Eine Regel, zwei Bewertungen

Pedersen kommt nach Sprintfoul ungeschoren davon, Van Mechelen nicht

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Pedersen kommt nach Sprintfoul ungeschoren davon, Van Mechelen nicht"
Vlad Van Mechelen wurde von der UCI für den Massensturz im Finale der 12. Etappe der Tour in CHalon-sur-Saone verantwortlich gemacht. | Foto: Cor Vos

17.07.2026  |  (rsn) – Die Sprints der 12. Etappe – und vor allem deren Bewertung durch die Jury – werden noch ein wenig nachklingen und weitere, ähnliche Ereignisse, unter besondere Beobachtung stellen. Sowohl am Zwischensprint des Tages als auch im Finale griff sie ein, allerdings mit klar unterschiedlichen Folgen für die Beteiligten.

Am Zwischensprint war Mads Pedersen (Lidl – Trek) derjenige, auf den der Fokus gerichtet war. Aus der Straßenmitte zog er zum rechten Rand und bremste damit seinen Kontrahenten Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) aus. Die Ansichten darüber, ob das ein reguläres Vorgehen war – Pedersen behielt während seines Sprints seine Linie bei – oder nicht – er fuhr dabei diagonal zum Straßenverlauf – gingen auseinander. Und offenbar war sich auch die Jury unsicher, was sie davon halten sollte. Wie schon tags zuvor im Fall von Philipsen änderten die UCI-Kommissare zwischendurch ihre Meinung. Am Ende des Tages stand sowohl für den Belgier als auch den Dänen weder Punktabzug noch sonst irgendeine Strafe an. Ob der erste Fall dabei Einfluss auf den zweiten hatte, ist unklar.

Kurios wurde es dennoch. Denn im abendlichen Communiqué der Jury fand sich dann doch eine Verwarnung für Pedersen wieder – nach Punkt 5.1 des Strafenkataloges, der das “Verlassen der gewählten Fahrlinie, wodurch ein anderer Fahrer behindert oder gefährdet“, ahndet. Die Standardstrafe im UCI-Katalog bei einem Etappenrennen sieht dafür 500 Schweizer Franken Strafzahlung vor, dazu 25 Prozent Punktabzug, gemessen an der Punkteausbeute des Siegers an der jeweiligen Wertung, und die Relegation an den letzten Platz der Gruppe. Pedersen kam ohne all das davon, seine eingefahrenen Punkte am Zwischensprint durfte er zusätzlich behalten. Für den Kampf um das Grüne Trikot ist all das nicht unerheblich.

Noch kontrastreicher wird das Bild, nimmt man die Bewertung der UCI aus dem Massensturz im Finale dazu. Vlad Van Mechelen, der 22 Jahre alte Sprinter von Bahrain Victorious, der seine erste Grand Tour fährt und auch erstmals anstelle von Phil Bauhaus den Sprint fahren sollte, wurde ebenfalls nach 5.1 bestraft. Der Belgier wurde mit der Standardstrafe belegt, sah dazu die Gelbe Karte.

Van Mechelen: "Habe meiner Meinung nach nichts Falsches gemacht"

Ähnlich wie Pedersen fuhr er leicht diagonal zum Straßenverlauf, aber auch auf einer Geraden, von der linken Straßenseite zur Mitte, überbrückte dabei aber deutlich weniger seitliche Distanz als der Mann im Grünen Trikot. Während Philipsen am Hinterrad von Pedersen beim Zwischensprint noch bremste, konnte oder wollte Fernando Gaviria (Caja Rural – Seguros RGA) das im Finale nicht. Er touchierte das Hinterrad Van Mechelens, kam zu Fall und riss zahlreiche Fahrer mit sich.

“Sehr schade, was da passiert“, sagte Van Mechelen im Anschluss bei Sporza. “Aber meiner Meinung nach habe ich nicht viel dazu beigetragen oder zumindest nichts Falsches gemacht. Ich habe kein Manöver gemacht. Ich bin einfach nur auf die Ziellinie gesprintet. In einem solchen Moment können solche Dinge passieren.“

Es scheint, als würde die UCI bei ihrer Bewertung der Situationen die Folgen der Regelverstöße mit einzupreisen. Im Pedersen-Fall passierte nichts – jedenfalls kamen keine Sportler zu schaden; den Ausgang im Kampf um Grün hat die Bewertung durchaus beeinflusst – während durch den Auffahrunfall, in den Van Mechelen verwickelt war, mehrere Fahrer die Tour aufgeben müssen. Das ist einerseits durchaus nachvollziehbar, andererseits aber nicht im Sinne eines fairen Sports. Zumindest dann nicht, wenn ein und dieselbe Regel Anwendung findet.

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