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30.05.2025 | (rsn) - Angst in der Abteilung führt oft dazu, dass die Rolle des Chefs besonders dominant ist. Was fürs Büropersonal gilt, galt an diesem drittletzten Giro-Tag auch für ausdauernde Männer auf Rennmaschinen. Der Respekt vor dem Colle delle Finestre am Samstag trug sicher seinen Teil dazu bei, dass die Attacken der Klassementfahrer auf der 19. Giro-Etappe eher Probiercharakter hatten und wenig Entschlossenheit ausstrahlten.
Ein weiterer Grund war freilich, dass die bei diesem Giro nicht immer souverän wirkende UAE-Truppe das Geschehen über weite Strecken fest im Griff hatte. Isaac Del Toro wirkte gut geschützt, besonders durch Rafal Majka und Brandon McNulty. Und selbst musste er nur einmal kurz seine Explosivität unter Beweis stellen, als Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) attackierte.
___STEADY_PAYWALL___Im Zielsprint um Platz zwei und die verbliebenen Bonussekunden auf der 19. Giro-Etappe war der Mexikaner dann aber wieder der Meister. “Es war ein guter Tag für mich. Das Team war gut, wir müssen immer gut zusammenbleiben, was heute gut klappte. Wir haben auch gut auf alle Bewegungen reagiert“, fasste Del Toro den Tag in den Bergen aus seiner Sicht zusammen.
Isaac Del Toro (UEA – Team Emirates – XRG) hatte auf der 19. Giro-Etappe alles unter Kontrolle. | Foto: Cor Vos
Ein bisschen überrascht wirkte der Mexikaner aber auch er von der Zaghaftigkeit seiner Konkurrenten. “Ja, ich hatte mit mehr gerechnet. Aber sicher spielte auch der Wind eine Rolle. An einigen Anstiegen hatten wir mal Gegenwind, dann wieder Rückenwind. Da willst du nicht so gern früh raus und allein dagegen anfahren. Man merkt auch die Spuren, die die ganzen Tage bei uns hinterlassen haben. Am Ende waren ja nicht mehr so viele Leute mit vorn dabei“, meinte Del Toro auf der Pressekonferenz. Bemerkenswerterweise hielt er den Wind für entscheidender als die Neutralisierungsarbeit seiner Teamkollegen.
Für die zwischenzeitliche Tempoverschärfung von Visma – Lease a Bike hatte er nur ein müdes Lächeln übrig. “Ich denke, sie wollten mich leiden lassen. Sie haben es ja auch mit Fahrern versucht, die sich von vorn zurückfallen ließen“, sagte Del Toro. Der Versuch scheiterte allerdings, was dann auch Visma-Kapitän Simon Yates freimütig zugab. “Unser Plan für die Etappe war komplett anders als das, was wir dann taten“, meinte der Brite kritisch. Das Leiden war am Ende eher auf seiner Seite. Und auch Carapaz hatte nur ein süßsaures Lächeln auf den Lippen. Immerhin konnte er seinen zweiten Platz festigen und noch ein paar Sekunden auf Yates herausholen.
Del Toro wirkt derweil selbstbewusst, aber noch nicht übermütig. Auf die Frage, ob er sich nach dieser vorletzten Bergetappe sicherer fühle in der Führungsposition, meinte er nur: “Ich fühle mich wie jeden Tag, kein bisschen sicherer. Ich will der einfache normale Typ sein, der sich ein großes Abendessen gönnt, morgen früh Nutella. Dann können wir wieder Gas geben.“
Vor dem Colle delle Finestre hat er Respekt, aber keine Angst. “Ja, ich habe vor einigen Jahren die lange Attacke von Chris Froome dort gesehen. Es wird einfach magisch, dort zu fahren“, blickte er auf den letzten wichtigen Tag dieses Giros voraus, der ihn von seinem bislang größten Erfolg trennt. Ob ‘magisch‘ für ihn bedeutet, seine bisher schon sehr bemerkenswerte Performance mit einem Husarenstück a la Froome zu krönen, ließ er allerdings offen.
Die Attacke von Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) parierte der Mexikaner souverän. | Foto: Cor Vos
Auf die Frage nach einer Monsterattacke am letzten Bergtag lächelte der 21-Jährige nur in die Mikros und verschloss ganz fest die Lippen. Dass es ihn lockt, den Giro d’Italia mit einem zweiten Etappensieg abzurunden, waren seinen blitzenden Augen aber abzulesen.
Diese 19. Etappe zeigte, dass Del Toros Schwächemomente vom Anfang der Woche wahrscheinlich nicht den langen Anstiegen geschuldet waren, sondern eher der Umstellung vom Ruhetag auf Höchstbelastung. Die Hoffnung der Konkurrenz, den Mexikaner noch vom Thron stoßen zu können, sinkt ganz offenbar. Im Vergleich zu ihnen wirkt er sogar noch frischer.
Weder Hitze noch die langen Kanten scheinen ihm zuzusetzen. Visma - Lease a Bike und EF Education - EasyPost müssen für den Samstag bessere Pläne schmieden und sie vor allem besser umsetzen.
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