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25.05.2026 | (rsn) – Im Trubel der schweren Bergetappe vom Freitag mit der Übernahme des Maglia Rosa durch Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und dem überraschenden, teils kontroversen Ausreißersieg von Frederek Dversnes (Uno-X Mobility) am Samstag ging es etwas unter, dass der Kampf um das Maglia Ciclamino neu eröffnet wurde. Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) fuhr in Mailand im Trikot des Punktebesten, musste es aber nach Etappenende wieder an Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) abtreten.
Doch in der schweren Schlusswoche ist für Narvaez noch Einiges möglich. Möglicherweise läuft es auf einen Showdown auf der flachen Schlussetappe in der Hauptstadt hinaus. Das letzte Mal, dass das Maglia Ciclamino nicht an einen reinen Sprinter ging, war im Jahr 2012. Der Gesamtzweite Joaquim Rodriguez gewann die Wertung dort mit einem einzigen Punkt Vorsprung vor Sprint-Ass Mark Cavendish. ___STEADY_PAYWALL___
Am letzten Ruhetag liegt Magnier (145 Punkte) 13 Punkte vor Narvaez (131). Jonathan Milan (Lidl – Trek), der vor der Italien-Rundfahrt als Top-Favorit auf das Trikot gehandelt wurde, kommt lediglich auf 78 Punkte und ist damit chancenlos. In der Schlusswoche wartet praktisch nur noch eine Flachetappe auf die Fahrer, am Schlusstag in Rom. Ansonsten stehen drei Bergetappen auf dem Programm, der lange 17. Tagesabschnitt nach Andalo verläuft relativ hügelig, ein Massensprint am Donnerstag ist nicht gesichert. Vor allem, wenn es nach dem ecuadorianischen Herausforderer geht.
Im Ziel nach der 14. Etappe erklärte der dreifache Tagessieger seinen Plan des Tages. “Das Trikot war heute ehrlicherweise die Priorität für uns. Wir wussten, dass es nicht einfach wird, es aber möglich war“, sagte er im Ziel. “Es war schwierig, Quick-Step am ersten Anstieg zu kontrollieren.“ Das belgische Team versuchte, selbst Fahrer in der Gruppe des Tages zu platzieren, um Narvaez die Punkte beim Zwischensprint wegzunehmen. Jedoch ohne Erfolg.
Die Planung in Richtung Zwischensprint zeigt: UAE hat das Punktetrikot zum Ziel erkoren. Dies entwickelte sich erst im Laufe der Zeit, wohl nach dem dritten Tagessieg des Ecuadorianers und aufgrund der Tatsache, dass für die Sprinter in diesem Jahr wenig zu holen war.
Paul Magnier startete mit zwei Siegen aus drei Etappen und sammelte auch bei Zwischensprints fleißig Punkte. Auch auf der 6. Etappe nach Neapel, wo in der letzten Kurve fast alle Sprinter zu Sturz kamen, wurde er Dritter. Am meisten schmerzt ihn wohl das Finale in Mailand. Der unerwartete Sieg der vierköpfigen Ausreißergruppe nahm ihm viele Punkte weg. Er war als Fünfter der Beste aus dem Hauptfeld.
Jhonatan Narvaez (UAE - Emirates - XRG) fuhr schon drei Etappensiege ein. | Foto: Cor Vos
Im Ziel zeigte er sich enttäuscht. “Ich wollte im Kampf um das Ciclamino heute möglichst viele Punkte machen. Für den fünften Platz gibt es nicht viele“, sagte er in der Mixed Zone. “Jetzt versuche ich einen Reset zu machen und mich morgen gut zu erholen. Dann hoffe ich, dass ich eine starke dritte Woche zeigen kann.“
Eine starke Schlusswoche wird Magnier auch brauchen. Bereits am Dienstag könnte Narvaez wieder Punkte gut machen. Der Zwischensprint auf dem Weg zur Bergankunft in Carì liegt nach einigen kurzen, harten Anstiegen. Perfekt für Narvaez und definitiv zu schwer für Magnier. Die Führung in der Punktwertung kann der Ecuadorianer dort aber nicht übernehmen. Für den ersten Platz gibt es lediglich zwölf Punkte.
Außerdem muss Narvaez seine Kräfte gut einteilen. Soudal – Quick-Step wird alles versuchen, Narvaez nicht in die Gruppe des Tages zu lassen oder eigene Fahrer dort zu platzieren. Keiner von Magniers Helfern besitzt jedoch die Explosivität des UAE-Profis.
Die vielleicht beste Chance für die Übernahme des Trikots bietet sich Narvaez am Tag danach. Auf der 202 Kilometer langen 17. Etappe nach Andalo führt die Strecke über zwei längere Bergwertungen, bevor der Zwischensprint abgenommen wird. Das Profil im Finale sieht wie gemacht aus für Narvaez. Sollte er hier gewinnen und auch den Zwischensprint einstreichen, könnte er 37 Punkte herausfahren.
Magnier hingegen muss auf der 18. Etappe alles versuchen. Der Zwischensprint liegt hier auf flachem Terrain. Auch das Finale verläuft weitestgehend flach. Doch die Muro di Ca‘ del Poggio, 1,1 Kilometer lang und über elf Prozent steil, eignet sich perfekt als Sprungbrett – für jemanden wie Narvaez. Die Mauer liegt etwa zehn Kilometer vor dem Ziel. Dort warten die vollen 50 Punkte auf den Sieger. Es könnte die entscheidende Etappe um das Maglia Ciclamino werden.
Nur Platz fünf in Mailand: Paul Magnier rechnete sich in der Mode-Metropole mehr aus. | Foto: Cor Vos
Der Zwischensprint auf der Hochgebirgsetappe durch die Dolomiten am Tag darauf könnte auch für Narvaez etwas schwer zu holen sein. Am Freitag könnte Magnier seine Chance nach flachen 73 Kilometern wieder nutzen. Allerdings liegt der Zwischensprint am Ende eines kurzen Anstiegs mit mehr als acht Prozent Steigung. Am Schlusstag sind in Rom insgesamt 62 Punkte noch zu verteilen. Auf dem flachen Terrain sollte Narvaez hier eigentlich keine Chance gegen die reinen Sprinter haben.
Es wird auch auf die Teams ankommen. Soudal wird verhindern müssen, dass Narvaez im Mittelgebirge und an den hinter Anstiegen versteckten Zwischensprints die größtmögliche Punkteausbeute bekommt. UAE hat die Möglichkeiten und Narvaez die Form, sich trotzdem in die Position zu bringen. Der Kampf um das Punktetrikot entwickelt sich in der Schlusswoche zum wohl spannendsten Giro-Nebenschauplatz. Womöglich mit einem Finale furioso in Rom.
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