RSNplusGrößter Erfolg in Uno-X-Teamgeschichte

Auf Rot folgt Gelb: Traeen sorgt auch bei der Tour für Furore

Von Sebastian Lindner

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Torstein Traeen (Uno-X Mobility| Foto: Cor Vos

07.07.2026  |  (rsn) – Ganz Norwegen rudert dieser Tage. Und einer schwimmt oben auf der Welle mit: Torstein Traeen. Der 30-Jährige von Uno-X ist auf der 4. Etappe der Tour de France ins Gelbe Trikot gefahren. Inwieweit die Nation davon Notiz nehmen wird, ist unklar. Schließlich hat die Fußballnationalmannschaft Brasilien aus dem WM-Turnier geworfen und steht dank Erling Haaland im Viertelfinale, ist damit so weit gekommen wie noch nie.

“Es besteht kein Zweifel, dass wir Norweger jetzt nicht nur im Wintersport – da zeigen wir schon lange, wie gut wir sind - sondern auch in Sommersportarten wie Leichtathletik, Golf, Tennis, Fußball und Radsport Großes erreichen können.“ Das sagte Thor Hushovd, General Manager von Uno-X, nach dem Rennen. “Das macht mich stolz. Aber es macht auch die Athleten stolz, wenn wir Brasilien aus der WM werfen“, fügte er lachend an.  ___STEADY_PAYWALL___

Diese Spitze kann sich dieser Tage keiner der Skandinavier verkneifen, der darauf angesprochen wird. Auch Traeen nicht. “Wir sind einfach von der norwegischen Kultur inspiriert. Man sieht das ganze Gerudere beim Fußball. Wir sind eine Gruppe von Freunden, die schon lange zusammen ist und wir genießen“, erklärte er in seinem Siegerinterview.

Traeen ist der erste Norweger seit Alexander Kristoff - der 2020 den Tour-Auftakt in Nizza gewann und einen Tag in Gelb fuhr -, der die Gesamtwertung der Frankreich-Rundfahrt anführt. Hushovd schaffte das seinerseits gleich in drei verschiedenen Jahren. 2004, 2006 und 2011, damals sogar sieben Tage am Stück, nachdem er mit dem Cervelo-Team das Mannschaftszeitfahren gewonnen hatte.

Hushovd: “Das ist außergewöhnlich“

Uno-X gab es damals noch nicht. Der Sponsor ist seit 2017 mit an Bord, zunächst war man drei Jahre lang als norwegisches Devo-Team unterwegs, bevor die Mannschaft zum ProTeam wurde und schließlich seit dieser Saison eine Lizenz für die WorldTour besitzt. Bislang war es Jonas Abrahamsen, der für das Team die größten Erfolge bei der Tour einsammelte. 2024, bei der zweiten Teilnahme, führte er sowohl Punkte- als auch Bergwertung für einige Tage an, bei der vergangenen Austragung holte er den ersten Etappensieg, den bis dato größten Erfolg der Teamgeschichte.

Gelb bei der Tour: Uno-X-Teammanager Thor Hushovd freut sich über den größten Erfolg seiner Mannschaft | Foto: Cor Vos

Die ist nun um ein weiteres Highlight reicher. “Es ist der größte Tag, den wir bisher als Team hatten“, sagte Christian Andersen, Sportlicher Leiter der Mannschaft, nach Traeens Erfolg. “Ich kann nur sagen, dass es außergewöhnlich ist.“ Und so sieht es auch Hushovd. “Ich bin immer noch emotional. Das Gelbe Trikot war nicht unser Ziel heute morgen. Es ist passiert. Aber das passiert nur, weil wir so Rennen fahren und keine Angst haben, in die Ausreißergruppe zu fahren. Wir sind offensiv.“

Dass das Trikot nur eine Momentaufnahme ist, weiß der ehemalige Sprinter natürlich. “Wir wissen, dass wir es in Paris nicht mehr tragen werden, wo es letztendlich zählt. Aber es überhaupt zu tragen, bedeutet sehr viel. Es ist eines der prestigeträchtigsten Trikots. Wir haben lange darum gebeten, bei diesem Rennen teilnehmen zu dürfen. Jetzt führen wir es an. Das ist unglaublich", sagte Traeen.

Positiver Dopingtest bringt Krebserkrankung ans Licht

Ähnlich wie der Vorsprung, den letztlich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) zugelassen hat, nachdem er sein Team nicht mehr mit aller Konsequenz hatte nachführen lassen. Fast 13 Minuten sind es am Ende geworden, die der Slowene in Foix hinter Traeen über die Linie fuhr. Es ist einer der größten Abstände der jüngeren Tour-Geschichte. Die Differenz zum aktuell Zehnten im Klassement, Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM), 8:41 Minuten, ist dabei sogar historisch. Zu diesem Zeitpunkt des Rennens, Etappe 4, trennte die Top 10 zuletzt 1990 ein größerer Abstand.

Torsten Traeen war bereits bei der Vuelta 2025 im Roten Trikot des Gesamtführenden unterwegs. | Foto: Cor Vos

In der vergangenen Saison fuhr Traeen bereits bei der Vuelta im Leadertrikot. Rot hatte er sich damals auch über eine Ausreißergruppe mit großen Vorsprung erkämpft. Vier Tage trug er es, bevor Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) kam und es ihm abnahm. Dass es dieses Mal ähnlich kommen wird, ist nicht auszuschließen. Es könnten aber auch mehr als diese vier Tage werden. "Ich hoffe, dass ich ein bisschen Zeit darin verbringen kann“, sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Rennen.  "Jeden Tag, den ich es genießen kann, werde ich es genießen.“

Dass er überhaupt noch die Chance dazu hat, verdankt er einem positiven Dopingtest aus dem Mai 2022. Traeen war damals in einem Trainingslager, als ihn sein Teamarzt darüber informierte, dass bei ihm das Schwangerschaftshormon hCG festgestellt wurde. Da es die Testosteronproduktion anregt, steht es für Männer auf der Verbotsliste der WADA. 

Gleichzeitig ist es ein Tumormarker. Hodenkrebs im frühen Stadium wurde festgestellt, ein Hoden entfernt. Nach vier Monaten Pause fuhr er wieder Rennen. Ein Dopingverfahren wurde nicht engeleitet. Zwei Jahre später feierte er seinen bis heute einzigen Profisieg, als er am Gotthard Pass während eines zweijährigen Intermezzos bei Bahrain Victorious eine Etappe der Tour de Suisse als Solist gewann.

“Er hat sich da durchgekämpft“, sagte Hushovd. Gerade deswegen gilt für den 30-jährigen Traeen noch mehr als für andere: “Er ist jetzt der Führende in einer der wichtigsten Sportveranstaltungen der Welt, das ist ein stolzer Moment, das musst er einfach genießen.“ Sein Team, dass für die Verteidigung sicher etwas auf die offensive Fahrweise verzichten muss, tut es auf jeden Fall. Und ein kleines bisschen vielleicht auch ganz Norwegen.

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