RSNplusDas letzte Vorbereitungsrennen vor der Tour

Lipowitz sucht in Slowenien mehr die Ruhe als den Erfolg

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Lipowitz sucht in Slowenien mehr die Ruhe als den Erfolg"
Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) tritt ab Mittowch bei der Slowenien-Rundfahrt an. | Foto: Cor Vos

16.06.2026  |  (rsn) – Genau eine Woche nach seiner Rückkehr aus dem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada wird Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) am Mittwoch zu seinem "Vorbereitungsrennen" für die am 4. Juli in Barcelona beginnende Tour de France (2.UWT) antreten: der Slowenien-Rundfahrt (2.Pro).

Lipowitz und die Verantwortlichen seines Rennstall haben das fünftägige Rennen bewusst ausgewählt und dem klassischen Weg über die WorldTour-Rundfahrten Tour Auvergne-Rhone-Alpes (2.UWT) oder Tour de Suisse (2.UWT) vorgezogen, um dem in Seefeld in Tirol wohnenden, gebürtigen Schwaben das zu geben, was er am meisten braucht: Ruhe.

"Wir erhoffen uns, dass die Rundfahrt etwas ruhiger ist, ohne allzu große Erwartungen, ohne zu viel Stress", erklärte Lipowitz selber Ende Mai bei seiner ebenfalls bewusst früh angesetzten, letzten größeren Medienrunde vor der Tour de France aus dem Höhentrainingslager. ___STEADY_PAYWALL___

"Die Dauphiné (Vorgänger der Tour Auvergne-Rhone-Alpes, Anm. d. Red.) ist superhart mit langen und harten Etappen. Sich da zur Tour noch zu erholen ist einfach schwierig. Natürlich kam auch die Tour de Suisse in Frage, aber wir haben uns für das kleinere Rennen entschieden. Darauf freue ich mich und hoffe, dass ich so etwas frischer – körperlich und auch mental - in die Tour reinkomme."

Bei seinem bisher letzten Einsatz belegte Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe, li.) bei der Tour de Romandie Platz zwei hinter dem überragenden Tadej Pogacar (UAE – Team Emirates – XRG). | Foto: Cor Vos

Während Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) in der Schweiz einen seinem Palmares noch fehlenden Rundfahrtsieg hinterherjagt, was er bereits im Dezember angekündigt hatte, ist in dessen slowenischer Heimat tatsächlich mit zumindest nicht ganz so extremem Trubel zu rechnen wie etwa in Frankreich oder der Schweiz.

Der Tour-Dritte von 2025 ist in Slowenien der Top-Favorit

Lipowitz ist als Tour-de-France-Dritter des Vorjahres in Slowenien der Top-Favorit auf den Gesamtsieg. Sein Team ist neben Bahrain Victorious eine von nur zwei WorldTour-Mannschaften am Start und die das Rennen womöglich entscheidende Königsetappe am Samstag nach Kranjska Gora führt 15 Kilometer vor dem Ziel noch über den 1.611 Meter hohen Vrsic-Pass – nach einer 12,7 Kilometer langen und im Schnitt 7,7 Prozent steilen Steigung. Die ist wie für Lipowitz gemacht.

Die größten Herausforderer dürften Fahrer wie der 20-jährige Slowene Jakob Omrzel (Bahrain Victorious) oder dessen italienischer Teamkollege Edoardo Zambanini sowie Alessandro Fancellu (MBH Bank – CSB Telecom Fort) aus Italien, der Australier Sebastian Berwick (Caja Rural – Seguros RGA) oder der Spanier José Díaz (Burgos – Burpellet – BH) sein – neben Lipowitz' eigenen Teamkollegen Giulio Pellizzari und Ben Zwiehoff, die man aber wohl kaum als Gegner bezeichnen darf.

Vor rund drei Jahren gewann Lipowitz die Czech Tour – es ist sein bisher einziger Gesamtsieg bei einem Etappenrennen. | Foto: Cor Vos

So scheint die Chance groß, dass der 25-Jährige in dieser Woche seinen ersten Sieg bei einem Rennen oberhalb der UCI-Kategorie 2.1 einfährt. Drei Profisiege erst feierte Lipowitz in seiner Karriere bislang: Er gewann die 2. Etappe und die Gesamtwertung der Tschechien-Rundfahrt 2023 (2.1) und holte den Gesamtsieg bei der Sibiu Cycling Tour (2.1) 2024 in Rumänien.

Danach dann hat sein schneller Aufstieg in die Weltspitze quasi verhindert, dass das Kletter-Ass weitere Siege sammelte. Das klingt paradox, ist aber doch logisch: Lipowitz fuhr fast nur noch richtig große Rennen und traf dabei auf die besten Fahrer der Welt – und das mit dem Ziel Klassement.

"Der Sieg ist nichts, dem ich hinterherjage"

"Wenn man auf Gesamtwertung fährt, bleiben einem nicht viele Tage, an denen man eine Etappe gewinnen kann. Denn am Ende muss man dann Pogacar, Vingegaard oder Seixas schlagen", antwortete er nun auf die Frage eines Kollegen, ob er auch einen Etappensieg bei der Tour de France im Juli im Visier habe.

"Das (der Sieg) ist nichts, dem ich hinterherjage. Entweder er kommt oder er kommt nicht. Ich mache mir keinen Druck über einen Etappensieg. Ich will einfach Rennen fahren, das Beste geben und dann wird sich zeigen, ob irgendwo mal ein Sieg herauskommt. Da mache ich mir keinen Druck, das steht nicht an erster Stelle bei mir", so Lipowitz.

In Slowenien wird der Tour-Dritte von 2025 unter anderem von Giulio Pellizzari (li.) und Ben Zwiehoff (re.) unterstützt. | Foto: Cor Vos

Entsprechend habe auch die Entscheidung für einen Start in Slowenien wenig damit zu tun, dass er sich dort zwei Wochen vor Tour-Start noch ein Erfolgserlebnis abholen könnte. Auf die entsprechene Frage von RSN antwortete Lipowitz: "Nicht unbedingt. Der Grund ist wirklich einfach, dass da weniger Trubel ist, die Medienwelt nicht wirklich auf die Slowenien-Rundfahrt schaut, wenn gleichzeitig die Tour de Suisse stattfindet und davor die Dauphiné. Deshalb ist der Grund nicht, dort zu fahren, um etwas zu gewinnen."

Mitnehmen würde Lipowitz einen Sieg sicher gern. Doch so entspannt, wie sich  sich Ende Mai aus dem Höhentrainingslager gab, scheint er fürs Selbstbewusstsein vor der Tour kaum ausschlaggebend zu sein.

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