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05.07.2026 | (rsn) - 36 Jahre nach Raúl Alcala hat wieder ein Mexikaner eine Etappe der Tour de France gewonnen: Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) siegte nach 168 Kilometern am Olympiastadion von Barcelona vor seinem Kapitän Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), die allesamt zeitgleich das Ziel erreichten.
Nach der kleinen Niederlage im Mannschaftszeitfahren tags zuvor demonstrierte das UAE-Team an Tag zwei der Frankreich-Rundfahrt Stärke. Pogacar hätte die Etappe wohl selbst gewinnen können, ließ seinem Edelhelfer aber den Vortritt, da keiner der Konkurrenten in der Lage war, in die finale Entscheidung einzugreifen. Die Devise, dass der Slowene keine Geschenke macht, gilt also nicht für seine Teamgefährten.
Der Jubel im Ziel war riesig unter den UAE-Fahrern. Pogacar schnappte sich den Tagessieger und hob ihn in die Höhe, wo Del Toro die geballte Faust in den katalanischen Himmel reckte. "Ich kann nicht glauben, was ich gerade getan habe. Auf diese Weise ist das einfach verrückt. Ich bin Tadej wirklich dankbar. Mit ihm im besten Team der Welt zu sein – ich bin einfach voller Emotionen“, sagte der sichtlich gerührte Mexikaner gegenüber Eurosport.
Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) hielt den Schaden als 16. mit zehn Sekunden Rückstand in Grenzen. Er verteidigte damit Gesamtrang acht. Dazwischen hatte eine Gruppe mit dem Franzosen Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM), dem Spanier Juan Ayuso (Lidl – Trek) und Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobilty) aus Norwegen drei Sekunden hinter dem Sieger das Ziel erreicht.
Zu den Verlierern des Tages gehörten indes die Fahrer des Teams Netcompany - Ineos. Deren Bester, Tobias Foss, kam als zweitbester Norweger auf Platz 20 mit 43 Sekunden Rückstand ins Ziel. Der Vorjahressiebte, Kevin Vauquelin, muss seine Ambitionen auf die Gesamtwertung nach Rang 51 und fast sieben Minuten Rückstand bereits begraben.
Aus deutscher Sicht sorgte Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) für ein Ausrufezeichen, indem er sein nationales Meistertrikot gleich bei der ersten Gelegenheit in einer Fluchtgruppe in Szene setzte. Ziel sei es gewesen, das Leibchen mit dem schwarz-rot-goldenen Streifen gegen das Bergtrikot zu tauschen, sagte der Ulmer nach dem Rennen zu RSN. Dieses Unterfangen glückte aber nicht.
Durch die Zeitbonifikation für Rang zwei rückte Pogacar bis auf sechs Sekunden an Vingegaard heran, der folglich Gelb behält. Evenepoel gelang der Sprung auf Platz drei, wo der Zeitfahrweltmeister mit 15 Sekunden Rückstand auf Tuchfühlung bleibt. Del Toro (+0:16) ist jetzt Vierter vor Ayuso (+0:19).
Durch seinen Etappensieg übernahm Del Toro auch das Grüne Trikot. Mit 30 Punkten liegt er dort um fünf vor dem Niederländer Alex Molenaar (Caja Rural – Seguros RGA) und Pogacar. Der Mexikaner löste außerdem Ayuso an der Spitze der Nachwuchswertung ab. Als einer der Ausreißer des Tages sicherte sich Molenaar das Trikot des besten Bergfahrers. UAE liegt mit 21 Sekunden Vorsprung auf Netcompany – Ineos in der Teamwertung vorn.
Engelhardt, Frank van den Broek (Picnic - PostNL) und Molenaar setzten sich nach fünf Kilometern vom Feld ab. Baptiste Veistroffer (Lotto - Intermarché) versuchte eine Weile als Solist aufzuschließen. Der Franzose gab dieses Unterfangen aber bald auf. Das Feld ließ das Trio im flachen Teil der Etappe dann gewähren. Der Abstand wuchs auf vier Minuten an, ehe Pinarello – Q36.5 die Kontrolle übernahm und die Lücke langsam zu schließen begann.
Den Zwischensprint erreichte das Trio noch mit zwei Minuten Vorsprung. Molenaar überspurtete dort Engelhardt. Aus dem Feld heraus schnappte sich Biniam Girmay (NSN) den vierten Platz vor Mads Pedersen (Lidl – Trek) und Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech). Anschließend ging es direkt hoch zur Côte de Begues (2.Kat.). Dort setzte sich das Pogacar-Team an die Spitze des Pelotons, sodass der Abstand zu den Ausreißern immer kleiner wurde. 25 Sekunden vor dem Feld räumte Molenaar auch die Bergwertung ab.
Das Streckenprofil der 2. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter
Van den Broek ließ sich anschließend einholen. Engelhardt und Molenaar bauten ihren Vorsprung noch einmal etwas aus. In Barcelona angekommen, lag das Duo noch zehn Sekunden vorn, die beide auch tapfer verteidigten. Doch 33 Kilometer vor dem Ziel war die Flucht nach 130 Kilometern beendet.
Mathias Vacek (Lidl – Trek) führte das Feld kurz darauf in den ersten Anstieg hinauf zum Montjuic. Bald übernahm aber wieder UAE das Zepter, Brandon McNulty brachte die Hauptgruppe über die Bergwertung. Die Favoriten ließen einander nicht mehr aus den Augen. Nach der ersten Passage waren nur noch circa 40 Mann beieinander. Die zweite Auffahrt ähnelte der ersten sehr stark, wieder machte McNulty in der Favoritengruppe die Arbeit bis über die Kuppe.
Tiesj Benoot (Decathlon – CMA CGM) führte die Favoritengruppe in die letzte Montjuic-Passage. Kurz darauf übernahm Adam Yates (UAE – Emirates – XRG) die Spitze. Doch bis oben gab es lediglich einen Angriff von Johanessen , der aber alle anderen Favoriten folgen konnten.
Im 700 Meter langen Schlussanstieg griff schließlich Del Toro auf der linken Straßenseite an, Pogacar scherte nach rechts aus, ihm folgte Vingegaard, doch der Slowene ließ absichtlich eine kleine Lücke zu seinem Teamkollegen aufgehen. Vingegaard schaute sich anschließend einmal um und verlor in dem Moment Pogacars Hinterrad, der einen Tick spritziger wirkte. Der UAE-Kapitän fuhr ans Rad seines Edelhelfers, verzichtete aber auf einen Sprint um den Etappensieg. Dahinter überholte Evenepoel Vingegaard, der sichtlich am Limit war und das Ziel mit einer kleinen Lücke zum Belgier erreichte.
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