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26.04.2026 | (rsn) – Für einen Tag war Lennart Jasch (Tudor) beliebter als Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM), Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) oder Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5); zumindest auf der Statistik-Website procyclingstats. Dort landete der Deutsche nach seinem Etappensieg bei der Tour of the Alps (2.Pro) nämlich in der Kategorie “Popular today“ – der meistgeklickten Fahrer des Tages – ganz oben.
Als Ausreißer hatte er bei der Giro-Generalprobe nicht nur die deutschen Fans in Verzückung versetzt, auch die internationale Szene wurde auf Jasch aufmerksam. Doch der 25-Jährige wollte nicht nur König für einen Tag sein – und setzte keine 24 Stunden nach seinem sensationellen Sieg in Trento noch einen drauf.
___STEADY_PAYWALL___“Ich hatte vor der Etappe Bedenken wegen meiner Beine, denn die Situation war schon ungewohnt. Normal kommt man an, schwitzt sich kurz aus und dann ab ins Hotel, wo es eine Massage gibt. Jetzt war ich fast zwei Stunden in der Zielzone zur Siegerehrung und Dopingkontrolle et cetera. Ich bin das alles nicht gewohnt und komme da deswegen auch nicht so zügig durch wie erfahrenere Profis“, beschrieb Jasch gegenüber RSN die Stunden nach dem, was er seinen ersten Profisieg nannte, andere aber als den dritten bezeichnen würden.
“Am Ende waren die Beine dann recht normal, aber sicher nicht so außergewöhnlich wie am Tag davor“, so Jasch zum Schlusstag der Tour of the Alps. Den Etappensieg machten die Klassementfahrer unter sich aus, doch Jasch hatte es erneut in die Gruppe des Tages geschafft und dort so viele Bergpunkte gesammelt, dass er das dazugehörige Trikot mit nach Hause nehmen durfte.
“Das war nicht wirklich geplant. Aber zweimal sind Riesengruppen weggefahren und wir konnten die nicht einfach fahren lassen. Deswegen war ich dabei“, sagte der Devo-Fahrer, der sich nebenbei auch noch die Wertung des Angriffslustigsten Fahrers sicherte.
Lennart Jasch (Tudor) holte sich gleich zwei Sonderwertungen | Foto: Cor Vos
Schon vor der Etappe hatte Jasch aufs Bergklassement geschielt, ohne daraus wirklich ein Ziel zu machen. Seinen Möglichkeiten war er sich aber durchaus bewusst. “Ich habe Grünes Licht bekommen und bin um die Punkte gesprintet – und das war dann eben das Bergtrikot“, fasste er das Geschehen trocken zusammen.
“Aber ein Etappensieg ist natürlich viel, viel, viel, viel, viel wertiger. Die meisten wollen unbedingt die Etappe gewinnen, für das Bergtrikot kommen nur ein paar Leute in Frage. Je begehrter etwas ist, desto schwieriger ist es zu erreichen“, erklärte Jasch weiter. “Nichtsdestotrotz ist es schön, das auch noch mitzunehmen und noch mal auf dem Podium zu stehen und das alles aufzusaugen. Das ist ein schönes Achievement, das ich in meinem Palmares auflisten kann. Das bereitet Freude und gibt Energie“, fügte er an.
Doch zurück zu den internationalen Journalisten, auf die Jasch vor allem an den letzten beiden Tagen Tour of the Alps Eindruck gemacht hatte. Die hatten nämlich einige interessante Dinge bemerkt. Der niederländische Eurosport-Kommentator bekam zwei Tage lang nicht genug von den "Turbo-Oberschenkeln" des Deutschen und verglich sie mit denen von Sprinter Max Kanter (XDS – Astana).
“Ich denke, dass die vom Eislaufen noch so sind, denn da haben wir sehr viel Krafttraining gemacht und das baut bekanntlich Muskulatur auf. Allgemein hat der Sport einen deutlich höheren Krafteinsatz als Radfahren. Beim Eisschnelllauf war mein Körperbau eher klassischer Durchschnitt, jetzt ist er ungewöhnlich“, erklärte der ehemalige Eisschnellläufer.
Auch unter den Ausreißern auf der 5. Etappe hatte Jasch einen “ungewöhnlichen Körperbau“. | Foto: Cor Vos
Ein verkappter Sprinter steckt jedoch nicht im Tudor-Fahrer. “Für einen Bergfahrer aus einer kleinen Gruppe ist es ganz gut, aber mit Max Kanter würde ich mich nicht vergleichen und ein Feldsprint…“, Jasch musste bei dem Gedanken selbst kurz lachen, “…da fehlen so 500 Watt im Peak“, beendete er den Gedanken. Er sei definitiv kein Sprinter, und bezeichnete sich als Allrounder. "Aktuell bin ich überall ganz gut aber nirgendwo wirklich außergewöhnlich.“
Ebenfalls auf Eurosport, aber in der englischsprachigen Ausgabe, wurde das "Painface" des Bayern gelobt. Als Jasch seine Mitausreißer auf der 4. Etappe abhängte, sah es aus, als würde er dabei lachen. Bei seinem zweiten Angriff schien es wieder so. “Das ist mir tatsächlich auch neu. Ich hatte mir das im Livestream noch mal angeguckt und da habe ich es auch gesehen. Es sieht tatsächlich aus , als würde ich lachen. In Wirklichkeit war mir nicht zum Lachen zumute, auch wenn es natürlich ein cooles Gefühl ist, wenn man merkt, dass man besser ist als die anderen und allein losfahren kann. Aber die Energie, da zu lachen, hatte ich nicht mehr“, betonte er.
Der niederländische Eurosport-Kommentator Lars van den Berg dagegen hob die Klasse von Jasch hervor. Wer als Devo-Fahrer so eine Leistung zeige, der würde einen Profivertrag geradezu erzwingen, sagte der 27-Jährige schon einige Kilometer, bevor Jasch bei seinem Sieg die Ziellinie überquerte. Und auch wenn er schon als Profi eingesetzt wird - seine sämtlichen 21 Renntage absolvierte Jasch in der ersten Mannschaft, so würde er auch gern offiziell aufsteigen.
“Es macht einen Unterschied, denn als Devo-Fahrer darf man nicht bei WorldTour-Rennen starten. Und das sind die größten Rennen und es hat wohl jeder als Ziel, an denen teilzunehmen, gerade was die Tour und die Monumente betrifft“, resümierte Jasch. Ein vorzeitiger Wechsel zu den Profis ist vorerst aber ausgeschlossen, da der Kader des Zweitdivisionärs mit 30 Profis das erlaubte UCI-Maximum bereits erreicht hat.<
Und so landet Jasch nach dem Höhenflug erstmals diese Saison auf dem Niveau, auf dem er offiziell geführt wird. “Ich bin beim Flèche Ardennais dabei und zwei Tage darauf in Bern, bei einem nationalen Rennen. Beide Wettkämpfe sind mit dem Devo-Team“, blickte er voraus.
Und eines ist sicher: Während er bisher recht anonym durchs Feld fahren konnte, wird Jasch bei kleineren Rennen ab sofort einer der Stars des Pelotons sein, denn für die nötige Beachtung hat er mit seinen Turbo-Beinen gesorgt. “Es war schön, dass ich der meistaufgerufene Fahrer war und die Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen habe. Auf Social Media und WhatsApp haben mir wahnsinnig viele Leute gratuliert. Es war mega megaschön zu sehen, dass sich so viele Leute mit mir freuen", sagte Jasch abschließend.