Red Bull auf Platz fünf beim Grand Départ

Perfekter Start für Visma: Sieg im Teamzeitfahren, Vingegaard in Gelb

Von Guido Scholl

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Jonas Vingegaard und Visma - Lease a Bike haben den Tour-Auftakt in Barcelona gewonnen. | Foto: Cor Vos

04.07.2026  |  (rsn) - Jonas Vingegaard ist nach drei Jahren Pause zurück im Gelben Trikot der Tour de France. Der Däne gewann zum Auftakt der 113. Ausgabe für sein Team Visma – Lease a Bike das Mannschaftszeitfahren mit acht Sekunden Vorsprung auf den Italiener Filippo Ganna, der für Netcompany – Ineos Rang zwei sicherte. Vingegaard benötigte für die anspruchsvollen 19,6 Kilometer in Barcelona mit zwei Anstiegen im Finale 21:47 Minuten. Auf Platz drei kam UAE – Emirates – XRG / +0:12) um Titelverteidiger Tadej Pogacar. Alle Drei erreichten das Ziel als Solisten. Dank eines für die Frankreich-Rundfahrt neuen Modus’ wurden alle Profis mit ihrer individuellen Zeit gewertet.

Der Spanier Juan Ayuso belegte für Lidl – Trek mit 16 Sekunden Rückstand Rang vier – noch vor dem Belgischen Zeitfahrweltmeister Remco Evenepoel, dem besten Fahrer von Red Bull – Bora – hansgrohe (+0:19). Florian Lipowitz musste seinen Teamkollegen am Schlussanstieg hinauf zum Olympiastadion ziehen lassen und verlor als Tagesachter bereits 35 Sekunden auf Vingegaard. Zwischen den beiden Roten Bullen lagen der Mexikaner Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG, +0:26) und Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike, +0:28) aus Italien. Beide waren als letzte Helfer bei ihren Chefs geblieben.

Sein Comeback an der Spitze der Tour kommentierte Vingegaard gewohnt unaufgeregt. “Ich würde sagen, dass es der perfekte Start war. Es ist natürlich immer noch eine lange Tour. Meine Teamkollegen haben heute einen unglaublichen Job gemacht“, gab der 29-Jährige zu Protokoll.

Die Abstinenz im Gelben Trikot sei hart gewesen. “Es einfach nur zu tragen, ist sehr speziell“, konstatierte Vingegaard, der dann auch noch seinen Teamkollegen höchstes Lob zollte: “Ehrlicherweise musste ich gar nicht so viel machen. Sie haben mich praktisch bis ins Ziel gefahren.“ Das stimmte freilich nicht – der Visma-Kapitän hatte am Schlussanstieg alles aus sich herausgeholt.

Auch der spät und knapp entthronte Ganna lobte sein Team. “Ich glaube, dass ich noch nie in so einer starken Mannschaft ein Mannschaftszeitfahren absolviert habe. Wir hatten sehr viele starke Fahrer dabei“, sagte der Italiener im Ziel und fügte an: “Es war superheiß und superschwer, vor allem am letzten Anstieg. Ich war stark, (Tobias) Foss auch. Wir haben alles gegeben, was wir konnten. Jetzt bin ich kaputt.

Die deutsche Tour-Hoffnung Lipowitz gab sich nach dem Auftakt gelassen. “Ich denke, wir können glücklich sein. Remco hat einen tollen Job gemacht. Er hat viel Arbeit geleistet. Meine Beine waren noch nicht ganz so gut“, sagte er gegenüber RSN. Es sei auch “sehr hart“ gewesen, die Tour mit einem Teamzeitfahren dieser Art zu beginnen, womit er wohl den ungewohnten Modus und die Anstiege im Finale meinte.

Die große französische Hoffnung Paul Seixas belegte mit seiner Equipe Decathlon – CMA CGM / +0:39) den sechsten Platz und zeigte dabei eine solide Leistung. Sein Landmann Kévin Vauquelin (Netcompany – Ineos), der wegen seiner zeitfahrstarken Equipe im Vorfeld als heißer Anwärter auf Gelb gehandelt worden war, hatte Defektpech und büßte als 26. mehr als eine Minute ein.

