RSNplusAuf 4. Tour-Etappe alle für Pedersen und Grün

Lidl – Trek machte aus Traumszenario ein Meisterstück

Von Tom Mustroph aus Foix

Foto zu dem Text "Lidl – Trek machte aus Traumszenario ein Meisterstück"
Mads Pedersen (Lidl - Trek) im Grünen Trikot der Tour de France | Foto: Cor Vos

07.07.2026  |  (rsn) - Strahlende Gesichter beim deutschen Team Lidl - Trek. Schöner hätte dieser Tour-Tag nicht laufen können. Mads Pedersen erwies sich als so kletterstark wie in den besten Tagen. US-Meister Quinn Simmons war so etwas wie Libero, Manndecker und Dauerläufer im Mittelfeld in einer Person, und Mathias Vacek war die Karte, wenn es auf dieser 4. Etappe doch noch zu einem Duell der guten Kletterer gekommen wäre. Am Ende machten in Foix zehn Ausreißer den Sieg unter sich aus. Drei von ihnen trugen das Trikot von Lidl - Trek.

Ex-Weltmeister Pedersen war nach 181,9 Kilometern um Längen der Schnellste. Und Simmons fuhr hinter ihm auf Platz zwei ein. “Quinn hätte heute auch gewinnen können. Er war unglaublich stark. Aber wir haben heute vorab entschieden, dass es eine Etappe für Mads werden sollte. Denn wir wollen ja auch ums Grüne Trikot kämpfen und brauchen dafür die Punkte“, sagte der Sportliche Leiter Kim Andersen im Ziel zu RSN. ___STEADY_PAYWALL___

Dass er und seine Kollegen im Begleitwagen bei den taktischen Optionen derart aus dem Vollen schöpfen konnten, bezeichnete der Däne als “Traumszenario“. “Ja, wir wollten heute mit diesen drei Fahrern in der Fluchtgruppe arbeiten. Aber dass alle drei es hineingeschafft haben, war wirklich wie ein Traum“, meinte Andersen weiter.

Erlösender Sieg: Mads Pedersen (Lidl – Trek) jagt mit einem Freudenschrei über die Ziellinie der 4. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

Seine Fahrer schwelgten ebenfalls in ekstatischen Traumgefilden, und das weniger aufgrund von Bewusstseinstrübung infolge der Hitze, sondern wegen des Geleisteten. “Ich würde es nichts anderes als ein Meisterstück nennen wollen“, äußerte sich Vacek. “Heute lief für uns alles perfekt. Es ist toll hier am Ziel zu sein und das Grüne, das Weiße und den Doppelsieg geholt zu haben. Es ist wirklich unglaublich.“ 

Während der 24-jährige Vacek, der sich mit dem Weißen Trikot schmücken durfte, noch am Staunen war, hatte Simmons schon wieder seinen trockenen Humor wiedergefunden. “Es war kein Geheimnis, dass wir mit Vac, mir und Mads drei der stärksten Fahrer vorn hatten. Ich denke, wenn wir einen guten Tag haben und der Kurs uns liegt, muss dies das Ergebnis sein. Alles, was schlechter gewesen wäre, wäre eine Niederlage gewesen“, meinte der schrillste Bartträger im Peloton.

Teamkollege Quinn Simmons freut sich als Etappenzweiter für Pedersen. | Foto: Cor Vos

So fuhren die drei dann auch. Simmons zeigte sich erst als sehr feinfühliger Pacemaker, der das Tempo am Berg so schnell machte, dass die Gruppe nicht in Gefahr geriet. Aber immer auch noch machbar für Pederson. Nachher vereitelte er jede Attacke der Rivalen und hielt die Gruppe so zusammen, dass Pedersen erfolgreich seinen Turbo zünden konnte. “Ich meine, es ist kein Geheimnis mehr, was ich an einem guten Tag leisten kann. Also sagte ich dem Team, sie sollten mich für genau so einen Tag mit zur Tour nehmen“, meinte Simmons selbstbewusst zu RSN. “Vor allem aber freue ich mich, dass es sich so gut für Mads ausgegangen ist.“

Pedersen: “Meisterstück einer Mannschaftsleistung“

Der Däne hatte nach einem Sturz zum Auftakt der Valencia-Rundfahrt im Februar tatsächlich eine längere Durststrecke durchzustehen. In dieser Saison ist es sein erster Sieg. Ein wenig stand er sich dabei auch selbst im Weg. “Mads ist unglaublich willensstark, er setzt sich hohe Ziele und hört nicht auf, dafür zu kämpfen. Manchmal wendet sich das aber auch gegen einen selbst“, spielte der Sportliche Leiter Steven de Jongh auf Pedersens schwierige Situation im Frühjahr an, als er nach seiner Sturzverletzung lange nur indoor trainieren konnte und auch die psychologische Last des Profilebens öffentlich zum Thema machte.

Im Ziel in Foix war das alles aber vergessen. Als “Meisterstück einer Mannschaftsleistung“ stellte auch er die Zusammenarbeit des Trios heraus. “Ich habe am letzten Berg ganz schön gelitten. Aber mit Quinn und Vacek war es ein unglaublicher Tag und sie haben bergauf Unglaubliches geleistet, um das Tempo für mich festzulegen. Sie haben sichergestellt, dass wir nach der Kuppe nicht zu viel Zeit einbüßen. Sie waren von dort bis zum Ziel einfach Maschinen. Was für eine Teamleistung! Was für ein Teamerfolg!“, rief er aus.

Mathias Vacek (Lidl – Trek) rückte im Gesamtklassement auf Rang drei vor und eroberte das Weiße Trikot. | Foto: Cor Vos

Den Sieg widmete Pedersen auch dem scheidenden Teamchef Luca Guercilena. “Er hat mich gebeten eine Etappe zu gewinnen – und am besten früh im Rennen. Die heute lag mir. Deswegen ist das hier für Luca und die ganzen guten Jahre, die wir gemeinsam hatten. Ich bin ihm wirklich dankbar für alles, was er für mich getan hat“, sagte Pedersen. Als kleinen Wermutstropfen sah er noch, dass er im Zwischensprint gegen Biniam Girmay (NSN) und Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) den Kürzeren gezogen hatte.

Aber wer wird über verlorene kleine Punkte trauern, wenn er den großen Coup gelandet hat. Lidl Trek hat auf der 4. Etappe der Tour de France tatsächlich einen Lehrbuchbeitrag für die Taktikfibel geschrieben. Man profitierte zwar auch von der Gnade von Team UAE – Emirates - XRG, das sich gerne etwas Schonung vor den nächsten harten Tagen leisten wollte. Aber wie Pedersen & Co. diese Gnade genutzt haben, ist aller Ehren wert.

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