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05.07.2026 | (rsn) - Größeres Medienaufkommen für den Deutschen Meister bei der Tour de France. “Hey, Felix, da wollen noch ein paar Medienvertreter etwas von dir“, sagte der Betreuer von Jayco - AlUla zu Felix Engelhardt, als sich der Mann im Deutschen Meistertrikot gierig Flüssigkeit in den Hals schüttete. Denn es war heiß in Katalonien und Engelhardt hatte sich noch zusätzlich verausgabt.
133 der insgesamt 168,5 Kilometer dieser 2. Etappe der Tour de France hatte er vor dem Feld verbracht, lange in einer Dreiergruppe, zuletzt im Duo mit dem Niederländer Alex Molenaar (Caja Rural - Seguros RGA). Der hatte schon zum Auftakt auf sich aufmerksam gemacht und die erste Bestzeit im Teamzeitfahren am Samstag gesetzt. Da kündigte er RSN übermütig an, sein Heil auch in den nächsten Tagen in Fluchtgruppen zu suchen.
___STEADY_PAYWALL___Dankbar dürfte er daher Engelhardts Einladung zum Ausreißen angenommen haben. Der Ulmer, immerhin einstiger U23-Europameister im Straßenrennen, hatte kurz nach dem Start das Peloton attackiert. Ziel war, wie er nach dem Rennen unumwunden zugab, das Bergtrikot. "Es war eine spontane Idee heute Morgen. Man kann es ja versuchen“, sagte er RSN. Nun ja, ganz so spontan war es dann doch nicht, jedenfalls nicht aus der Perspektive der Sportlichen Leitung. "Wir haben das so geplant, dass Felix heute auf das Bergtrikot gehen sollte“, sagte der sportliche Leiter Neil Stephens RSN.
Die drei Ausreißer auf ihrer Reise entlang der Küste. | Foto: Cor Vos
Ob spontan entschieden oder von langer Hand geplant – es kristallisierte sich schnell eine Dreiergruppe heraus, neben Engelhardt und Molenaar war noch der Picnic-PostNL-Fahrer Frank van den Broek dabei. "Wir waren dann drei gute Fahrer vorne. Wir mussten auch ziemlich hart fahren“, beschrieb Engelhardt das weitere Szenario. Die Gruppe harmonierte gut.
An der ersten Bergwertung wie auch an der Sprintwertung wurde aber hart gekämpft. Molenaar setzte sich beide Male durch, jeweils recht knapp vor Engelhardt. "Er war mit Abstand der Stärkste von uns dreien und hat das auch zu Recht verdient“, schätzte Engelhardt das Duell ein. "Ich habe es versucht, aber am Ende habe ich gegen seinen Wahnsinnsantritt keine Chance gehabt.“ Drei Bergpunkte nur für Engelhardt, deren fünf für Molenaar.
Sollten sich die Ausreißer noch Hoffnungen auf weitere Bergpunkte am Stadtberg Montjuic im Zielort Barcelona gemacht haben, der drei Mal attackiert wurde, so machte ihnen UAE einen Strich durch die Rechnung. Tadej Pogacars Helfer führten das Feld schnell heran. Über eine Weile sah das noch elastisch aus. Der Rückstand war schon auf unter zehn Sekunden geschrumpft, die Ausreißer konnten förmlich den Atem ihrer Verfolger im Nacken spüren, da ging die Lücke doch wieder größer auf.
Die Ausreißer passieren die Zuschauermassen. | Foto: Cor Vos
"Irgendwo ist man froh, noch ein paar Meter mehr zu haben. Man rettet sich noch ein bisschen weiter“, sagte Engelhardt. "Auf der anderen Seite sind es noch ein paar Meter mehr Anstrengung.“ Die genoss er immerhin. Es passiert auch nicht so oft, dass ein Deutscher Meister bei der Tour de France ganz vorn fährt.
Dass es nicht zum Etappensieg reichen würde, war Engelhardt ohnehin klar. Die Interessen des Felds waren zu eindeutig. Am Ende wurde es in der Bergwertung sogar noch knapp für Ausreißer Molenaar. Pogacar ließ seinen Helfer Brandon McNulty bei den ersten beiden Überquerungen des Montjuic auf der Stadtrunde durch Barcelona jeweils als Erster die weiße Linie passieren. Wäre der US-Amerikaner auch bei der letzten Überquerung kurz vor dem Ziel vorn gewesen, hätte er den Niederländer enthront.
Zum Glück für den tapferen Ausreißer setzten sich aber der Norweger Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) und der Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) kurz aus dem Feld ab. Sie staubten die letzten Bergpunkte ab. In Sachen Tagessieg ließ UAE dann aber nichts anbrennen. Arm in Arm passierten Pogacar und sein Lieblingshelfer Isaac Del Toro die Ziellinie. Sie hatten sich die Konkurrenz ganz fachmännisch zurechtgelegt. Für Del Toro war es nach dem Defekt während des Rennens ein unverhofftes Glücksgefühl.
Felix Engelhardt (Jayco - AlUla) führt die Ausreißer an. | Foto: Cor Vos
Für Molenaar gab es dagegen das Gepunktete Trikot, für seinen Rennstall Caja Rural beim letzten Tag in der spanischen Heimat ganz sicher ein Riesencoup. Und Engelhardt durfte sich immerhin über die Ehrung als Kämpferischster Fahrer freuen und hatte auf diese Art seinen Podiumsauftritt. Die Streifen vom Meistertrikot hätte er aber zu gern mit den roten Punkten des Bergtrikots getauscht. "Man kriegt nicht oft die Chance, bei der Tour ins Trikot zu fahren. Das muss man natürlich nutzen“, meinte er.
Mit seinem tapferen Ausreißabenteuer hat er sich nun aber auch in die Aufmerksamkeitszone für die Kollegen gefahren. Es war einfach nicht zu übersehen, wie kraftvoll und überzeugt er seine Ablösungen fuhr. Damit dürfte der Tourneuling sich gleich am zweiten Tag zu einem beliebten Ausreißerkollegen für neue Abenteuer qualifiziert haben.
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