RSNplusIm Zentralmassiv läuft es für Lidl - Trek

Ayuso bringt sich im Kampf ums Tour-Podium in eine gute Position

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Ayuso bringt sich im Kampf ums Tour-Podium in eine gute Position"
Juan Ayuso und sein Lidl-Trek-Team sorgen bei der Tour bisher für gute Unterhaltung. | Foto: Cor Vos

14.07.2026  |  (rsn) – Während Red Bull – Bora – hansgrohe mit seiner Doppelspitze aus Remco Evenepoel und Florian Lipowitz die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht, fährt sich ein anderes deutsches Team in aller Stille an die Spitze. Lidl – Trek kann zu Beginn der zweiten Woche der Tour de France 2026 bereits zwei Wertungstrikots vorweisen. Außerdem befinden sich, wie bei Red Bull, zwei Fahrer unter den Top Ten des Gesamtklassements. Platz drei in Paris scheint möglich.

Auf der 10. Etappe durch das Zentralmassiv gehörten Juan Ayuso und Mattias Skjelmose erneut zur Verfolgergruppe hinter dem dominanten Tadej Pogacar, wie bereits auf der Tourmalet-Etappe. Im Tagesklassement belegten Ayuso und Skjelmose im Sprint die Plätze fünf und sechs, einige Sekunden hinter dem zweitplatzierten Evenepoel, Lipowitz und Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Das Lidl-Duo konnte jedoch jeweils sechs Sekunden auf den Gesamtzweiten Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) gutmachen. ___STEADY_PAYWALL___

“Ich bin zufrieden“, sagte Ayuso im Ziel gegenüber Eurosport. “Ich glaube, es war wichtig, diesen Tag gut zu überstehen.“ Damit spielte der Spanier auf den gestrigen Ruhetag an. Sein Sportlicher Leiter sieht darin auch den Grund für Vingegaards Zeitverlust. “Das sind Überraschungen, die man immer nach einem Ruhetag sieht“, erklärte Steven de Jogh gegenüber RSN. “Es kann also auch absolut gar nichts bedeuten. Vielleicht ist es eine Schwäche. Aber ich glaube, es war der Ruhetag.“

Bei seinen beiden Kapitänen war davon nichts zu sehen, auch wenn Ayuso nicht gerade im Schongang unterwegs war. “Ich war den ganzen Tag gerade so an meinem Limit. Das war natürlich hart“, sagte der 23-Jährige, der das Weiße Trikot von Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) übernahm, nachdem der Mexikaner am Col de Pertus, dem entscheidenden Anstieg, abgehängt worden war.

Juan Ayuso übernahm auf der 10. Etappe das Weiße Trikot des Nachwuchsbesten. | Foto: Cor Vos

“Ich glaube, Jonas war wahrscheinlich der Stärkste in der Gruppe. Er hat die Verantwortung übernommen. Ich hätte gerne mehr gearbeitet, aber es war sowieso schon sehr hart. Ich musste alles geben, um in der Gruppe zu bleiben", sagte Ayuso, der in Vingegaard offenbar weiterhin als "Best of the Rest" hinter Pogacar sieht.

Der Frage nach dem Tour-Podium wich der Mann aus Barcelona etwas aus. “Es ist klar, dass wir in einer guten Position sind. Ich glaube, dass ich langsam immer besser in Form komme. Aber ich will nicht zu weit vorausschauen“, sagte er mit einem Lächeln. Das “Wir“ ist dabei besonders hervorzuheben. 

Ayuso konnte sich erneut auf Skjelmose verlassen. Die Unstimmigkeiten aus dem Winter scheinen endgültig ausgeräumt. Lidl – Trek könnte somit auch bei den taktischen Möglichkeiten mit dem Red-Bull-Duo Lipowitz und Evenepoel mithalten. Im Kampf um Platz drei könnte das ein entscheidender Vorteil werden.

Skjelmose und Ayuso zeigten erneut eine starke Teamleistung. | Foto: Cor Vos

Doch vorher stehen erst einmal zwei Sprintetappen an. “Morgen geht es darum, sich möglichst gut zu erholen, um dann für das Wochenende weiter fit zu sein. Das wird sicherlich sehr hart“, blickte Ayuso auf die schweren Bergetappen am Samstag und Sonntag voraus. Außer Skjelmose und Ayuso wird sich bei Lidl - Trek morgen jedoch niemand ausruhen dürfen: Für Mads Pedersen geht es auf den kommenden zwei Flachetappen um das Grüne Trikot.

Der Däne konnte seinen Vorsprung in der Sonderwertung auf dem zehnten Tagesabschnitt weiter ausbauen und kommt auf nunmehr 293 Punkte. Damit liegt er 54 Punkte vor Biniam Girmay (NSN) und 80 Zähler vor Tim Merlier (Soudal – Quick-Step). Der Belgier gewann die letzten beiden Sprintankünfte, wurde aber im Zentralmassiv früh abgehängt. Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) und Max Kanter (XDS – Astana) liegen ebenfalls noch in Reichweite.

Mads Pedersen konnte seinen Vorsprung im Kampf um das Grüne Trikot weiter ausbauen. | Foto: Cor Vos

Für Pedersen geht es bei den flachen Sprintankünften vor allem darum, Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Etappe am Mittwoch ist praktisch topfeben, der Zwischensprint kommt schon nach 27 Kilometern. Gut möglich, dass einige Teams das Hauptfeld bis dahin kontrollieren wollen. Auch bei den Sprintern kommt es morgen darauf an, wer es nach dem Ruhetag am besten über die Berge geschafft hat. Pedersen dürfte sich vor allem die lange Übergangsetappe am Freitag angestrichen haben.

Auf dem Weg in die Vogesen geht es im Finale über zwei Bergwertungen, im Ziel warten dennoch 50 Punkte auf den Sieger. Bei seinem Tagessieg auf dem vierten Abschnitt zeigte der Däne bereits, dass er mit Unterstützung seiner Teamkollegen auch auf anspruchsvollerem Terrain Großes leisten kann. Die Ambitionen auf das Grüne Trikot und den dritten Platz im Gesamtklassement sind also für die deutsche Mannschaft weiterhin realistisch.

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