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13.07.2026 | (rsn) – Neun Tage ist die Tour de France 2026 bisher alt, das gesamte Fahrerfeld dürfte diesem ersten Ruhetag im Zentralmassiv entgegengefiebert haben. Das gesamte Fahrerfeld? Zugegeben, wie nötig Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) einen Ruhetag hat, kann nur spekuliert werden. Doch selbst der Dominator klagte zwischenzeitlich über Kopfschmerzen angesichts der Hitzewelle, die sich in Katalonien und Südfrankreich über dem Peloton ausbreitete. Nicht nur die Hitze, auch erbarmungslos hohe Geschwindigkeiten prägten die erste Tour-Woche. RSN hat die Gewinner und Verlierer der ersten neun Etappen gefunden.
Gewinner: Pogacar und das UAE-Team
Für die Erbarmungslosigkeit sorgte nicht zuletzt das “Überteam“ dieser Tour. Die Equipe aus den Emiraten gibt das Tempo vor – und nicht selten entscheiden sie sich für ein extrem hohes. Keine andere Mannschaft hat den Männern in weiß etwas entgegenzusetzen, sie kontrollierten mit zahlenmäßiger Überlegenheit und mussten den morgens gefassten Plan kaum ändern. ___STEADY_PAYWALL___
Da überrascht es fast, dass sie im Mannschaftszeitfahren in Barcelona eine Niederlage gegen Visma – Lease a Bike einstecken mussten. Das korrigierten sie aber bereits am zweiten Tag der Tour. Pogacar konnte es sich in Barcelona sogar leisten, seinem Leutnant Isaac Del Toro ein Dankeschön mit dem Etappensieg zu überreichen.
Das Fazit aus UAE-Sicht nach neun Tagen: Drei Etappensiege, konkurrenzlose Dominanz und das Gelbe Trikot mit fast drei Minuten Vorsprung für den Sonnenkönig des Radsports.
Verlierer: Jonas Vingegaard
Wenn Pogacar ein strahlender Gewinner der ersten Woche ist, dann muss Vingegaard (Visma – Lease a Bike) ein Verlierer sein. Das ist der sechsjährigen Rivalität der beiden besten Rundfahrer ihrer Generation geschuldet. Und es ist ja auch so: Der Däne wollte den Abstand auf seinen Kontrahenten im Vergleich zu den vorangegangenen zwei Austragungen verkürzen.
Das Ergebnis: Nie - abgesehen von 2021, als die Rivalität noch in den Kinderschuhen steckte- verlor er mehr Zeit auf einer einzelnen Etappe als auf dem Teilstück über den Col du Tourmalet am vergangenen Donnerstag. Es gab Stimmen, die Vingegaard nach seinem dominanten Giro-Auftritt zutrauten, die Lücke zu Pogacar zu schließen. Es reichte ein Tag im Hochgebirge, um diese Hoffnung zunichtezumachen.
Geschlagen: Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) am Ende der 6. Etappe der Tour de France | Foto: Cor Vos
Dem Visma-Team fehlten bisher außerdem die Mittel, um UAE wirklich herauszufordern – als einziger verlässlich an der Seite des zweifachen Tour-Siegers ist der ewige Sepp Kuss. Es gibt auch eine andere Lesart der ersten Woche, die Vingegaard hoffnungsvoller stimmen könnte. Am Tourmalet blieb er nach der ersten Attacke lange auf Tuchfühlung. An der Passhöhe betrug der Rückstand “nur“ 30 Sekunden. Erst dann, auf für ihn ungeeigneterem Terrain, ging die Lücke so weit auf. Seinen Status als zweitbester Fahrer konnte er zementieren, aber das ist nicht, was der Däne will.
Gewinner: Mads Pedersen und Lidl-Trek
Auf der Gewinner-Seite findet sich ein Landsmann Vingegaards. Nein, Pedersen ist nicht der schnellste Sprinter im Feld, auch nicht der explosivste. Aber durch seine aggressive Fahrweise und seine Leidensfähigkeit an den Anstiegen der Tour hat er sich in die Pole Position in der Wertung um das Grüne Trikot gebracht, das der Lidl-Trek-Fahrer erstmals nach Paris tragen möchte.
Sein Team verfolgt eine lange Liste an Zielen bei dieser Tour. Grün, eine Klassement-Doppelspitze mit Juan Ayuso und Mattias Skjelmose und Etappensiege mit Fahrern wie Quinn Simmons. Das kann der deutschen Equipe manchmal etwas zu viel werden, wie auf dem neunten Teilstück nach Ussel. Dort kämpften Simmons und Derek Gee-West in der Gruppe um den Tagessieg, zu Gunsten Pedersens wurden sie in die Favoritengruppe zurückbeordert, am Ende reichte es nur für Platz sechs für den Dänen.
Doch auch diese Etappe brachte Positives. Den Vorsprung in der Punktewertung konnte er ausbauen. Auf dem vierten Teilstück gelang Lidl eine Masterclass, die zu Pedersens Etappensieg vor Teamkollege Simmons führte. Beide Klassement-Fahrer sind noch in Podiumsreichweite und auch in der Mannschaftswertung ist Lidl mit 27 Minuten Vorsprung in Führung.
