In Barcelona aber deutlich an Gelb vorbei

Lipowitz und Evenepoel mit dem Tour-Auftakt zufrieden

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Lipowitz und Evenepoel mit dem Tour-Auftakt zufrieden"
Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) hatte zum Tour-Auftakt noch nicht die besten Beine. | Foto: Cor Vos

04.07.2026  |  (rsn) – Nach der 1. Etappe der Tour de France 2026 überwiegt bei Florian Lipowitz Zufriedenheit über das Mannschaftsergebnis von Red Bull - Bora - hansgrohe. Mit seinen Beinen ist der Vorjahresdritte zwar noch nicht ganz zufrieden, doch der Rückstand im Gesamtklassement hält sich in Grenzen. Co-Kapitän Remco Evenepoel kam vor Lipowitz ins Ziel. Der wiederum blickt zuversichtlich auf die kommenden Etappen.

Das deutsche Team belegte beim Mannschaftszeitfahren den fünften Platz. Co-Kapitän Lipowitz konnte Evenepoel im Finale nicht folgen und büßte 35 Sekunden auf Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) ein, der das Gelbe Trikot eroberte. “Ich denke, wir können ganz glücklich sein. Remco hat einen super Job gemacht. Meine Beine waren noch nicht ganz so gut“, sagte Lipowitz in Barcelona gegenüber ARD. “Aber ich bin zufrieden. Jetzt können wir die Tour starten.“

Lipowitz fehlte noch etwas die Frische

Der 25-Jährige erklärte auch, warum ihm die Frische noch etwas gefehlt habe. “Die Tage vor der Tour sind immer stressig und am Ende wartet man einfach, dass es endlich losgeht“, erzählte er im Ziel. “Ich glaube, deswegen haben viele ein Problem damit, direkt von Anfang an bei 100 Prozent zu sein. Es ist immer hart, in die Tour reinzukommen.“ Auf der Rampe hatte der Gewinner der Slowenien-Rundfahrt noch ein besseres Gefühl.

“Am Start habe ich mich eigentlich noch ganz gut gefühlt. Hinter Remco ist es einfach super hart“, lobte Lipowitz den Zeitfahrweltmeister auf eine etwas ungewöhnliche Weise. “Als wir über den ersten Anstieg gefahren sind, hatte ich schon viel Laktat in meinen Beinen.“ Dabei entstand eine kleine Lücke zu Evenepoel und auch Maxim van Gils, die sich weiter abwechselten. Das machte es Lipowitz schwer, in der Abfahrt wieder aufzuschließen.

“Die Lücke ging auf. Dann habe ich einfach bis zum Ziel gekämpft“, sagte der Deutsche. Kurz vor dem Schlussanstieg fuhr Evenepoel dann alleine los. Lipowitz lag weiterhin einige Meter zurück. Der Abstand zu seinem Co-Kapitän summierte sich bis ins Ziel auf 16 Sekunden. “Es war gut zu sehen, dass Remco in Form ist, vor allem nach seiner langen Rennpause", sagte er.

“Beide hatten freie Fahrt“

Patxi Vila, Sportlicher Leiter beim deutschen Team, erklärte die Taktik im Finale. “Wenn du die Etappe gewinnen willst, musst du am Ende einen Fahrer zurücklassen“, so der Spanier gegenüber RSN. “Wenn der Schnellere wartet, klettern beide nach dem Tempo des Langsameren. Das ist nicht das Ziel. Wir wollten sie gemeinsam zum Schlussanstieg bringen. Dann hatten beide freie Fahrt. Wir wussten, dass Remco wohl ein paar Sekunden vor Florian ankommt.“

An der Rollenverteilung ändert sich auch nach dem ersten Tag nichts. “Natürlich haben wir noch zwei Kapitäne. Wir können nicht jetzt schon jemanden degradieren“, erklärte Vila lachend gegenüber RSN. “Hoffentlich stehen in Paris beide auf dem Podium der Gesamtwertung.“

Der Rückstand auf das Gelbe Trikot und die anderen Favoriten beunruhigt den 25-jährigen Lipowitz nicht. “Ich würde da jetzt nicht so viel Wert darauf geben“, sagte er gewohnt gelassen. “Am Ende fahren wir drei Wochen Rennen. Ich glaube, am Ende kommt es nicht auf ein paar Sekunden an.“

Auch Evenepoel ist zufrieden

Auch der dreimalige Zeitfahrweltmeister war mit dem Tag zufrieden. “Das Ergebnis ist das, was wir mehr oder weniger erwartet haben“, sagte Evenepoel gegenüber Sporza.“Es ist ziemlich in Ordnung, denke ich. Ich glaube nicht, dass wir uns beschweren können.“ Trotzdem lief nicht alles rund. “Zwei Jungs mussten etwas früher abreißen lassen als gedacht. Aber ich denke, wir sind nicht das einzige Team, dem das passiert ist“, sagte der Belgier zum Rennverlauf.

Kritik an seiner eigenen Leistung und der des Teams wies er bestimmt zurück. Auf den Rückstand bei der ersten Zwischenzeit angesprochen, wurde Evenepoel deutlich: “Ihr vergleicht uns mit den Fahrern von Ineos – Grenadiers. Die hatten eine starke Mannschaft für die flachen Abschnitte. Wir haben das bestmögliche Zeitfahren gezeigt", fügte er an.

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