RSNplusIn Bordeaux noch beeindruckender als bei Platz zwei in Pau

Trotz Godon-Rempler Vierter: Kanter wird zum echten Siegkandidat

Von Joachim Logisch aus Bordeaux

Foto zu dem Text "Trotz Godon-Rempler Vierter: Kanter wird zum echten Siegkandidat"
Max Kanter (XDS - Astana) | Foto: Cor Vos

10.07.2026  |  (rsn) - Ganz tief unter dem Radar der deutschen Öffentlichkeit ist Max Kanter (XDS - Astana) bei der Tour de France in die Weltelite der Sprinter vorgestoßen. Seinem zweiten Platz in Pau, der zwar auch dadurch begünstigt wurde, dass die Zahl der Anwärter durch einen Sturz reduziert wurde, bei dem aber auch sein Team hervorragende Arbeit leistete, ließ der gebürtige Cottbuser nun in der Hauptstadt der Sprinter, Bordeaux, Rang vier folgen. Dabei war er auf den letzten 30 Metern vermutlich sogar der Schnellste gewesen.

Zweimal war Kanter in seinem Vorwärtsdrang gestoppt worden. Einmal von Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) 2,5 Kilometer vor dem Ziel, als sich die Teams formierten und er sich nach einer leichten Rempelei mit seinen Helfern eingebaut um Platz 20 wiederfand. Am Teufelslappen war er sogar noch etwas weiter zurück.

Doch zum Glück öffnete sich nochmal eine Tür und der Astana-Profi stieß mit toller Geschwindigkeit nach vorne, als er 200 Meter vor dem Zielstrich durch eine Welle von Dorian Godon (Netcompany - Ineos) nach links außen gedrückt wurde. ___STEADY_PAYWALL___

Zum Sieg hätte es nach der Vorgeschichte nicht gereicht. Aber der Spätentwickler, der erst jetzt mit 28 Jahren seine Leistungsfähigkeit entdeckt und im März mit seinem Etappenerfolg bei Paris-Nizza (2.UWT) seinen bislang größten Erfolg feierte, hätte vielleicht noch um eine weitere Podiumsplatzierung mitreden können.

"Es war nicht ideal für uns. Wir waren einen Tick zu weit hinten und wirklich eingebaut. Ich hatte zwar noch drei Jungs bei mir, aber wir sind einfach nicht rausgekommen. Ich wusste, dass die Zielgerade eine leichte Rechtskurve ist. Also habe ich mir bei 400 Metern gesagt, ich fahre jetzt einfach und schaue, wie weit ich kommen kann", spielte Kanter am Eurosport-Mikrofon auf das erste Zusammentreffen mit Philipsen an, dem er aber keinen Vorwurf macht.

Kein Vorwurf an Godon wegen des Remplers

"Besser, man holt noch ein Resultat, als gar nicht dabei zu sein", ergänzte er in der Mixed Zone. Noch störender war das Zusammentreffen mit Godon, dem er auch keinen Vorwurf machte – zumal dessen Welle auch nur eine Reaktion auf den nach links herausziehenden und dann siegreichen Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) war.

"Er (Godon) kam von rechts und ist ein bisschen in mich reingefahren. Aber ich denke, das war noch alles im Rahmen. Es hat mich natürlich ein bisschen behindert und mir Geschwindigkeit genommen. Aber ich glaube, er hat es wahrscheinlich nicht mit Absicht gemacht. Alle wollen irgendwie eine Lücke zum Sprinten haben. Da sind wir halt ein bisschen Schulter an Schulter gekommen. Aber so ist das manchmal beim Sprint", zeigte sich Kanter gegenüber radsport-news.com generös.

Bei der ersten Sprintankunft in Pau kam Kanter etwas zu früh an die Spitze und musste sich dann Olav Kooij geschlagen geben. | Foto: Cor Vos

Die beiden Platzierungen bewiesen ihm aber, dass er sehr wohl in der Lage ist, in den verbleibenden Tour-Tagen noch siegreich sein zu können. Dabei ist ihm bewusst, was ihm noch zum Sprung ganz aufs oberste Treppchen fehlt. "Im ersten Sprint (in Pau) hat bei mir ein bisschen das Timing gefehlt. Heute war das Timing beim Leadout nicht ganz perfekt. Aber so ist das halt manchmal. Es muss halt alles zusammenkommen, um hier eine Etappe zu gewinnen. Ich meine, das ist das beste Sprinterfeld, das man haben kann. Da muss alles passen."

Leadout von Pau als Blaupause für die nächsten Versuche

Auch am Samstag bietet sich ihm eine weitere Möglichkeit, weil die 8. Etappe in Bergerac erneut auf einen Massensprint hinauslaufen dürfte. Kanter: "Wir müssen das Finale von heute analysieren. Die Fehler dürfen nicht wieder passieren. Wir müssen es schaffen, dass wir unseren Leadout fahren können, dass wir frei fahren können. So wie bei der ersten Sprint-Etappe (in Pau, Anm. d. Red.)."

So ganz nebenbei sammelt der Astana-Profi auch Pünktchen für Pünktchen in den Zwischensprints im Kampf ums Grüne Trikot des besten Sprinters, wohlwissend, dass er gegen den in der Wertung führenden Max Pedersen (204 Punkte / Lidl – Trek) keine Chance haben dürfte, wenn alles normal läuft.

Max Kanter (XDS – Astana) während der 7. Tour-Etappe. | Foto: Cor Vos

"Pedersen ist ein Fahrer, der auch dort sprinten kann, wo ich nicht hinkomme", gab er freimütig RSN gegenüber zu, dass gerade auf den Bergetappen der Däne im Vorteil ist. Doch, man weiß ja nie. In der Wertung ums Zeichen des besten Sprinters ist er im Moment Dritter (140 Punkte) hinter Pedersen sowie Biniam Girmay (145 / NSN), und vor dem Gewinner der 7. Etappe, Merlier.

"Ich schaue von Tag zu Tag. Ich versuche, immer ein paar Punkte mitzunehmen, aber das ist jetzt nicht das Hauptziel von uns. Doch wenn wir dabei sein können, nehmen wir die Punkte mit. Wir haben ein gutes Team am Start und auch die Möglichkeit, irgendwann um das Grüne Trikot mitzukämpfen", will er sich bis Paris alle Möglichkeiten offenhalten. Denn selbst wenn Pedersen übermächtig scheint, so muss auch der Däne die Tour erstmal beenden.

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