RSNplusAustralier widmet Gelb seiner toten Schwester

Tuckwell bleibt nach reifer Leistung Auvergne-Gesamtführender

Von Paul Grosch

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Luke Tuckwell (Red Bull – Bora – hansgrohe) verteidigte auf der schweren 7. Etappe tapfer sein Gelbes Trikot. | Foto: Cor Vos

13.06.2026  |  (rsn) - Nach hartem Kampf bleibt Luke Tuckwell (Red Bull – Bora – hansgrohe) bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes weiter im Gelben Trikot des Gesamtführenden. Der 21-jährige Australier fuhr auf der schweren siebten Etappe durch das Jura taktisch klug und konnte so seine Zeitverluste gegenüber den restlichen Favoriten in Grenzen halten.

Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike) und der Tagessieger Isaac del Toro (UAE – Emirates – XRG) liegen im Gesamtklassement vor der Schlussetappe durch die Alpen weniger als eine Minute hinter Tuckwell. ___STEADY_PAYWALL___

Das Tagesfazit fiel dennoch positiv aus. Auf dem Weg zum mythischen Grand Colombier war Tuckwell früh isoliert. Dabei half es ihm, dass UAE – Emirates – XRG und Lidl – Trek die Tempoarbeit im Hauptfeld übernahmen, nachdem der Topfavorit Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) nach einem Sturz früh einem großen Rückstand hinterherfuhr.

Reife Leistung im ersten Profijahr

Am steilen Schlussanstieg ließ Tuckwell dann früh abreißen, um sein eigenes Tempo zu finden. Die Taktik ging auf. Nach der Etappe zeigte er sich zufrieden mit seiner Leistung. Das Ziel war, alles dafür zu tun, das Gelbe Trikot zu behalten – "vor allem wegen meines doch recht großen Vorsprungs", sagte Tuckwell im Flash-Interview. "Es war ein sehr harter Tag, und dieser Schlussanstieg tut richtig weh. Deshalb bin ich froh, weiter in Gelb zu fahren."

Der Australier hatte im Ziel als Tageselfter etwa zweieinhalb Minuten Rückstand auf del Toro. Am Schlussanstieg ließ er den Mexikaner und die anderen Favoriten um Jorgenson und Juan Ayuso (Lidl – Trek) bewusst ziehen. Stattdessen hielt sich Tuckwell an Seixas und dessen Teamkollegen Leo Bisiaux, die wie er eher ein gleichmäßiges Tempo fahren wollten.

Luke Tuckwell (Red Bull - Bora - hansgrohe) konnte sich zum zweiten Mal im Gelben Trikot ehren lassen. | Foto: Cor Vos

Die eigenen Teamkollegen des Mannes in Gelb, darunter der Sieger vom Vortag Maxim van Gils, hatten sich bereits früh verabschiedet. Die Teamleistung des Red Bull-Teams war bei Weitem nicht so gut wie noch am Freitag. Daniel Felipe Martínez war bereits in der neutralen Startphase gestürzt. Auch deshalb war die reife Leistung von Tuckwell in seinem ersten Profijahr beeindruckend.

Tuckwell vor der Königsetappe vorsichtig optimistisch

Er blieb cool. “Ich bin den Anstieg zum ersten Mal gefahren. Ich hatte vor der Etappe so einen großen Vorsprung, dass ich einfach die ganze Zeit in meinem Tempo fahren konnte und nicht reagieren musste“, erklärte er seine Vorgehensweise. Das gelang einem erfahreneren Fahrer in Ayuso nicht.

Zwischendurch bekam aber auch das Gelbe Trikot Probleme. “In der Mitte des Anstiegs hatte ich ziemlich zu kämpfen und dachte, es wird knapp“, erzählte Tuckwell. “Als ich aber aus dem Wald rausfuhr, etwa zwei Kilometer vor dem Ziel, habe ich meine Beine wiedergefunden. Dann bin ich so schnell wie möglich ins Ziel gefahren.“

Auf die Frage, ob er das Gelbe Trikot auch auf der Königsetappe am Sonntag verteidigen kann, war sich Tuckwell noch unsicher. “Der Vorsprung ist natürlich etwas knapp für morgen. Es kommt auch darauf an, was morgen passiert“, sagte er in der Mixed Zone. “Aber ich bin immer noch im Gelben Trikot und habe noch etwas übrig von meinem Vorsprung übrig. Das ist das Positive vom heutigen Tag.“

Tuckwell sieht die unerwartete Gesamtführung auch als Chance, für die Zukunft zu lernen. “In meinem ersten Profijahr finde ich immer noch Sachen über mich heraus“, sagte er. “Vor allem, wo meine Grenzen sind. Dort muss ich immer noch viel arbeiten. Morgen kommen wieder neue Anstiege auf mich zu. Darauf freue ich mich.“

Tuckwell gedenkt seiner Schwester

Im Trubel um den unerwarteten Teamerfolg und seine reife Herangehensweise ging am Freitag fast unter, dass das Gelbe Trikot für Tuckwell mehr bedeutet. Seine jüngere Schwester war im September des vergangenen Jahres nach einer langen chronischen Krankheit im Alter von 19 Jahren gestorben.

Am Ende seines ersten Interviews als Gesamtführender widmete der Australier ihr sein Gelbes Trikot. “Ich habe den ganzen Tag an meine kleine Schwester gedacht. Ich wollte es heute für sie schaffen“, sagte ein emotionaler Tuckwell. “Auf den letzten Kilometern habe ich wirklich gelitten, aber ich habe an sie gedacht. Dieses Gelbe Trikot ist ihr zu Ehren.“

Vielleicht lässt ihn das auch am Sonntag über sich hinauswachsen.

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