RSNplusWeiche Landung nach Traeen-Aus

In der Team-DNA: Uno-X zwischen Attacke und Waerenskjold-Sprint

Von Sebastian Lindner

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Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) bei der Tour de France | Foto: Cor Vos

11.07.2026  |  (rsn) – Spielverderber wollten sie sein, so schien es. Zumindest kassierten die Männer von Uno-X ein tiefes Stirnrunzeln und wahrscheinlich auch das eine oder andere nicht ganz so freundliche Wort von den Sprinterteams, als sie rund 110 Kilometer vor dem Ziel mit einer Tempoverschärfung aus dem Nichts drauf und dran waren, den auf dieser 7. Etappe lieb gewonnenen Trott mit halbwegs gemächlichem Tempo bei der Jagd auf zwei hoffnungslose Ausreißer zu ruinieren.

Aus dem ohnehin dünnen Vorsprung der Ausreißer von lediglich gut einer Minute, den sich Alpecin – Premier Tech und Soudal – Quick-Step allerdings selbst zuzuschreiben hatten, machte das Team in Rot und Orange auf zwei Kilometern nur noch 20 Sekunden. Magnus Cort hatte mit einem eindeutigen Grinsen im Gesicht Jonas Abrahamsen auf die Reise geschickt, der mit einem kleinen Intervall dafür sorgte, dass den Fahrern am Ende des Feldes in aller Hektik die Bananen aus den Händen fielen. ___STEADY_PAYWALL___

Insgesamt blieb die Aktion folgenlos, genau wie zwei Angriffe durch Abrahamsen und Anders Skaarseth auf den letzten zehn Kilometern des Tages. Letztlich verdiente sich Uno-X damit aber zumindest ein Bienchen bei der ASO, der insgeheim schon vor der zweiten Flachetappe in Folge grauen dürfte. Die beiden bisherigen Sprinter-Etappen waren jedenfalls das, was die meisten Rennveranstalter dazu treibt, immer weniger davon im Programm zu haben: ereignislos.

Uno-X übernimmt den Job der Wildcard-Teams

Uno-X war die einzige Mannschaft, die gegen diese Gleichförmigkeit ankämpfte. Eigentlich ist das der Job der ProTeams, vor allem derer mit einer Wildcard. Doch Caja Rural – den Auftritt von Jakub Otruba in der Zwei-Mann-Flucht mit Baptiste Veistroffer von Lotto einmal ausgenommen – und TotalEnergies, aber auch Tudor, Pinarello und mit Abstrichen ebenfalls Cofidis blieben im Tour-Verlauf allesamt bislang seltsam blass. Uno-X springt in die Bresche, dabei hat das Team seit dieser Saison die WorldTour-Lizenz inne.

Teamkapitän Tobias Johannessen hält sich auf den Flachetappen zurück. | Foto: Cor Vos

Die DNA aus den Anfangsjahren, als auch die Norweger auf eine Einladung der A.S.O. angewiesen waren, steckt aber noch immer in der Mannschaft. "Wir attackieren, denn wenn man es nicht versucht, gewinnt man nicht", erklärte Teammanager Thor Hushovd bei Eurosport die Herangehensweise. Dabei hat der finale Massensprint gezeigt, dass es eben doch auf anderem Wege möglich sein könnte. Kaum einer hatte ihn auf dem Zettel, aber Sören Waerenskjold sprintete in Bordeaux überraschend auf Rang zwei, nur Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) war schneller.

“Das war beeindruckend von Sören“, sagte Hushovd dann auch. Wirklich angedeutet hatte sich das im Vorfeld nicht. Bei der Belgien-Rundfahrt (2.Pro), bei der nahezu alle Tour-Sprinter zum Kräftemessen angetreten waren, musste sich der 26-Jährige fast immer hinter Merlier, Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck), Olav Kooij (Decathlon – CMA CGM) und Biniam Girmay (NSN) einreihen. “Das heute ist wirklich gut für Sören. Ich würde nicht sagen, dass er an sich zweifelt, aber manchmal braucht man etwas für den Kopf. Und heute hat er gezeigt, dass er die besten Sprinter der Welt schlagen kann“, so Hushovd.

