RSNplusRed-Bull-Stars auf unterschiedlichen Wegen zur Tour

Denk happy: Lipowitz und Evenepoel liegen voll im Plan

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Denk happy: Lipowitz und Evenepoel liegen voll im Plan"
Ralph Denk, Florian Lipowitz und Remco Evenepoel (von links nach rechts, alle Red Bull - Bora - hansgrohe) im Dezember 2025 beim Medientag. | Foto: Cor Vos

24.06.2026  |  (rsn) – Wie schon letzte Saison fährt Red Bull – Bora – hansgrohe mit einer Doppelspitze zur diesmal am 4. Juli beginnenden Tour de France (2.UWT). Primoz Roglic war letztes Jahr der designierte Kapitän, aus seinem Schatten aber trat dann aber Florian Lipowitz, der es in Paris als Dritter aufs Podium durfte. Der Deutsche steht erneut an der Spitze des Aufgebots der Raublinger, doch statt des Slowenen hat er nun einen Belgier an seiner Seite: Remco Evenepoel.

Der Doppel-Olympiasieger  und Lipowitz haben komplett verschiedene Anläufe zur Tour gewählt. Der Vorjahresdritte kommt mit dem Gesamtsieg bei der Slowenien-Rundfahrt (2.Pro) im Gepäck zur Frankreich-Rundfahrt, Evenepoel geht dort ohne Vorbereitungsrennen an den Start. Sein bisher letztes Rennen war am 26. April  Lüttich-Bastogne-Lüttich (1.UWT), das er auf Rang drei beendete. Lipowitz bestritt danach noch die Tour de Romandie (2.UWT), bei der er Zweiter hinter Überflieger Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) wurde. ___STEADY_PAYWALL___

Beide sind aber mit Blick auf die Tour voll im Plan. “Die Vorbereitung lief gut. Da sind wir happy. Wir sind bis dato sturz-, verletzungs- und krankheitsfrei“, freute sich Teamchef Ralph Denk bei einer Pressekonferenz am Dienstag. “Unsere Doppelspitze wird mit noch sechs zu definierenden starken Helfern fit und motiviert am Start in Barcelona stehen“, kündigte er an. Wer das sein wird, darüber gab Denk noch keine Auskunft.

Out-Of-The-Box-Idee Slowenien

Dafür verriet der 52-Jährige, was die Mannschaft dazu verleitet hatte, Lipowitz nicht zur Tour de Suisse (2.UWT) oder der Tour Auvergne-Rhone-Alpes (2.UWT) zu schicken, sondern nach Slowenien. “Das war ein stückweit eine Out-Of-The-Box-Idee von Zak (Dempster) und von mir. Was ändert es, ob er Slowenien fährt oder das Critérium du Dauphiné (inzwischen Tour Auvergne-Rhone-Alpes, d.Red.), wo er letztes Jahr Dritter war?“, fragte er.

Sein bisher letztes Rennen dieser Saison, Lüttich-Bastogne-Lüttich, beendete Remco Evenepoel beim Sieg von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) auf Rang drei. | Foto: Cor Vos

Unterschiede gibt es natürlich: Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) gewann in Frankreich nach acht Etappen und konnte sich dort unter anderem mit Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) messen. Sein Teamkollege Tadej Pogacar gewann die fünftägige Tour de Suisse (2.UWT), ein Rennen, das hinsichtlich Zeitpunkt, Dauer und Strecke wesentlich näher am Programm des Red-Bull-Fahrers lag.

Wichtiger als drei Tage mehr oder weniger und gegen wen man antreten musste, war aber ein anderer Punkt bei der Entscheidungsfindung: Selbstvertrauen! Seit zwei Jahren hatte Lipowitz kein Rennen mehr gewonnen. Trotz konstanter Weltklasse-Leistungen gab es immer mindestens einen, der besser war. Meist  Pogacar oder Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), zuletzt zog er bei der Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) auch schon gegen das neue Wunderkind Seixas den Kürzeren. 

In Slowenien war Lipowitz jedoch der uneingeschränkte Top-Favorit. Mit Bahrain Victorious um Neoprofi Jakob Omrzel trat nur noch ein weiteres WorldTeam an und das hatte Red Bull über fünf Tage lang sicher im Griff.

