Meisterschaften passen für Tour-GC-Fahrer selten

Lipowitz: “Für die DM abzusagen, ist nicht einfach“

Von Felix Mattis

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Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) auf dem Weg zum Sieg bei der Slowenien-Rundfahrt. | Foto: Cor Vos

24.06.2026  |  (rsn) – Wenn am Sonntag rund um Bad Liebenstein im Thüringer Wald das Straßenrennen der Männer bei den Deutschen Meisterschaften ausgetragen wird, ist der momentan wohl prominenteste deutsche Radprofi nicht dabei.

Florian Lipowitz hat schon vor längerem entschieden, die DM erneut auszulassen. Zwar hätte der Parcours der Titelkämpfe mit seinem schweren Streckenprofil wie bereits im Vorjahr erneut die Möglichkeit geboten, das Meistertrikot zu erobern und dann in Weiß mit schwarz-rot-goldenen Streifen auf der Brust zur am 4. Juli in Barcelona beginnenden 113. Tour de France zu reisen – das Traum-Szenario wohl für die 'Lipo-Fans'. Doch wie 2025 passt das Meisterschafts-Wochenende erneut nicht in den Vorbereitungsplan.

"Die Deutschen Meisterschaften, da ist es nicht einfach abzusagen. Ich wäre natürlich gern gefahren, aber mit der Vorbereitung auf die Tour ist das superschwierig", sagte Lipowitz bereits Ende Mai. Nun ist es auch final und endgültig vom Team Red Bull – Bora – hansgrohe noch einmal auf Nachfrage von RSN bestätigt worden: Es bleibt dabei, Lipowitz fährt die DM nicht.

Kühtai statt Thüringen

Der 25-Jährige, der mit zwei Etappensiegen am vergangenen Wochenende sein letztes Tour-Vorbereitungsrennen, die Slowenien-Rundfahrt (2.Pro), auch in der Gesamtwertung für sich entschieden hat, weilt statt des Thüringer Waldes in den Alpen - genauer in Kühtai am Eingang des Stubaitals. Dort verbringt er gemeinsam mit seiner Freundin Antonia Weeger noch einmal einige Tage im Höhencamp, wie ebenfalls bereits 2025 vor seinem Sturm aufs Tour-de-France-Podium.

"Dort kann ich mich gut auf die Tour vorbereiten", ist sich Lipowitz sicher, der in Kühtai aufgrund der Nähe zu seiner Heimat Seefeld oft trainiert, sich also in einem vertrauten Umfeld und in aller Ruhe vorbereitet anstatt im Trubel der Meisterschaften. Die größere Chance auf Ruhe war schließlich auch bereits der Grund, warum er in Slowenien war anstatt bei der Tour de Suisse oder der Tour Auvergne-Rhone Alpes.

Mit seiner Abwesenheit bei den Nationalen Meisterschaften macht Lipowitz im internationalen Gesamtkontext übrigens nichts Ungewöhnliches, eher im Gegenteil: Er geht den völlig normalen Weg. Auch Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) und Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG)  lassen die Titelkämpfe in ihren Heimatländern meist aus – so auch dieses Jahr wieder. 

Lipowitz' Teamkollege Remco Evenepoel verzichtet auf die Belgischen Meisterschaften sogar, obwohl die in seinem Heimatland per Reglement für Profis eigentlich verpflichtend sind und er dafür eine Strafe zahlen muss sowie neun Tage gesperrt werden könnte - das würde sein Tour-de-France-Aus bedeuten. Ein ärztliches Attest hilft den belgischen Profis in diesem Fall jedoch meist zu einer Ausnahmegenehmigung für den Meisterschafts-Verzicht.

Meisterschaft für Klassement-Asse selten ein Thema

In den letzten zehn Jahren stand nur vier Mal ein Fahrer auf dem Tour-Podium, der eine Woche zuvor auch seine Landesmeisterschaften bestritten hatte: Romain Bardet wurde 2016 Zehnter der Französischen Meisterschaften und anschließend Tour-Zweiter, Tom Dumoulin wurde 2018 als 29. der Niederländischen Meisterschaften und ebenfalls Tour-Zweiter – und Pogacar gewann die Tour 2021 als Meisterschafts-Fünfter, um 2023 dann im Meistertrikot Gesamtzweiter der Frankreich-Rundfahrt zu werden. 

Erweitert man auf die Top 5, so kämen noch Mikel Landa 2017 und 2024 sowie Fabio Aru 2017 hinzu. Der letzte Fahrer, der als amtierender Landesmeister auch die Tour de France für sich entscheiden konnte, war Vincenzo Nibali im Jahr 2014.

Um den Fans und auch den Funktionären bei den Verbänden den Traum von einem Klassement-Ass im Meistertrikot mal wieder zu erfüllen – wie damals bei Nibali oder auch als Jan Ullrich 1997 mit den schwarz-rot-goldenen Streifen ins Maillot Jaune fuhr – oder zumindest die Klassement-Asse überhaupt auch bei den Landesmeisterschaften den Fans präsentieren zu können, müssten die Nationalverbände bei der UCI also wohl gemeinsam einen grundsätzlichen Terminwechsel für die Titelkämpfe beantragen.

Denn tragen würden Lipowitz & Co. das Meistertrikot sicher gerne auch einmal. "Ich hoffe, dass ich die nächsten Jahre mal dabei bin", sagte Lipowitz, der nun am Sonntag aus gut 500 Kilometern Entfernung seinen Teamkollegen die Daumen drücken wird. "Ich würde es natürlich jemand aus dem Team gönnen!"

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