RSNplus“Kumpel-Duell“ bei Tirreno-Adriatico geht an Del Toro

Pellizzari bietet große Show auf heimischem Terrain

Von Tom Mustroph aus Camerino

Foto zu dem Text "Pellizzari bietet große Show auf heimischem Terrain"
Giulio Pellizzari (Red Bull - Bora - hansgrohe) ließ in seiner Heimat nichts unversucht, um den Sieg einzufahren. | Foto: Cor Vos

14.03.2026  |  Etwa 600 Meter vor dem Ziel in der Markenstadt Camerino sorgte der Fanklub Giulio Pellizzari für Stimmung. Große Banner schwangen im Wind, "Giulio, Giulio"-Rufe schallten in den Schlauch hinein, der durch die Banden an beiden Seiten der Straße gebildet wurde. Und der Fahrer von Red Bull - Bora - hansgrohe, der derart angefeuert wurde, zeigte eine Reaktion. "Es war toll, hier auf den Straßen zu fahren, auf denen ich groß geworden bin. Der Zuspruch der Fans hat mich auch motiviert. Ich wollte mich von meiner besten Seite zeigen“, sagte er kurz nach der Zieldurchfahrt den wenigen Reportern, die mit ihm beim Ausrollen Schritt zu halten vermochten und die Ohren aufsperrten und den Aufnahmeknopf ihrer Handys drückten.

Ja, Pellizzari hatte mit seiner jungenhaft wilden Art das Finale dieser 6. Etappe des Tirreno-Adriatico (2.UWT) belebt. Auf dem letzten Kilometer konnte er sich sogar der Illusion hingeben, den Tag mit einem Etappensieg zu krönen. Denn ganz allein stürmte er den Anstieg zur Piazza del Popolo hinauf. ___STEADY_PAYWALL___

Dass er in diese Situation kam, hatte er allerdings auch Isaac Del Toro zu verdanken. Hätte der Mexikaner nicht gut 10 Kilometer vor dem Ziel seinem schon da recht erschöpften Teamkollegen Jan Christen den Auftrag gegeben, die Ausreißer des Tages endlich zurückzuholen, hätten wohl diese, allen voran der tapfere Gregor Mühlberger, den Sieg unter sich ausgemacht. Christen brauchte aber nur gut zwei Kilometer, um die 24 Sekunden Rückstand zu egalisieren. Damit war die Fahrt frei für die Klassementfahrer.

Pellizzari eröffnet entscheidende Phase

Zahlreiche Attacken folgten, unter anderem von Wout Van Aert und Ben Healy. Alle ergebnislos. Die erfolgversprechendste lancierte dann aber Pellizzari. "Ich wusste schon am Morgen, dass es schwer sein würde. Aber es war der perfekte Moment. Allein die Wand hochzufahren unter den Anfeuerungsrufen der Leute war einfach fantastisch", sagte er.

Bei seiner Attacke profitierte er freilich auch vom kurzen Zögern Del Toros. Er gewann schnell einige Meter. Wollte Del Toro seinem alten Kumpel in dessen Heimatstadt den Sieg gönnen und hielt sich deshalb zurück? Auf die Frage von RSN meinte der Mexikaner: "Giulio ist hier zu Hause, das stimmt. Und es war bestimmt super schön für ihn, hier zu fahren. Aber ich bin hier für mein Team. Und da fällt es nicht leicht, eine freundschaftliche Rolle zu spielen. Du musst ja auch deinen Job tun. Und natürlich habe ich für mein Team agiert. In diesem Moment habe ich einfach versucht, ruhig zu bleiben. Ich wollte auch nicht zum Vorteil für die anderen Jungs agieren." An Pellizzari flog der Mexikaner schließlich doch noch vorbei. Auch Matteo Jorgenson hielt er in Schach.

Freunde und Rivalen: Giulio Pellizzari und Isaac Del Toro. | Foto: Cor Vos

Vor allem aber hatte Del Toro schon vorher beeindruckt, wie er in der kniffligen Situation etwa 20 Kilometer vor dem Ziel die Nerven behielt. Da hatte ihn eine Tempoverschärfung von Visma – Lease a Bike für einen Moment isoliert. "Ich bin da nicht in Panik geraten, denn ich wusste, mein Team hatte vorher einen guten Job gemacht und deshalb hatte niemand mehr einen vollen Tank. Ich wusste auch, selbst wenn ich müde bin, so sind es die anderen auch. Ich spielte dann die verschiedensten Szenarios durch und wie ich mich verhalten sollte. Und als Jan dann zurückkam, war klar, dass wir versuchen würden, die Ausreißer einzuholen", beschrieb er die Situation.

Ohne Fortune, aber Platz zwei gesichert

Jung an Jahren, aber schon ein kühler Rechner und taktisch versiert, Chapeau. Weil er auch die stärksten Beine im ganzen Peloton hat, dürfte ihm der Sieg nicht zu nehmen sein.

Kumpel Pellizzari hatte in seiner Heimatstadt den Heimatbonus nicht so ganz ausspielen können. Glücksfee Fortuna hatte dann aber doch ein Einsehen mit ihm. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, warum Matteo Jorgenson auf den letzten Metern noch etwas an Fahrt herausnahm und der Norweger Tobias Halland Johanessen ihm die Bonuspunkte für Platz zwei wegschnappen konnte. Um die Winzigkeit von einer Sekunde verteidigte Pellizzari Gesamtrang zwei vor dem US-Amerikaner. Das Glück des Tüchtigen, darf man auch konstatieren.

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