Sieg ist Sieg

So war Lipowitz nach zwei sieglosen Jahren an zwei Tagen gleich dreimal erfolgreich. “Siege bringen immer Selbstvertrauen. Es ist egal, auf welchem Niveau – ein Sieg ist ein Sieg“, urteilte Denk nun und fügte an: “Um zu gewinnen, muss man an dem Tag der Beste oder der Schlauste sein; meistens der Beste. Das hat Florian noch nicht so oft beweisen können. Das ist etwas Neues für ihn und ich hoffe, dass ihn das noch etwas mehr motiviert, weil er gemerkt hat, wie es sich anfühlt, auf Pro-Niveau zu gewinnen“, so der Teamchef.

Lipowitz holte sich mit starken Auftritten zuletzt den Gesamtsieg bei der Tour of Slovenia. | Foto: Cor Vos

Seine bisherigen Siege hatte Lipowitz bei der Czech Cycling Tour und der Sibiu Cycling Tour verbucht, beides Rennen der 2.1-Kategorie - allerdings war die Konkurrenz dort vergleichbar oder sogar stärker als bei der höher eingestuften Tour of Slovenia. Denk jedoch war das egal: “Es hat mich megagefreut für ihn. Jetzt macht er die letzten Vorbereitungen und da können wir schon einen Haken dran machen, wie die Saison für ihn gelaufen ist: Phänomenal. Fürs ganze Team“, sagte er. “Nach Slowenien können wir jetzt wirklich ein bisschen Luft ranlassen, aber auch mit breiter Brust und Selbstvertrauen nach Barcelona an den Start gehen“, meinte er weiter.

Überzeugt von Evenepoels Weg

Während Lipowitz seine guten Beine unter Wettbewerbsbedingungen bewiesen hat, ist Teamkollege Evenepoel zuletzt im Höhentrainingslager abgetauscht. Für die Öffentlichkeit zumindest – und wohl auch für den Teamchef: “Die Form ist, wenn ich der Aussage des Performanceteams folge, gut“, erklärte Denk.

Der 26-jährige Belgier kam bei seinem neuen Arbeitgeber nicht nur ausgesprochen gut, sondern auch sehr aktiv aus den Rennblöcken. Zwischen Ende Januar und Ende April absolvierte Evenepoel 25 Renntage, fuhr dabei sieben Einzelsiege und einen Mannschaftserfolg ein und kam auf insgesamt 16 Top-Ten-Platzierungen. “Remco ist sehr viel am Anfang des Jahres gefahren“, blickte Denk zurück. Als direkte Vorbereitung auf eine Grand Tour sei so ein Programm nicht ideal, gab er zu.

Zuletzt gemeinsam im Einsatz waren die Red-Bull-Kapitäne bei der Katalonien-Rundfahrt Ende März. Lipowitz wurde damals Dritter, Evenepoel landete auf Rang fünf. | Foto: Cor Vos

“Man hat sich natürlich auch die Historie angeschaut. Die Vuelta, die er gewonnen hat, war seine erfolgreichste Grand Tour. Da ist er vor dem Start sehr wenige Rennen gefahren und man hat ein bisschen dieses System kopiert“, erläuterte Denk. Auch vor jener Spanien-Rundfahrt 2022 hatte sein jetziger Schützling, damals im Trikot von Quick-Step – Alpha Vinyl, keine Vorbereitungsrundfahrt bestritten. Nach der Belgischen Meisterschaft Ende Juni bestritt Evenepoel vier Wochen später nur noch die Donostia San Sebastian (1.UWT), die er gewann, bevor es am 19. August in die Niederlande zum Start der Vuelta a Espana (2.UWT) ging.

Defizite an langen Bergen

Eine Vorbereitung über Trainingslager wurde es also auch 2026. Und dort sollte an den “Feinheiten, wo wir denken, dass es da Defizite gibt“ gearbeitet werden. “Da wollen wir auch kein Geheimnis draus machen, das sind lange Berge“, so Denk. Da die bei dreiwöchigen Rundfahrten eine durchaus große Bedeutung haben, ist das ein elementares Defizit, unter dem Evenepoel, der zuletzt deutlich explosiver geworden ist, in den letzten Jahren immer wieder gelitten hatte.

Das soll sich nun mit seinem neuen Team natürlich ändern, denn trotz des starken Frühjahrs mit dem Sieg beim Amstel Gold Race (1.UWT) als Höhepunkt wird Evenepoel in Radsport-Deutschland wohl vor allem an seiner Leistung bei der Tour de France gemessen werden. “Wir sind diesen Weg gegangen und sind überzeugt davon. Letztendlich sprechen aber im Sport die Ergebnisse“, teilte Denk zum Abschluss eine unumstößliche Wahrheit.

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