“Perfektes Leadout und Sprinter, der nicht vollenden konnte“

Philipsen “fehlte einfach die Explosivität“

Von Paul Grosch

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Jasper Philipsen blieb bei der Tour de France den Erwartungen bisher zurück. | Foto: Cor Vos

10.07.2026  |  Jasper Philipsen war als Favorit auf das Grüne Trikot des Punktebesten an den Start der Tour de France 2026 gegangen. Ein oder mehrere Etappensiege sind bei dem Sprinter jedes Jahr praktisch fest eingeplant. Doch bei der zweiten Sprintankunft der Frankreich-Rundfahrt konnte Philipsen erneut nicht überzeugen – trotz des besten Leadouts aller Sprintzüge. Auch die Mission Grün scheint in Gefahr zu sein.

Eigentlich lief alles perfekt. Der Alpecin-Zug schien sich genau zum richtigen Zeitpunkt an die Spitze des Feldes zu setzen. Eine Reihe von fünf Fahrern in Blau ging auf die letzten 2,5 Kilometer. Keine andere Mannschaft hatte auch nur annähernd so viele Helfer für ihre Sprinter übrig. Edward Planckaert brachte Mathieu van der Poel und Philipsen auf den letzten Kilometer, immer noch in Führung liegend.

Van der Poel musste als letzter Anfahrer zwar relativ früh in den Wind, doch der Weltmeister von 2024 brachte Philipsen bis zur 250-Meter-Marke. Als der dann los sprintete, schien er nicht richtig in Fahrt zu kommen. Mehrere Sprinter überholten ihn schon 100 Meter vor dem Ziel. Am Ende gewann Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) souverän vor Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) und Biniam Girmay (NSN). Philipsen wurde nur Fünfter.

Philipsen trotz perfekten Leadouts zu langsam

“Ich war in der richtigen Position, um den Sprint zu eröffnen“, erzählte Philipsen gegenüber Sporza. “Ich konnte voll antreten, aber es fehlte an der nötigen Geschwindigkeit. Das ist schade, denn das Team hat alles perfekt gemacht.“ Auf der Zielgerade hatten die Fahrer Gegenwind. Möglicherweise hatte das einen Einfluss auf Philipsen, der etwas früh allein im Wind war. Der Belgier hatte jedoch eine andere Erklärung und suchte keine Ausreden.

“Ich habe mich insgesamt gut gefühlt, aber auf den letzten 200 Metern fehlte mir einfach die Explosivität“, sagte er im Ziel. “Es ist schade, aber ich habe alles gegeben. Es hat einfach nicht gereicht.“ Seine Enttäuschung konnte der zehnmalige Tour-Etappensieger nicht verbergen. “Natürlich herrscht Frustration, aber das gehört zum Sport dazu. Es macht keinen Spaß, nicht auf dem Niveau zu fahren, das ich mir wünsche.“ Damit meinte der 28-Jährige wahrscheinlich nicht nur den heutigen Sprint.

Bereits auf dem fünften Tagesabschnitt mit dem Massensprint in Pau blieb er hinter den Erwartungen zurück. Auch damals ließ er verlauten, dass Geschwindigkeit und Kraft in den Beinen fehlten. Die ersten vier schweren Etappen als Erklärung ließ er vor zwei Tagen schon nicht gelten. Im Gegensatz zu den bisherigen Sprint-Siegern Merlier und Olav Kooij (Decathlon – CMA CGM) ist Philipsen eigentlich als fitter Sprinter bekannt, der gut über die Berge kommt. Das zeigte er zuletzt bei der Belgium Tour (2.Pro).

"Ein Sprinter, der nicht vollenden konnte"

Teammanager Philip Roodhooft wurde deutlich. “Es war ein perfektes Leadout und ein Sprinter, der es nicht vollenden konnte“, sagte der Belgier gegenüber Sporza. Vom Kampf um Grün wollte er bei Wielerflits nichts wissen. “Ich denke, das grüne Trikot ist im Moment nicht relevant. Wir sind hier, um Etappen zu gewinnen, und das Trikot ist das Ergebnis davon. Wir haben noch nicht gewonnen, also ist es viel zu weit weg, um darüber zu reden.“ In der Punktewertung liegt der Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France 2023 nun mit 78 Punkten Rückstand auf Mads Pedersen auf dem fünften Platz.

Roodhooft erklärte Philipsens Abschneiden so: “Jeder weiß, was die letzten Tage an körperlicher Anstrengung und Hitze abverlangt haben“, sagte der 50-Jährige gegenüber Sporza. “Einige Fahrer werden sich besser erholt haben als andere. Jasper wusste heute Morgen, dass er sich noch nicht vollständig erholt hatte." Sowohl Roodhooft als auch sein Sprinter bleiben mit Blick auf einen Etappensieg dennoch optimistisch.

“Ich hoffe, dass ich mich besser fühlen werde, aber ich muss die aktuelle Situation akzeptieren. Es bieten sich sicherlich noch weitere Chancen. Hoffentlich kann ich diese mit besseren Beinen nutzen“, sagte Philipsen. Lange muss er nicht warten. Bereits am Samstag sind die Sprinter wieder an der Reihe.

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