RSNplusVinokourov: “Schöner Tag für ihn und das Team“

“Bittersüß“: Kanter sprintet in Pau auf Rang zwei

Von Tom Mustroph aus Pau

Foto zu dem Text "“Bittersüß“: Kanter sprintet in Pau auf Rang zwei"
Max Kanter (XDS - Astana, re.) wurde Zweiter der 5. Etappe der Tour de France. | Foto: Cor Vos

08.07.2026  |  (rsn) - Es war (fast) der Tag des Max Kanter. Der Cottbuser hielt bereits im Zwischensprint der 5. Etappe der 113. Tour de France mutig rein, distanzierte dort Mads Pedersen (Lidl – Trek) und Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech). “Wir hatten da ein ganz gutes Timing. Deswegen musste ich da nicht allzu tief gehen“, meinte der Astana-Profi recht locker im Ziel zu RSN.

Ein bisschen Kraft hatte er aber schon gelassen. “Klar, jeder einzelne Antritt hier in der Tour tut natürlich schon ein bisschen weh. Aber es war jetzt nicht so, dass mich das im Nachhinein beeinträchtigt hat“, fügte er an.

Das bestätigten auch die Bilder vom Sprint Royal in Pau. Sein kleiner Sprintzug mit Aaron Gate und Mike Teunissen hatte ihn erneut gut vorn abgeliefert. Und kurzzeitig sah es auch so aus, als würde der Tour-Debütant seinen größten Karriereerfolg erreichen. Dann machte ihm allerdings der Niederländer Olav Kooij (Decathlon - CMA CPG) einen Strich durch die Rechnung. ___STEADY_PAYWALL___

“Mein Team hat einen super Job gemacht. Die Beine waren gut heute. Kooij kommt dann von hinten mit ein bisschen mehr Speed. Dann hatte ich schon die Lücke, ich habe noch versucht, reinzukommen, aber die Lücke war einfach schon zu groß“, beschrieb er das Finale aus seiner Sicht.

Um überhaupt erneut vorn reinzuhalten, musste Kanter ein paar stressige Situationen überstehen. “Wir hatten einen ganz guten Plan gehabt. Aber heute im Finale war es ziemlich chaotisch. Da ist eigentlich alles ein bisschen über Bord geworfen worden“, beschrieb er gegenüber RSN die letzten Kilometer. Es war vor allem viel Straßenmobiliar, das im Weg stand und den Geschwindigkeitsaufbau immer wieder störte.

Max Kanter (XDS – Astana) bei der Teampräsentation der Tour de France in Barcelona | Foto: Cor Vos

So richtig schimpfen mochte Kanter darüber dann aber auch nicht. “Ich mag technische Finals, deswegen hatte ich da jetzt nicht allzu viel dagegen“, meinte er. “Vielleicht ein, zwei weniger Kreisverkehre oder ein, zwei weniger Verkehrsinseln weniger“, schlug er den Organisatoren aber doch vor. “Das hätte schon einen Unterschied gemacht. Aber ja, es ist halt auch immer schwierig. Die die Städte versuchen alles zu machen, dass der Verkehr beruhigt wird. Und dann kommen wir hier mit dem Etappenfinale hin und fahren dann halt mit 70 durch die Stadt“, äußerte er Verständnis über die kniffligen Bedingungen.

Und klar, die Athleten bereiten sich auf diese Problematiken ja auch vor. “Wir haben eine App, wo wir uns vorher alles anschauen können (wo Inseln, Speedbumps, etc .sind, d. Red.). Das nutzen wir als Fahrer selbst, aber auch im Meeting im Bus. Alles kann man sich aber nicht merken“, erklärte der 28-Jährige am Mikrofon der ARD – und nannte als Fazit:“ Man muss (im Sprint) schon ein bisschen den Kopf ausschalten und um ehrlich zu sein auch hoffen, dass alles gutgeht.“ 

In diesem Fall ging für ihn viel gut und Kanter konnte mit seiner Vorstellung zufrieden sein. “Wir haben versucht, trotz der etwas chaotischen Verhältnisse cool zu bleiben. Mein Team hat da auch einen guten Job gemacht. Und am Ende ist ein zweiter Platz gut, es ist aber auch immer bitter und süß zugleich.“

Auf der 5. Tour-Etappe musste sich der Cottbuser nur Olav Kooij (Decathlon – CMA CGP) geschlagen geben. | Foto: Cor Vos

Sein Teamchef Alexander Vinokourov war an diesem Tag eher auf der süßeren Seite. “Es ist ein schöner Erfolg für ihn und auch das Team“, konstatierte der Kasache. “Das gibt ihm Selbstvertrauen, es ist nicht leicht, gegen die schnellen Männer hierzu bestehen“, lobte er seinen schnellen Mann. Vor allem aber zeigte Vinokourov sich zufrieden, dass Astanas Pechsträhne bei dieser Tour, die mit einem katastrophalen Zeitfahren begonnen hatte, nun beendet scheint.

“Die ersten Tage liefen wirklich nicht so gut. Wir haben es am Tag zuvor in der Fluchtgruppe versucht, aber Lidl - Trek war zu stark“, blickte er auf die letzten Tage zurück. Jetzt herrscht wieder etwas mehr Zuversicht im Team mit dem kasachischen Sonnenemblem. Kanter jedenfalls blickt hoffnungsvoll auf die nächsten Tage – abgesehen vielleicht von der Tourmalet-Etappe am morgigen Donnerstag. “Wir haben jetzt einen guten Start gehabt. Es war leider kein Sieg, aber ich glaube, daraus können wir Motivation schöpfen. Das jetzt war mal ein Ausrufezeichen. Und dann schauen wir auf die nächsten Tage“, sagte er zu RSN.

Und auch dem deutschen Radsport bescherte Kanter das erste leise Hoffnungsglimmen bei dieser 113. Tour de France.

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