Ausgleichsbewegung statt Kopfstoß in Mailand?

Zanoncello äußert Bedauern, versteht Disqualifikation aber nicht

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Zanoncello äußert Bedauern, versteht Disqualifikation aber nicht"
Enrico Zanoncello (Bardiani - CSF - 7 Saber) | Foto: Cor Vos

26.05.2026  |  (rsn) – Der Italiener Enric Zanoncello hat sich auf Instagram zum Vorfall auf der Zielgeraden der 15. Etappe in Mailand geäußert, wegen dem er von der UCI-Jury am Sonntagabend aus dem Giro d'Italia ausgeschlossen worden ist. Der 28-jährige Italiener vom Team Bardiani – CSF – 7 Saber wurde wegen eines vermeintlichen Kopfstoßes gegen Robert Donaldson (Jayco – AlUla) disqualifiziert, nachdem der Brite zu Fall gekommen war. Donaldson kam mit Schürfwunden davon.

"Ich entschuldige mich aufrichtig bei ihm und wollte nicht, dass das passiert", schrieb Zanoncello in seinem Post, äußerte dort aber auch sein Unverständnis ob der Reaktion der Jury, ihn aus dem Rennen auszuschließen.

"Ich glaube, dass es nicht richtig ist, den Vorfall ausschließlich auf der Grundlage eines kurzen Videoclips zu beurteilen. Betrachtet man das vollständige Bildmaterial, stellt sich die Dynamik des Geschehens anders - und deutlich klarer - dar. Das trägt dazu bei, mich von einem Großteil der Verantwortung für den Sturz zu entlasten", so der Italiener, der die Szene auch aus seiner Perspektive erläuterte:

"Es war ein chaotischer Sprint. Ich erhielt einen Stoß gegen die linke Schulter, verlor die Kontrolle über mein Rad und hatte in diesem Moment keinen Spielraum mehr, um eine Kollision zu vermeiden. Auch der Kopfstoß war eine Folge meines Versuchs, die Kontrolle wiederzuerlangen."

Tatsächlich waren der Vorfall und der Sturz Donaldson's zunächst nur in einer Zeitlupe des an einer stationären Kamera vorbeirauschenden Feldes zu sehen – und vor allem auch nur teilweise. Da sah es so aus, als stoße Zanoncello mit dem Kopf aggressiv nach rechts gegen Donaldson, der daraufhin zu Fall kam.

Nähere Betrachtungen der Bilder dieser Kamera, schon vorher beginnend, und auch aus der Vogelperspektive zeigten aber auch: Kurz vor dem Vorfall zog erstens der vor Zanoncello fahrende Matteo Malucelli (XDS – Astana) nach rechts und Zanoncello wurde von links von Paul Penhoet (Groupama – FDJ United) berührt.

Ausgleichsbewegung statt aggressiver Kopfstoß?

Zanoncellos Bewegung nach rechts dann war also eine Reaktion auf die Berührung des Franzosen, keine Aktion – und sein nach rechts klappender Kopf auch kein aktiver Rammstoß, sondern viel mehr eine Ausgleichsbewegung. Das arbeitete der Radsport-Analyst Cosmo Catalano auf seinem Instagram-Kanal "How the Race was won" heraus – wenn auch mit Bildmaterial von dem fraglich ist, ob er überhaupt die Rechte hat, es zu benutzen, weshalb wir den Post hier nicht einbetten.

Ob die UCI-Jury alle verfügbaren Aufnahmen und auch die Schilderung Zanoncello's selbst in ihre Überlegungen zur Disqualifikation mit aufgenommen haben, ist unbekannt – normalerweise sollte man davon ausgehen. In jedem Fall aber blieb die Entscheidung auch über den montäglichen Ruhetag hinaus bestehen und so wird Zanoncello auch am Dienstag nicht mehr zur 16. Etappe in Bellinzona antreten.

"Den Giro d'Italia auf diese Weise verlassen zu müssen, schmerzt sehr. Es ist absolut nicht das Ende, das ich mir gewünscht hatte. Ich wünsche allen Beteiligten alles Gute – und eine rasche Genesung", schrieb er in seinem Instagram-Postin abschließend.

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