Waerenskjold hat den Speed, aber nicht den Kick/h3>

Schon bei der vergangenen Tour hatte Waerenskjold gezeigt, dass er ganz vorne reinfahren kann. Zum Auftakt in Lille wurde er Dritter, zwei Tage später in Dünkirchen noch mal Vierter, bevor er die Grande Boucle zur Mitte der Rundfahrt aufgeben musste. Bei kleineren Rennen wie der Deutschland Tour (2.Pro) und der Dänemark-Rundfahrt (2.Pro) hat Waerenskjold in der Vergangenheit auch schon Massensprints für sich entschieden, die wenigsten haben ihn aber als echten Sprinter für die ganz flachen Ankünfte auf dem Zettel.

Torstein Traeen stürzte in Gelb schwer und konnte am nächsten Tag nicht weiterfahren. | Foto: Cor Vos

Einen Teil seiner 18 Profisiege hat der Norweger im Zeitfahren geholt, auch sein U23-Weltmeistertitel in dieser Disziplin dürfte dazu führen, dass er eher in eine andere Schublade gesteckt wird. Nicht zuletzt sein wohl größter Sieg bisher beim Omloop Nieuwsblad im vergangenen Jahr – auch da zwar im Massensprint, aber nach einem viel schwereren Rennen eben.

"Ich bin ziemlich zufrieden“, sagte Waerenskjold nach seinem zweiten Platz im ASO-Ziel-Interview selbst. “Ich weiß, dass ich hier nicht der Schnellste bin und ich wusste, dass er (Merlier) nah bei mir ist. Es war nicht wie beim ersten Sprint, wo er von zehnter Stelle kam. Deshalb wusste ich, dass es superhart werden würde, ihn zu schlagen“, schilderte er die Situation, wohlwissend um seine Stärken und seine Schwächen.

Hushovd: "Ich weiß, dass er das Potenzial für den Sieg hat"

“Ich wusste, dass ich dann auch eine gute Höchstgeschwindigkeit habe – nur nicht den Kick der anderen. Aber ich bin wirklich zufrieden mit meiner Ausführung des Sprints. Ich denke, ich habe ihn perfekt begonnen, kurz vor den anderen, um sie rechts auch etwas zu blockieren. Ich bin happy und denke, dass es heute das Bestmögliche war."

Zumindest generell glaubt sein Teamchef, früher selbst Weltklasse-Sprinter, dass noch mehr drin ist. "Ich weiß, dass er das Potenzial für den Sieg hat, und ich bin sicher, dass er das nach heute auch selbst weiß“, so Hushovd. Am besten noch bei dieser Tour, immerhin steht ein Etappensieg in den Saisonzielen für 2026.

Thor Hushovd gewann unter anderem 2007 eine Etappe der Tour de France. | Foto: Cor Vos

Das Gelbe Trikot, das der nach zwei Stürzen ausgeschiedene Torstein Traeen für kurze Zeit innehatte, war diesbezüglich ein Bonus. Weithin wurde davon ausgegangen, dass sogar deutlich mehr drin sein könnte, doch die Poagacar-Explosion am Col du Tourmalet und Traeens Sturz in der Abfahrt stellten die Pläne auf den Kopf.

Waerenskjold über Traeen: “Auch das Weihwasser hat nicht geholfen“

Der Moral der Mannschaft konnte das nichts anhaben. “Wir haben die Situation mit Humor genommen, Torstein selbst auch“, gab Waerenskjold einen Einblick hinter die Kulissen: “Wir haben ihn in einen Rollstuhl gesetzt und zum Weihwasser (in den Wallfahrtsort Lourdes, wo sich auch das Teamhotel befand, d.Red.) gefahren, aber es hat nichts geholfen“, lachte er. Schon zuvor hatte Anders Halland Johannessen via Social Media versucht, den Single Traeen mithilfe dessen neugewonnener Bekanntheit zu verkuppeln.

Auch Hushovd wollte das allzu abrupte Ende in Gelb eher als Motivation für weitere große Auftritte sehen. “Ich bin den Jungs (nach der 6. Etappe, d.Red.) mit einem Lächeln begegnet und habe gesagt: Gut gemacht, wir haben zwei Tage in Gelb gehabt, die Tour de France angeführt. Und wir haben auch jetzt noch viele andere Möglichkeiten, können attackieren, wofür wir als Team ja auch bekannt sind. Ich denke, das hat allen geholfen. Es ist schön zu sehen, dass wir direkt wieder da sind."

Und zwar nicht nur in der frühen Offensive, sondern auch mit einem weiteren Ass für die schnellen Finals. Für die bergigen hat das Team dann noch Tobias Halland Johannessen in der Hinterhand. Uno-X Mobility bei der Tour de France 2026 – vielseitig und erfolgreich.

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