RSNplusRekordfahrt auf 11. Tour-Etappe

Mit 50,91 km/h von Vichy nach Nevers

Von Tom Mustroph aus Nevers

Foto zu dem Text "Mit 50,91 km/h von Vichy nach Nevers"
Rasend schnell wurde die 11. Etappe der Tour de France 2026 ausgetragen | Foto: Cor Vos

15.07.2026  |  (rsn) - Diese 11. Etappe der Tour de France war die schnellste in der langen Geschichte der Rundfahrt, jedenfalls in der Kategorie der Etappen mit Massenstart. Sieger Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) brachte die 161,3 Kilometer von Vichy nach Nevers in gut drei Stunden hinter sich und erreichte bei erneut großer Hitze eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,91 km/h.

Damit löschte er den bisherigen Rekord von keinem Geringeren als Mario Cipollini aus. Der Italiener bezwang 1999, also in der Hochzeit des Epo-Dopings, den Berliner Erik Zabel und legte auf der Etappe von Laval nach Blois ein Stundenmittel von 50,36 km/h auf den Asphalt. Im Zeitfahren, das zur Vervollständigung, ist noch immer der Australier Rohan Dennis mit der 2015 in Utrecht aufgestellten Marke von 55,45 km/h der Beste. ___STEADY_PAYWALL___

Der neue Rekordhalter für normale Etappen nahm seine neuen Meriten aber recht gelassen zur Kenntnis. “Ich war etwas überrascht, dass es die schnellste Etappe aller Zeiten war, weil es sich nicht so hart angefühlt hat“, meinte Waerenskjold auf der Pressekonferenz auf Nachfrage von RSN und schob erklärend nach: “Aber wir hatten den ganzen Tag Rückenwind. Es war auch keine wirklich lange Etappe.“ Auch dass das Feld die Ausreißer kaum gewähren ließ, also selbst hohes Tempo anschlug und das Spitzenquartett vor sich her hetzte, bemühte er als Erklärung. “Und generell wird der Radsport immer schneller“, meinte der Norweger dann noch.

Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility, in Rot) war im Rekordtempo im Ziel der 11. Tour-Etappe. | Foto: Cor Vos

Das deckt sich mit den Erkenntnissen von Ex-Sprinter Tom Steels, der jetzt als Sportlicher Leiter bei Soudal – Quick-Step den insgesamt fünfmaligen Etappensieger Tim Merlier betreut. “Es sind gute Fahrer im Peloton. Es war eine gute Ausreißergruppe vorn. Und es gab viele Teams hinten, die gewinnen wollten“, erklärte der Belgier den Motivationszusammenhang, der Beine eben auch besonders schnell macht.

Hinzu komme der nicht sonderlich schwere Parcours, und, natürlich “Aerodynamik, Reifen und die Räder - das macht alles schneller.“ Vor allem aber gibt für Steels die Qualität der Fahrer den Ausschlag. “Vor ein paar Tagen hat man gesehen, dass ein Fahrer alleine im Schnitt über 50 km/h schnell fahren kann“, meinte er. Falls er auf Superausreißer Baptiste Veistroffer (Lotto – Intermarché) anspielte, der legte bei seiner Soloflucht auf der 5. Etappe über 162 km ein Stundenmittel von 44.1 km/h hin, wie seine Garminzahlen sagten.

Aber dass auch die Fahrer generell besser werden, wird niemand in Zweifel ziehen. “Es ist ein bisschen was von allem: das Material, die Fahrer, und dann haben wir von Anfang an den Druck auf die Ausreißer hochgehalten und mussten trotzdem gegen einen hohen Durchschnitt der Ausreißer ankämpfen“, fasste Steels zusammen. Sein Team übrigens war nicht mal mit den superschnellen Zeitfahrreifen unterwegs, sondern mit Material für die normalen Etappen, verriet der Belgier auch.

Auch Überflieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) musste sich sputen. | Foto: Cor Vos

Das Pikante an diesem Rekord ist, dass mal nicht Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) der Rekordhalter ist. Massensprint ist (vielleicht noch) nicht seine Sache. Also hielt er sich im Finale auch fein raus. Nach seiner Meinung wurde der Mann in Gelb trotzdem gefragt. “Ja, das fühlte sich schon ziemlich schnell an. Es war jetzt keine superharte Etappe, aber als wir nach der Pinkelpause zurückkommen wollten ins Peloton, war das verrückt schwer“, meinte er.

Auch Pogacar sah in der Motivation der Sprinterteams, das Feld zusammenzuhalten, den wichtigsten Faktor für den Dauerspeed. Verblüfft konstatierte er aber, dass das Tempo kurz vor Schluss, unmittelbar, nachdem die Ausreißer gestellt wurden, merklich sank. “Es war schon lustig, dass die Phase von Kilometer 5 bis etwa Kilometer 2 vor Schluss die langsamste des ganzen Tages war.“

Auch Pogacar musste sich sputen

Ins gleiche Horn blies sein Ex-Teamkollege Pascal Ackermann, jetzt für Jayco - AlUla am Start, und Zehnter im Massensprint von Nevers: "Ich würde sagen, die letzten zehn Kilometer heute waren die langsamsten vom ganzen Tag und keiner wusste wirklich, wann es jetzt losgeht. Und dann hat ein Team gezuckt, das war glaube ich Decathlon, und dann ging es halt los“, sagte der Pfälzer. Und es wurde wieder schnell, so dass die neue Bestmarke auch nicht in Gefahr geriet.

Also fassen wir zusammen: Weniger Rollwiderstand zwischen Reifen und Straße, mehr Kraft in den Beinen, dazu hohe Motivation im Feld und auch in der Fluchtgruppe führt zu Rekorden. Teil davon ist, dass selbst einer wie Pogacar sich nach dem Pinkeln sputen muss.

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