Verlierer: Remco Evenepoel und Red Bull - Bora - hansgrohe
Doppelspitzen sind kompliziert. Bekenntnisse für einen klaren Leader werden regelmäßig von Teamleitungen vermieden, “die Straße“ werde entscheiden. Was passiert aber, wenn die Straße das nicht tut und Egos eine Entscheidung herbeiführen wollen.
Sportlich ist es bisher nicht die Tour von Red Bull-Bora-hansgrohe. Das Abschneiden im Mannschaftszeitfahren war gut, aber das Ziel war das Gelbe Trikot. Sowohl Remco Evenepoel als auch Florian Lipowitz sind nicht auf einem Level mit Pogacar und ebenfalls nicht mit Vingegaard. Im Kampf um Platz drei ist noch Vieles möglich, aber für welchen der beiden Kapitäne?
Schnell aufgebracht: Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos
Evenepoel warf nach der Pyrenäen-Etappe den Fehdehandschuh in Richtung Lipowitz. Damit vergriff sich der Belgier im Ton und in der Wahl des Mediums, ein Schaden für die ganze Mannschaft. Natürlich wurden die Wogen nachher von den Fahrern, der Presseabteilung und der Teamleitung geglättet, aber das Unheil ist angerichtet. Dazu kommt noch, dass die Helferriege bei Weitem nicht auf Augenhöhe mit UAE, Visma und Co. zu agieren scheint. Schlagzeilen macht der Raublinger Rennstall in der ersten Tour-Woche nur abseits des Sportlichen. Das muss sich ab der 10. Etappe ändern.
Gewinner: Tim Merlier
Der Belgier ging als Topfavorit in die bisherigen drei Massensprint-Etappe der Tour. Zweimal konnte er gewinnen, auf der 5. Etappe verlor Merlier seine Anfahrerfraktion durch einen Sturz fünf Kilometer vor dem Ziel.
Danach bewies der 33-Jährige eindrucksvoll, dass er der schnellste Mann im Feld ist, sein Team zeigte, dass ihm in Sachen Positionierung, Erfahrung und Cleverness bei diesen Etappen niemand etwas vormachen kann. Angesichts der Sprintstärke Merliers und der aufgestockten Punktzahl bei Flachetappen scheint auch das Grüne Trikot in Reichweite.
Tim Merlier (Soudal - Quick-Step) ist nach der ersten Woche der König der Sprinter | Foto: Cor Vos
Verlierer: Jasper Philipsen
Hier hätte das gesamte Alpecin-Team stehen können, hätte nicht Mathieu van der Poel mit einer Willensleistung die Etappe vor dem Ruhetag nach Ussel gewonnen. Damit nahm der Niederländer auch viel Druck von Philipsen, der bisher im Sprint weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war und mit seiner Form haderte.
Nun hat das Team seinen Etappensieg, Philipsens Schwäche bleibt aber bestehen. In der zweiten Woche hat er zweimal die Möglichkeit, die ersten drei Sprints vergessen zu machen. Gelingt es dem Belgier nicht, hat er eine lange Leidenszeit in den Bergen vor sich, ohne sich auf die positiven Erinnerungen eines Sieges verlassen zu können.
Gewinner: Der Klimawandel
Es war heiß. Jede Etappe – mit Ausnahme des Tourmalet-Tags – hatte eine Durchschnittstemperatur von mehr als 30 Grad, “Gewinner“ war die 8. Etappe nach Bergerac mit 36,4 Grad im Durchschnitt. Das Feld übertrifft sich in Sachen Kreativität im Umgang mit der Hitze. Eissocken, Eiswesten, Eiswürfel und Trinkflaschen aller Art kommen zum Einsatz.
Erstmals in der Geschichte der Tour wurde eine Etappe aufgrund der hohen Temperaturen verkürzt. Aus dem Feld werden die Rufe nach Anpassungen immer lauter. Pogacar würde sogar den Rennkalender so radikal ändern, dass im Sommer nicht mehr in Südeuropa gefahren werden kann. Die Erde wird immer heißer, Freiluftsportarten wie der Radsport zählen zu den Leidtragenden der dramatischen Veränderungen. Vor Extremwetter müssen alle Protagonisten geschützt werden – die Überlegungen dazu müssen an anderer Stelle und in Ruhe getroffen werden.
Verlierer: Die Spannung
Es ist das sechste Duell zwischen Pogacar und Vingegaard bei der Tour de France. Im direkten Duell steht es 3:2 für den Slowenen – und schon nach sechs Tagen scheint der Weg zum vierten Sieg im Zweikampf vorprogrammiert.
Die Lücke sollte geschlossen werden, dafür hat Vingegaard viel getan, sich beim Giro Selbstvertrauen geholt, seine Taktik angepasst, seine Explosivität und Angriffslust gesteigert – er ist ohne Zweifel stärker als bei seinen Tour-Siegen 2022 und 2023. Aber es reicht nicht. Die Etappe nach Gavarnie-Gedre zeigte, dass die Rivalen nicht auf Augenhöhe agieren.
“Es ist noch nicht vorbei“, sagte Vingegaard im Anschluss. Der Däne wird nicht aufgeben und sollte es auch nicht, die richtig schweren Tage in den Alpen kommen noch, der Däne wird in der dritten Woche traditionell stärker. Und doch: Die Befürchtung ist, dass die Länge der Tour nicht für mehr, sondern eher für weniger Spannung sorgen könnte.
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