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11.07.2026 | (rsn) - Biniam Girmay nähert sich seinen Zielen an. Der Eritreer wirkt noch nicht so überzeugend wie in seinem Paradejahr 2024, als er drei Etappen der Tour de France und außerdem das Grüne Trikot gewann. Aber ein sechster, ein dritter und nun in Bergerac ein zweiter Platz markieren ganz eindeutig eine Aufwärtsentwicklung. “3 – 2 – 1 – das ist doch eine recht logische mathematische Reihe“, frohlockte auch sein Sportlicher Leiter Sam Bewley im Schatten des Teambusses in der Weinstadt Bergerac gegenüber RSN.
Denn folgerichtig würde im nächsten Sprint der Sieg winken. Natürlich hätte der Neuseeländer schon am Ende der 8. Etappe gern mit seinem Schützling gejubelt. “Aber dieser zweite Platz erfreut uns auch. Und wir kommen unserem Ziel ja immer näher“, sagte er. “Jetzt haben wir ein paar Tage Zeit, die nächste Gelegenheit vorzubereiten. Wir analysieren das Ganze, und wenn wir müssen, werden wir auch ein paar Veränderungen vornehmen“, kündigte Bewley an. ___STEADY_PAYWALL___
Girmay selbst sah vor allem die Berührung mit einem Konkurrenten als wesentlichen Faktor an, warum er nicht seinen optimalen Sprint auf den Asphalt legen konnte. “Die letzte Kurve haben wir unglaublich schnell genommen. Niemand hat da gebremst. Ein Fahrer von Uno-X hat meinen Lenker berührt, zum Glück konnte ich die Situation retten. Die Aktion hat mich aber Geschwindigkeit gekostet“, sagte der 26-Jährige unmittelbar im Ziel. Das änderte aber nichts an seinem Respekt gegenüber dem Sieger Tim Merlier (Soudal – Quick-Step). “Er war stark! Wenn ich sehe, wie er gesprintet ist…verrückt. Er ist im Moment einfach schnell!“, war er voll des Lobes über den Belgier.
Zielsprint der 8. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos
Sich selbst sieht er aber auch in passender Tour-Verfassung. “Meine Form ist gut, ich bin auch in einem besseren Team mit einem stärkeren Zug und schnellerem Material“, sagte der NSN-Neuzugang unmittelbar vor dem Grand Départ. Da schimpfte Girmay rückblickend vor allem auf die Reifen seines früheren Teams Intermarché. Mit dem Material dort hatte es im letzten Jahr keinen einzigen Sieg gegeben, was allerdings nicht nur am Rollwiderstand gelegen haben dürfte.
Geändert hat sich auch die Vorbereitung. Hatten die Coaches bei Intermarché immer mal wieder darüber geklagt, wie schwierig es sei, Trainingspläne zwischen Eritrea, wohin Girmay sich immer wieder zurückzog, und Europa zu koordinieren, so erklärte Bewley jetzt: "Seit Januar ist er in Europa. Wir hatten also eine ziemlich kontrollierte Vorbereitung auf die Tour dieses Jahr. Wir hatten auch ein großes Höhentrainingslager in Teneriffa vor der Tour. Ich denke, das zahlt sich jetzt alles aus. Was uns nur noch fehlt, ist der Sieg.“
Immerhin konnte Girmay dieses Jahr schon einige Male jubeln, zuletzt im Juni bei der Baloise Belgium Tour. Da schlug er unter anderem den nunmehr zweimaligen Etappensieger. “Merlier bleibt unser gefährlichster Rivale bei den einzelnen Massensprints“, schätzte Bewley auch ein – wogegen er im Kampf um Grün einen anderen Widersacher auf dem Zettel hat. “In Sachen Punktewertung müssen wir am stärksten auf Mads Pedersen achten“, betonte er.
Damit stehen zwei Ziele im Fokus. “Der Etappensieg hat höhere Priorität, denn nur mit einem Etappensieg im Massensprint wird man auch Chancen auf Grün haben. Aber unterwegs wollen wir auch die Punkte mitnehmen, die wir kriegen können“, erklärte Bewley die Doppelstrategie. Da gibt es auch keinerlei Differenzen mit seinem Kapitän. “Ich will eine Etappe gewinnen. Das ist meine oberste Priorität. Danach kommt das Grüne Trikot“, sagte Girmay.
Schon kurz nach dem Zielstrich gratulierte Biniam Girmay (NSN, li.) dem Etappengewinner Tim Merlier (Soudal – Quick-Step). | Foto: Cor Vos
Der Eritreer baut vor allem auf die zweite und dritte Woche. “Ich bin widerstandsfähiger gegenüber der Hitze als meine wichtigsten Rivalen, ich komme auch besser über die Anstiege und erhole mich schneller“, schätzte er sich selbst vor der Tour ein.
Bewley ist ebenfalls von der Resilienz seines Spitzenmannes überzeugt: “Ich denke, er kann die großen Belastungen der Tour ziemlich gut aushalten. Das wird uns in die Hände spielen, je länger das Rennen andauert. Bei den Sprints in der zweiten Woche steckt mehr Müdigkeit in den Beinen, und das sollte der Moment sein, in dem Bini seine Sprintfähigkeiten ausspielen sollte. Das ist auch seine größte Stärke.“
Bewley prognostiert heiße Duelle mit Merlier um Etappensiege und einen Dreikampf mit dem Soudal-Sprinter und Pedersen um Grün. Dort liegen die drei Hauptrivalen nur 25 Punkte, also einen Zwischensprint, auseinander. Der Kampf um Grün ist bei dieser Tour de France definitiv aufregender als der um das Gelbe Trikot, auf das Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) ein Dauerabo zu haben scheint.