Milan, Magnier, Groenewegen, Lund Andresen und Co.

Fünf Große und viele Kleine: Die Sprinter des Giro 2026

Von Kevin Kempf

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Jonathan Milan hofft gleich zum Auftakt beim Giro aufs Rosa Trikot für das deutsche Team Lidl - Trek. | Foto: Cor Vos

07.05.2026  |  (rsn) – Mit drei Abschnitten in Bulgarien beginnt am Freitag der Giro d’Italia – und dreimal könnten die Sprinter direkt zuschlagen. Die 2. Etappe ist dabei im Finale aber ziemlich schwer, sodass maximal ein stark dezimiertes Feld in Veliko Tarnovo gemeinsam um den Tageserfolg sprinten dürfte.

Wer von den anwesenden schnellen Männern da noch dabei sein kann, ist fraglich. Kaden Groves (Alpecin – Premier Tech) hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er sehr gut über schwere Hügel kommt und gleiches kann auch von Corbin Strong (NSN) und Orluis Aular (Movistar) gesagt werden. Sie gehören zurzeit aber nicht zu den Fahrern mit dem größten Punch.

radsport-news.com blickt auf die Riege der "schnellen Männer" für diese 109. Italien-Rundfahrt – die mit den dicken Beinen, die schon am Freitag zum Auftakt ums erste Rosa Trikot kämpfen dürften.

Milan und Magnier an der Spitze?

Fünf Mann stechen ins Auge, die die Tagessiege auf den leichteren Flachetappen unter sich ausmachen sollten. Allen voran: Jonathan Milan (Lidl – Trek), der – wenn man Siegekönig Dusan Rajovic (Solution Tech – Nippo), der aber vor allem auf niedrigerem Niveau gewann, ausklammert – mit sechs Saisonerfolgen der erfolgreichste Sprinter der Saison ist. Für ihn wird sein italienischer Landsmann Simone Consonni mit dem deutschen Duo Maximilian Walscheid und Tim Torn Teutenberg den Goldstandard der Sprintzüge definieren.

Dem Milan-Zug fehlen wird allerdings sein wichtigster Anfahrer aus dem Vorjahr: Jasper Stuyven. Er fährt nun für Soudal - Quick-Step und dort für einen von Milans größten Kontrahenten bei diesem Giro: Paul Magnier. Der Franzose flog in letzter Zeit etwas unter dem Radar, ist aber trotzdem weiter die Nummer eins im procyclingstats-Sprinterranking.

Magnier holte sich im Februar zwei Etappen der Volta ao Algarve (2.Pro) und blieb danach sieglos. Auf den Giro bereitete er sich mit einer vierwöchigen Rennpause vor und so darf man gespannt sein, zu was er nun in der Lage ist. Knüpft er ans Vorjahr und an den Februar an, ist Magnier Milans größter Herausforderer.

De Lie, Lund Andresen und Groenewegen

Mit einem Sieg und einer daraus resultierenden Krankheit reist Arnaud De Lie (Lotto – Intermarché) beim Giro an. Zum dritten Mal holte sich der 24-Jährige die Famenne Ardenne Classic (1.1) am vergangenen Sonntag, wurde danach wie viele seiner Kollegen im Rennen – wohl wegen durch den Regen von der Straße aufspritzende Fäkalien – krank und musste die Fahrer-Präsentation des Giros nun auslassen. Auch gesund ist der 24-Jährige ein Enigma, das ausgezeichnete und fürchterliche Leistungen nahtlos ineinander über gehen lässt. An guten Tagen übersteht der Belgier schwere Hügel ausgezeichnet, wie nicht zuletzt sein erster Platz beim GP de Québec (1.UWT) 2023 beweist.

Der Sprint-Aufsteiger der Saison ist zweifelsohne Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM), der in die erste Reihe vorgesprintet ist. Der 23-Jährige war an 50 Prozent seiner 22 Renntage in den Top Ten und hat bei der Tour Down Under, dem Cadel Evans Great Ocean Road Race und Tirreno-Adriatico auf WorldTour-Niveau gewonnen. Auch bei den Klassikern war er meist vorn dabei und verpasste als Zweiter bei Middelkerke-Wevelgem nur knapp einen weiteren Coup auf dem höchsten Niveau. Bei der Tour 2025 ist er bereits aufs Tagespodium gefahren, beim Giro sollte es jetzt noch weiter nach vorn gehen können.

Das Comeback des Jahres feiert Dylan Groenewegen (Unibet – Rose Rockets). Die optischen Eindrücke lassen den Schluss zu, dass der Niederländer momentan der schnellste Sprinter der Welt ist. An seinen 15 Renntagen hat er viermal gewonnen, hinzu kommen zwei Podiumsplätze. Der 32-Jährige benötigt allerdings topfebene Rennen, denn selbst kleinere Hügel gehören nicht zu seiner Kernkompetenz.

Wenn er aber mit seinem von Marcel Kittel gecoachten, starken Zug, bestehend aus Niklas Larsen, Hartthijs de Vries, Elmar Reinders, den Kopecky-Brüdern und Lukas Kubis auf der Zielgerade auftaucht – und das tun die Unibet-Männer gern im letzten Augenblick -, wird es für die Konkurrenz gefährlich und könnte es bei der Grand-Tour-Premiere für den Zweitdivisionär gleich Etappenerfolge geben.

Rest oft he Best

Doch es gibt auch andere Sprinter, die dieses Jahr schon als erste über die Ziellinie kamen und beim Giro sicherlich ihr Konto aufstocken wollen: XDS – Astana setzt auf Matteo Malucelli, der schon im Januar bei der AlUla Tour (2.1) jubeln durfte. Immer wieder unterschätzt wird Ethan Vernon (NSN), der zwar einen Monat ohne Renneinsatz ist, davor aber viermal der Schnellste im Feld war, unter anderem bei der Katalonien-Rundfahrt und der Tour Down Under auf WorldTour-Niveau. Wie Malucelli war auch Erlend Blikra (Uno-X Mobility) früh auf der arabischen Halbinsel, nämlich bei der Tour of Oman (2.Pro) ganz vorn.

Bei der Türkei-Rundfahrt (2.Pro) brach Casper van Uden (Picnic – PostNL) den Sieglos-Bann seiner Mannschaft. Er überraschte 2025 beim Giro Freund und Feind auf der 4. Etappe, blieb seitdem aber bis letzte Woche ohne Triumph. Ebenfalls auf der 4. Etappe einer Grand Tour überraschte 2025 Ben Turner (Netcompany – Ineos), der bei der Vuelta die Konkurrenz hinter sich ließ. Bei Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) ist ein Erfolg auf diesem Niveau inzwischen drei Jahre her. Matteo Moschetti (Pinarello – Q36.5) erzielte letzte Saison beim Giro als Dritter sein bestes Tagesergebnis innerhalb einer dreiwöchigen Rundfahrt.

EF Education – EasyPost schickt den jungen Esten Madis Mihkels ins Getümmel auf den Zielgeraden. Groupama – FDJ United hofft auf Paul Penhoët und Polti – VisitMalta auf Giovanni Lonardi. Da der 29-Jährige äußerst hügelfest ist, könnte er auf der 2. Etappe eine echte Option sein. Allerdings ließ seine Form bei der Türkei-Rundfahrt stark zu wünschen übrig.

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