Das Grüne Trikot trägt auf der 2. Etappe Ex-Gesamtsieger Egan Bernal (Netcompany – Ineos), weil der Kolumbianer bei der ersten Zwischenzeit für sein dort führendes Team als erster Fahrer durchgerollt war. Das Bergtrikot ging an Pogacar, weil der am Schlussanstieg die schnellste Zeit hingelegt hatte. Bester Nachwuchsprofi ist für den Moment Ayuso vor Del Toro (+0:10). Netcompany – Ineos führt in der Teamwertung mit 39 Sekunden Vorsprung auf Visma – Lease a Bike. Ein Trostpreis für einen starken Auftritt, dem die Krönung in Gelb womöglich wegen eines Defekts verwehrt blieb.

So lief die 1. Etappe der Tour de France 2026:

Den ersten Richtwert setzte bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius der Franzose Romain Grégoire (Groupama – FDJ), der die bis dahin gültige Bestzeit von Felix Molenaar (Caja Rural – Seguros RGA) um 21 Sekunden unterbot. Das Team Movistar hätte wohl schneller sein können als Grégoire, da die Equipe an der letzten Zwischenzeit noch 17 Sekunden Vorsprung hatte. Doch der Belgier Cian Uijtebroeks bekam bergauf überraschend Probleme, so dass seine Kollegen auf ihn warteten. Der Spanier Pablo Castrillo erreichte schließlich mit 37 Sekunden Rückstand das Ziel – Ujtebroeks war da erneut zurückgefallen.

Um 18.15 Uhr ging mit Netcompany – Ineos das erste der favorisierten Teams auf den Tagessieg ins Rennen. Schon bei der ersten Zwischenzeit lagen Ganna, Kévin Vauquelin & Co mit sechs Sekunden in Führung. Am zweiten Messpunkt waren es noch acht mehr. Doch wenige Kilometer weiter musste ausgerechnet Klassementfahrer Vauquelin wegen eines Defektes abreißen lassen. Einige seiner Teamkollegen warteten auf den Franzosen, Foss und Ganna dagegen fuhren anschließend um die Bestzeit. Der bärenstarke Italiener unterbot schließlich die kurz zuvor von Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) aufgestellte Marke deutlich um 31 Sekunden.

An den Zwischenzeiten sah es so aus, als könne Lidl – Trek in den Kampf um Gelb eingreifen. Aus einer Sekunde Rückstand bei Messpunkt eins machte das Team einen Gleichstand bei der zweiten Zeitnahme. Red Bull – Bora – hansgrohe um Evenepoel und Lipowitz lag dort recht deutlich im Hintertreffen. Doch beim Ayuso-Team fielen nach und nach Fahrer zurück, aufgrund eines Schadens auch der Däne Mattias Skjelmose. Ayuso erreichte das Ziel schließlich allein mit acht Sekunden Rückstand zu Ganna.

Das Streckenprofil der 1. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

Lipowitz musste auf dem letzten Kilometer eine Lücke zu Evenepoel aufgehen lassen. Der dreimalige Zeitfahrweltmeister scheiterte allerdings auch an Gannas Marke – knapp elf Sekunden fehlten ihm am Ende. Unterdessen legte Visma – Lease a Bike an allen drei Zwischenzeiten den Bestwert hin. Vingegaard vollendete diese Vorarbeit – Matteo Jorgenson und Davide Piganzoli scherten unten am Schlussanstieg aus und Kapitän Vingegaard knackte die Bestzeit um sieben Sekunden.

Das zuletzt gestartete Team UAE – Emirates – XRG dagegen lag an allen Messpunkten um mehrere Sekunden zurück, an der letzten Zeitnahme waren es derer 13. Pogacar hatte auf den letzten 2.000 Metern noch Edelhelfer Isaac Del Toro bei sich. Dann ging der Slowene 600 Meter vor dem Ziel noch einmal aufs Ganze. Doch er verpasste Vingegaards Zeit um zwölf Sekunden. Hinter ihm kämpfte Del Toro um jeden Meter und büßte dennoch eine Handvoll weiterer Sekunden ein. Lipowitz handelte sich insgesamt 35 Sekunden Rückstand im Finale ein.

Dagegen war der Jubel beim Team des Tagessiegers überschwänglich – Vingegaard fiel nach dem perfekten Tour-Auftakt mit dem Gelben Trikot als Krönung seinen Helfern einem nach dem anderen um den Hals.

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