XTR Schaltwerk, Doppelventil und 38mm Reifen

Die Technik-Highlights von Paris - Roubaix im Detail

Von Christoph Matt

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Die beachtliche Reifenbreite an Tadej Pogacars (UAE - Emirates - XRG) Colnago fällt schon fast mit bloßem Auge auf | Foto: Cor Vos

12.04.2026  |  (rsn) – Paris - Roubaix ist nicht nur das Rennen der Kopfsteinpflaster-Spezialisten sondern auch immer eine Spielwiese der Mechaniker. Nachdem hier schon spekuliert wurde, was man materialtechnisch sehen könnte, sind vor dem Start der 123. Ausgabe der "Königin der Klassiker" schon die ersten spannenden Details aufgefallen.

Die Highlights haben wir hier zusammengestellt.

Ineos Grenadiers greift für das Rennen in den modularen Baukasten von Shimano. Das Team fährt ein 1-fach-Setup, das Shimano so eigentlich gar nicht anbietet. Die Dura-Ace Gruppe wird am Pinarello Dogma F mit einem Mountainbike Shimano XTR Schaltwerk gefahren. Die Idee dahinter ist, mehr Kettenspannung über das das holrige Terrain zu haben, aber auch, dass das System weniger empfindlich auf Schläge reagiert. Bei heftigen Erschütterungen wie etwa beim Mailand-Sanremo-Sturz von Tadej Pogacar schaltet das Straßenschaltwerk in einen Sturzmodus und muss danach händisch zurückgesetzt werden. Das XTR Schaltwerk dürfte dagegen besser gewappnet sein.

UAE - Emirates - XRG fährt ebenfalls mit einem 1-fach Kettenblatt, jedoch weiterhin mit dem Straßenschaltwerk. Beim Aerorad Y1RS von Pogacar wurde außerdem kräftig an der Reifenauswahl getüfelt. Vorne ist der neue Continental GP5000S TR in 35-Millimeter-Reifen montiert. Die Schublehre der Kollegen von Bikeradar zeigt der Messung aber fast 38 Millimeter an und damit bleibt der Reifen nur knapp unter dem UCI-Limit. Der maximale Außendurchmesser des Rads darf 700 Millimeter nicht überschreiten, was mit einem 40-Millimeter-Reifen oft schon passiert. Hinten bleibt es wie im Vorjahr wohl aus Platzgründen bei 32 Millimetern.

Eine besonders spannende Lösung für die “Königin der Klassiker” liefert Lidl–Trek. Gefahren wird wie bei fast allen Teams tubeless, auf klassische Inserts, Schaumstoffeinlagen, die viele Teams bei diesem Rennen für zusätzlichen Durchschlagschutz im Reifen montieren, verzichtet man jedoch. Stattdessen steckt im Reifen ein dünner, separat aufgepumpter TPU-Schlauch, der diesen nicht komplett ausfüllt und über spezielles Ventil mit zwei Eingängen befüllt wird.

Dieses System dürfte im Gegensatz zu Inserts den Rollwiderstand nicht erhöhen, soll jedoch den Pannenschutz eines Inserts bieten. Gefahren wird der Schlauch mit rund sechs Bar. Im Fall eines Lochs entweicht die Luft in den Tubelessreifen und kann, wenn die Dichtmilch funktioniert, den Reifen wieder befüllen.

Bei Alpecin - Premier Tech war am Canyon Endurace von Jasper Philipsen ein neues Pedal zu sehen. Das als Prototyp gelabelte Pedal könnte das neue Dura Ace Modell sein. Die Optik erinnert stark an den Vorgänger, die Bauhöhe wirkt aber etwas reduziert, um die Standhöhe zu senken. Offizielle Infos dazu gibt es noch nicht.

Wout van Aert (Visma - Lease a bike) fährt heuer das Cervélo S5 und nicht mehr das Soloist wie im Vorjahr. Auf das Graava-System zur Reifendruckregulierung muss das Team nach dem konkursbedingten Verbot der UCI verzichten. Am Rad von Pauline Ferrand-Prévot bleibt man trotzdem bei der bewährten Lösung, die Tubelessreifen mit Tubularkleber auf der Felge zu fixieren. Dadurch soll sogenanntes Burping verhindert werden. Darunter versteht man einen kurzzeitigen Luftverlust, der entsteht, wenn sich der Tubelessreifen bei einem harten Schlag minimal von der Felge löst.

Und noch ein Detail bei Unibet Tietema Rockets: Dort setzt man bei den Vision-Laufrädern auf Alu-Speichen statt der sonst üblichen Carbon-Variante.

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