft in München
21. Januar Exact Cross Zonnebeke
22. Januar Weltcup Benidorm
28. Januar X²0 Trofee Hamme
29. Januar Weltcup Besancon

Februar
5. Februar Weltmeisterschaft Hoogerheide
11. Februar Superprestige Middelkerke
12. Februar X²0 Trofee Lille
18. Februar Exact Cross Sint-Niklaas
19. Februar X²0 Trofee Brüssel

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