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08.07.2026 | (rsn) - Kaum ein Fahrer dürfte mit weniger Renntagen zur Tour de France gereist sein als Olav Kooij (Decathlon - CMA CGM). Erst 14 Mal konnte sich der 24-Jährige in dieser Saison eine Rückennummer anheften, erstmals geschehen Ende Mai.
Zu Beginn des Jahres, nur zwei Wochen nach seinem offiziellen Wechsel zu Decathlon – CMA CGM, musste seine neue Equipe bekanntgeben, dass Kooij mit einer Viruserkrankung ausfallen würde.“ Seit Januar habe ich mich extrem müde gefühlt und war lange Zeit krank. Ich glaube, die ersten zwei Monate des Jahres saß ich überhaupt nicht auf dem Rad”, blickte der Niederländer auf der Pressekonferenz nach der 5. Etappe zurück.
Als er schließlich wieder ins Renngeschehen eingriff, war von der Müdigkeit nichts mehr zu spüren. Direkt bei seinem Comeback-Rennen, den Boucles de la Mayenne, gewann er zwei Teilstücke sowie die Punktewertung. Zwei Wochen später konnte er bei der stark besetzten Baloise Belgium Tour eine Etappe abschießen. Den vorläufigen Saisonhöhepunkt feierte er nun mit einem souverän ersprinteten Sieg auf der 5. Etappe der Tour de France.
“Es lief eigentlich wie von selbst. Ich habe versucht, die Kurve einen Kilometer vor dem Ziel richtig zu timen. Das hat perfekt geklappt, dann sah ich, dass Astana den Sprint eröffnen würde und das war ideal. Auf den letzten 200 Metern muss man einfach losfahren. Wenn man wartet, kommen sie von hinten. Ich war zuversichtlich, dass mein Sprint stark genug ist, um als Erster los zu spurten und so war er dann auch”, resümierte der glückliche Tour-Debütant im Ziel.
Dass er überhaupt rechtzeitig für die Frankreich-Rundfahrt fit werden würde, war jedoch lange unklar. Trainingspläne und Renneinsätze mussten oft verworfen und angepasst werden. “Schritt für Schritt kam dann das Vertrauen zurück, dass ich rechtzeitig zur Tour bereit sein würde. Aber es war definitiv ein Rennen gegen die Zeit”, so Kooij.
Gerade die Nominierung für die Tour war einer der Hauptgründe für den Teamwechsel gewesen. Mit Jonas Vingegaard als Kapitän hätte der Sprinter bei seinem vorherigen Arbeitgeber Visma – Lease a Bike wohl noch lange auf sein Debüt bei der Tour warten müssen. “Der Tapetenwechsel hat mir definitiv neue Einblicke gebracht. Zusammen mit den Erfahrungen aus den letzten Jahren und trotz der Krankheit zu Beginn des Jahres hat mir diese Kombination neue Energie gegeben. Dazu die Chance, zur Tour zu fahren – das war extrem aufregend”, kommentierte er den Wechsel, der ihm auch einen neuen Trainer einbrachte.
Trotz der kurzen Vorbereitung schaffte es dieser, seinen Schützling rechtzeitig für das Saisonhighlight in Schuss zu bringen. Zwei trainingsfreie Monate sind im modernen Radsport eine große Ausnahme und auch eine Tour-Teilnahme ohne Ausflug in die Höhe ist eine Seltenheit: “Die übliche Planung mit einem Höhentrainingslager, das gefühlt 98 Prozent des Pelotons absolviert hat, ist bei mir wegen des späten Formaufbaus ausgefallen. Es gibt also definitiv ein paar Dinge, die ich bei einem normalen Saisonstart anders machen würde", erzählte Kooij.
Für einen Tour-Etappensieg, dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere, reichte es aber. Damit hat Kooij auch einigen Druck von seiner Equipe genommen, die mit Jungstar Paul Seixas antritt, auf dessen Schultern die Hoffnungen der Franzosen ruhen.
Die Doppelspitze mit dem 19-Jährigen sieht der fünf Jahre ältere Kooij durchaus positiv: “So haben wir jeden Tag etwas, worum wir fahren können. Das war ich schon von Visma gewohnt, wo wir immer einen Klassementfahrer dabei hatten", erzählte er und fügte an: "Das bringt eine gute Dynamik ins Team. Jeden Tag ein Ziel zu haben, ist extrem gut für die Moral und die Energie der Mannschaft. Und auch an einem Tag wie heute, an dem wir Paul vorne halten wollen, kann ich davon profitieren.”
Etappensieg hin oder her - morgen am Tourmalet werden alle Augen auf den 19-jährigen Seixas gerichtet sein. Schließlich soll der im Kampf um das Gelbe Trikot ein gewichtiges Wörtchen mitreden.