Däne kritisiert die Buhrufe gegen Pogacar

Vingegaard: “Sonst bleibt einfach zu Hause!“

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Vingegaard: “Sonst bleibt einfach zu Hause!“"
Auch bei der Tour 2025 wurde der Respekt zwischen den beiden großen Konkurrenten Jonas Vingegaard (li.) und Tadej Pogacar voreinander deutlich. | Foto: Cor Vos

15.07.2026  |  (rsn) – Dass ein Dominator einer Sportart irgendwann ausgebuht wird, ist nichts Neues. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) erlebte das auf der 10. Etappe der Tour de France 2026 vielleicht zum ersten Mal in seiner Karriere. Der 27-Jährige sprach das im Ziel auch sofort an. Am Tag danach sprang ausgerechnet sein großer Konkurrent Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) für den Slowenen in die Bresche. Überraschend war das jedoch nicht, denn an Respekt voreinander mangelte es den beiden noch nie.

“Danke an alle Fans, die heute an die Strecke gekommen sind. Es war eine tolle Atmosphäre. Auch wenn es ein paar Buhrufe gab. An alle, die gebuht haben: Ihr habt uns mehr Kraft gegeben!“, sagte Pogacar nach seinem überlegenen Sieg in Le Lioran. Dennoch dürften ihn die Buhrufe gestört oder irritiert haben. Zumindest so viel, dass er es erwähnte, ohne dass jemand danach gefragt hatte.

Am Tag danach wurde auch Vingegaard zu den Vorfällen befragt. “Ich habe das auch gehört. Ich denke, dass das im Sport nicht akzeptiert werden darf“, sagte der Däne gegenüber Wielerflits. “Es ist okay, wenn sie ihn nicht unterstützen. Aber dann buht man ihn nicht aus.“ Vingegaard selbst hat schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Auf der 14. Etappe der Tour de France 2024 wurde er ebenfalls angegangen. Ein Fan bewarf ihn und Pogacar am Anstieg zum Pla d’Adet mit Chips.

Damals hatte sich auch Pogacar solche Aktionen kritisiert und damit Vingegaard unterstützt. Der wurde am Mittwoch sogar noch etwas deutlicher. “Warum willst du zu einem Sportevent kommen, wenn du dann jemanden ausbuhst?“, richtete der Däne an die Fans. “Feuert einfach die Fahrer an und seid glücklich. Sonst bleibt einfach zu Hause!“

Pogacar selber zeigte sich einen Tag später etwas gelassener. “Im Radsport können wir uns normalerweise sehr glücklich schätzen“, sagte er bei FloBikes. “99 Prozent der Fans sind allen Fahrern gegenüber sehr enthusiastisch. Meine Eltern erzählen mir immer, dass die Fans alle Fahrer bejubeln. Den Letzten feuern sie sogar noch mehr an als die Ersten. Ich glaube, das ist gestern passiert, weil einfach so viele Menschen an der Straße standen.“

Pogacar bedankt sich bei Vingegaard für die Unterstützung

Der Slowene versuchte, das Ganze in nicht allzu ernst zu nehmen. “Im Team machen wir jetzt schon den Witz, dass wir immer buhen, wenn jemand etwas Dummes sagt“, erzählte er, um dann aber nochmals zu betonen. “Das Ganze gibt uns noch mal mehr Motivation.“

Eine solche Situation kennt Vingegaard aus eigenem Erleben. “Wenn du im Gelben Trikot fährst, bist du sowieso schon die Person, auf die alle Leute schauen. Das habe ich vor allem 2023 erlebt. Das Buhen ist das dann nicht wirklich schön.“ Bei seinem zweiten Gesamtsieg fuhr der 29-Jährige insgesamt 17 Tage in Gelb.

Nach dem Etappenende gab es von Pogacar dann noch ein Dankeschön für die Worte seines Konkurrenten. “Radfahren ist ein harter Sport… gut, dass man unterwegs manchmal etwas zu lachen hat. Danke, Jonas!“ schrieb der Slowene unter seinen Instagram-Beitrag zu Fotos, auf denen die Beiden vor der Etappe in einem lockeren Gespräch gezeigt werden.

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