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24.05.2026 | (rsn) – Sechs offizielle Verpflegungszonen gab es auf der 14. Etappe des Giro d'Italia im Aostatal. Bei Temperaturen von bis 30 Grad war das auf der 133 Kilometer langen, ersten Alpenetappe auch durchaus nötig. Tatsächlich aber konnten die Teams die Zonen aufgrund der Streckenführung rund um Aosta nur schwer auch wirklich alle erreichen und besetzen.
In der Live-Übertragung des Rennens sorgte das dafür, dass man sich wundern musste: Jonas Vingegaards Visma-Helfer um Victor Campenaerts und Co. nahmen plötzlich Trinkflaschen anderer Teams vom Streckenrand an – und das in Zeiten, in denen die 'Bidons' selbst innerhalb einer Mannschaft mit unterschiedlichen Konzentrationen an Nahrungsergänzungsmitteln und Kohlenhydratmengen daherkommen und jeder Fahrer vor, während und nach dem Rennen konkrete 'Nutrition-Pläne' befolgt.
radsport-news.com hat am Morgen danach vor dem Start der 15. Etappe vor Ort nachgefragt, wie die Teams damit umgehen. "Wir sind ja durch die UCI limitiert, wo wir Flaschen geben dürfen – nur in bestimmten Verpflegungszonen. Wir finden, dass wir in gewissen Situationen mehr machen sollten, aber das geht per Reglement nicht", erklärte Visma – Lease a Bikes Sportlicher Leiter Marc Reef RSN und erklärte:
"Wenn man dann keine Flüssigkeiten mehr hat, sind bestimmte Teams auch bereit, sich gegenseitig zu helfen", so der Niederländer mit Blick auf die konkrete Situation am Samstag. Offensichtlich konnten die Visma-Betreuer nicht alle sechs Verpflegungszonen besetzen, und an anderen, leichter zu erreichenden Stellen durften sie nicht verpflegen. Deshalb nahm man dann auch Flaschen von beispielsweise Alpecin – Premier Tech an.
Wenn man bei 30 Grad Wasser braucht, dann greift man alles, was man kriegen kann", so Reef, dem auch der Ernährungswissenschaftler von Bahrain Victorious, Giacomo Tomio zustimmte. Der Italiener erklärte RSN aber auch, dass es eben vor allem darum ginge: Wasser. "Meist nimmt man keine Kohlenhydrat-Flaschen von anderen Teams an, sondern vor allem Wasser und Eissocken. Aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man gerade weiter hinten im Rennen auch Fahrer anderer Teams mitversorgt. Das ist das Schöne im Radsport, man hilft sich gegenseitig."#
Auch Lidl – Treks Sportlicher Leiter Bernhard Eisel meinte: "Die sind alle froh, dass sie etwas kriegen. Wir hatten gestern Ciccone vorn in der Gruppe, hinten das Gruppetto mit Milan und dazwischen noch Derek Gee-West. Da mussten auch wir jonglieren. Wir versuchen immer Kooperationen mit anderen Mannschaften zu machen und uns gegenseitig auszuhelfen mit Laufrädern und natürlich auch Flaschen. Da vertrauen wir jedem und sind froh, dass es so noch läuft", so der Österreicher und lachte: "Gerade bei denen hinten im Gruppetto herrscht da Evolutiosndenken: Überleben! Da ist die Zusammensetzung in der Flasche komplett egal - Hauptsache es ist ein bisschen Zucker dabei!"
Wie das Team Unibet - Rose Rockets in einem Instagram-Reel zeigte, verpflegte deren Sportlicher Leiter Roger Hammond während der Etappe unter anderem Lidls Sprinter Jonathan Milan mehrmals - sogar mit vorher extra von Lidl - Trek bei ihm im Auto deponierten Flaschen. Und auch Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe) schaute bei den Rockets vorbei (siehe unten).
Red-Bull-Profi Ben Zwiehoff sagte, er selbst habe noch nie eine Flasche von einem anderen Team vom Straßenrand angenommen. "Ich kann aber verstehen, dass andere Teams, die vielleicht ein oder zwei Feedings weniger haben, sich gegenseitig aushelfen. Das ist ja auch schön", so der 32-jährige Essener und erzählte: "Ich habe gestern hier und da in unserer Gruppe noch Eis verteilt, wenn wir was übrig hatten."