Die deutschen KT-Teams bei Rund um Köln

Top Ten für Zemke, zwei Sonderwertungen für Koech

Von Arthur Lenné

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Starker Auftritt der deutschen KT-Teams bei Rund um Köln: Run & Race - Solarpur (im Bild bei der Teampräsentation) und Co. mischten in den Fluchtgruppen mit und sorgten für beachtliche Ergebnisse. | Foto: Run & Race - Solarpur

18.05.2026  | 

(rsn) - Ein hektischer Beginn, regennasse Straßen und ein erbarmungsloses Ausscheidungsfahren am Agathaberg: Die 108. Austragung von Rund um Köln (1.1) verlangte den Fahrern alles ab. Während an der Spitze WorldTour-Profis in einem späten Vorstoß den Sieg unter sich ausmachten, drückten auch die deutschen Kontinental-Teams dem rheinischen Klassiker ihren Stempel auf – sei es in der Fluchtgruppe des Tages oder mit starken Platzierungen im Finale.

Vom Start weg entwickelte sich ein intensiver Kampf um die Ausreißergruppen. "Der Beginn war wesentlich hektischer als in den Vorjahren. Es waren weniger WorldTour-Teams am Start, dafür wollten alle KT-Mannschaften in die Gruppe", erklärte Felix Linders, Sportlicher Leiter bei Storck - MRW Bau, gegenüber RSN. Zunächst formierte sich eine achtköpfige Spitzengruppe, in der mit Ole Jablonski (Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur), Luca Martin (MaxSolar - Raymon), Paul-Felix Petry (Rembe - rad-net) und Paul Keller (Storck - MRW Bau) gleich vier deutsche Kontinental-Fahrer dabei waren.

Pech hatte in dieser frühen Phase das Team Run & Race - Solarpur: Bastian Dietl hatte gerade den Sprung nach vorne geschafft, als er auf regennasser Fahrbahn in einem Kreisverkehr wegrutschte und stürzte. Die frühe Ausreißergruppe wurde nach gut 30 Kilometern wieder vom Feld geschluckt, da das Tempo extrem hoch blieb. Auch ein zweiter Versuch aus den Reihen von Lotto - Kern-Haus, diesmal mit Joscha Huberts, wurde umgehend wieder eingefangen.

Koech und Theiler fahren in der Gruppe des Tages

Kurz vor der ersten Bergwertung löste sich schließlich die entscheidende fünfköpfige Fluchtgruppe. Hier waren die deutschen Farben durch Silas Koech (Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur) und Ole Theiler (Rembe - rad-net) prominent vertreten. Über rund 100 Kilometer diktierte das Quintett das Rennen. Koech nutzte die Flucht optimal und sicherte sich sowohl die Berg- als auch die Sprintwertung.

"Silas ist ein super starkes Rennen gefahren. Wir wollten heute unbedingt aufs Podium einer Wertung, das haben wir geschafft", gab Florian Monreal, Teamchef von Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur, gegenüber RSN zu Protokoll. Koech krönte seinen Tag später als bester Fahrer seines Teams auf Rang 26.

Die Selektionen am Agathaberg

Der erwartete Knackpunkt des Rennens folgte am Agathaberg. Die Mannschaften Red Bull - Bora - hansgrohe und Tudor erhöhten das Tempo drastisch und rissen das Feld auseinander. Die Fahrer hatten an der Schlüsselstelle mit dem bekannten Ziehharmonika-Effekt zu kämpfen, als vorne gebremst wurde und sich das Feld hinten staute.

Die KT-Teams konnten sich jedoch an dieser Schlüsselstelle gut positionieren. Storck - MRW Bau fuhr laut Linders "auf Position fünf und sechs in den Berg hinein" und hielt sich so schadlos bei der ersten Teilung. Auch Patrick Reißig (Benotti - Berthold) schaffte gemeinsam mit seinem Teamkollegen Luis Engelhardt den Sprung in die nun rund 45 Mann starke erste Verfolgergruppe. 

Bei Run & Race - Solarpur verlief die Überfahrt des Agathabergs noch vielversprechend: "Nach dem Agathaberg waren wir noch zu fünft", berichtete Tobias Kreuzer im Gespräch mit RSN. Eine Bergwertung später, bei den nächsten Teilungen, mussten vier der fünf Fahrer jedoch abreißen lassen.

Späte Attacke entscheidet – Zemke sprintet in die Top Ten

Nachdem die frühe Fluchtgruppe gestellt war, fiel die Entscheidung erst in der hektischen Schlussphase zwischen Sand und Bensberg. Laurence Pithie (Red Bull - Bora - hansgrohe) löste sich gemeinsam mit dem Q36.5-Duo Fred Wright und Aimé De Gendt aus dem dezimierten Feld. Das Trio zog durch und machte den Sieg unter sich aus, wobei Pithie im Sprint am Rheinauhafen triumphierte.

Nur wenige Sekunden dahinter raste das verbliebene Hauptfeld auf die Zielgerade. Im Sprint um die weiteren Platzierungen sorgte Jermaine Zemke (Rembe - rad-net) für das Highlight aus deutscher Sicht: Er sicherte sich einen hervorragenden achten Platz. "Wir hatten uns ein Top-15-Resultat vorgenommen. An den Anstiegen haben wir uns gut gegen die WorldTour-Fahrer behauptet, in der Sprintvorbereitung haben meine Teamkollegen dann einen super Job gemacht", lobte Zemke seine Helfer. 

Auch sein Sportlicher Leiter Fabian Peplau war zufrieden: "Es war ein ganz souveräner Auftritt. Wir haben unsere Ziele erreicht, waren das ganze Rennen über präsent und haben am Ende noch ein Top-Ten-Resultat erzielt", hieß es in einer Mitteilung des Teams. Ein starkes Ergebnis in dieser ersten großen Gruppe fuhr auch der Brite Matthew Walls (Storck - MRW Bau) als 16. ein.

"So viele Fans sieht man nicht mal in Holland oder Belgien"

Für MaxSolar - Raymon endete die Premiere bei Rund um Köln mit einem soliden 31. Platz durch José María García. "Wir sind mit fünf Mann zu Ende gefahren und können einfach zufrieden sein", resümierte Teamchef Heinz Kargl gegenüber RSN. Auch bei Benotti - Berthold blickte man optimistisch nach vorn: Engelhardt (40.) und  Reißig (43.) behaupteten sich in der ersten Gruppe. 

Zwar habe im Zielsprint "noch etwas an der Abstimmung gefehlt", räumte Reißig im Gespräch mit RSN ein, doch die Formkurve zeige nach oben. Als bester Fahrer von Run & Race - Solarpur erreichte Kreuzer auf Rang 53 das Ziel – auch dank der Arbeit von Helfer Paul Germer, der das Quintett mit Flaschen und Kleidung versorgte.

Trotz des Regens am Morgen und der extremen Rennhärte herrschte bei den Teams Einigkeit über die Begeisterung am Streckenrand. Felix Linders fasste die Stimmung stellvertretend zusammen: "Köln hat immer eine geile Atmosphäre. So viele Fans an der Strecke sieht man nicht mal in Holland oder Belgien."

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