Harter Tag nach Zigarts schwerem Sturz

Gianetti: “Pogacar sah vor dem Start etwas erschüttert aus“

Von Kevin Kempf

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Bei der Pflichtübung nach dem Rennen war Tadej Pogacar (UAE - Emirates XRG) deutlich anzusehen, dass ihm der Sinn nach Anderem stand. | Foto: Cor Vos

19.06.2026  |  (rsn) – Am Tag nach seinem Parforceritt zum Auftakt der Tour de Suisse (2.UWT) hatte Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) im Führungstrikot einen ganz harten Tag in der Schweiz. Das lag nicht an der Strecke oder den hohen Temperaturen, sondern am Sturz seiner Lebensgefährtin Urska Zigart (AG Insurance – Soudal), die sich im Frauenrennen rund um Locarno einen Kieferbruch zuzog.

“Kurz vor dem Start hat er die schlechten Neuigkeiten bekommen“, sagte Teamchef  Mauro Gianetti im Ziel der 2. Etappe des Männerrennens gegenüber CyclingPro.net. Zigart war eingangs des Schlusskilometers gestürzt – und somit unweit vom Startareal, wo Pogacar sich aufhielt. “Ich habe Urska vor unserem Rennen noch gesehen, deswegen konnte ich ihn beruhigen“, sagte der Schweizer über seinen Superstar.

“Man kann sich vorstellen, dass es für ihn nicht einfach war“, fügte Gianetti an. Pogacar musste bei sengender Hitze über 157 Kilometer die Gesamtführung verteidigen. “Normalerweise kann er im Rennen alles ausblenden – aber bei seiner Freundin klappt das nicht. Die Freundin oder Ehefrau ist Familie, das ist etwas anderes. Er sah vor dem Start etwas erschüttert aus. Er war nicht so wie immer."

Fast wie immer lief es dann aber im Rennen. UAE bestimmte das Tempo im Feld und jagte eine stark besetzte Ausreißergruppe. Die einzuholen schien aber eine zu große Aufgabe. An den letzten Anstiegen erhöhte Pogacar dann das Tempo, um – wie am Vortag angekündigt – für Jhonatan Narvaez zu fahren. Der Ecuadorianer konnte das Hinterrad seines Gelegenheitshelfers aber nicht halten. Das schaffte nur der Tscheche Mathias Vacek (Lidl – Trek).

Mit dem kam Pogacar kurz hinter der Stelle, an der seine Partnerin gestürzt war, sogar noch an die Ausreißer heran. “Er ist ein unglaublicher Profi, das haben wir gesehen. Trotz allem hat er sein Bestes gegeben. Die Gruppe war so weit weg, dass es praktisch unmöglich war, sie noch einzuholen. Wir können Tadej gar nicht genug danken“, lobte Gianetti den Weltmeister.

Nach dem Rennen gab es dann keine Interviews vom Weltranglistenersten. Als ihm  beim Cooling-down die TV-Kamera zu nahe kam, während er auf sein Handy eintippte, schlug Pogacar diese weg. “Natürlich fahren wir gleich nach der Podiumszeremonie und der Dopingkontrolle zum Krankenhaus“, kündigte Gianetti an. “Das ist hier ganz in der Nähe, es sind nur 300 oder 400 Meter“, meinte er abschließend.

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