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20.07.2026 | (rsn) - Der deutsche Rennstall Lidl - Trek gehört zu den ambitioniertesten in diesem Tour de France-Peloton. Als eines der wenigen setzt das Team auf zwei nicht leicht zu vereinbarende Ziele: Sprinterfolge mit Mads Pedersen und GC-Ergebnisse mit Juan Ayuso und Mattias Skjelmose. Das Eine klappte bisher ganz gut, wenn auch auf eher ungewöhnliche Weise.
Pedersen führt souverän die Punktewertung an. Sein bisher einziger Etappensieg rührt allerdings nicht von einem Massensprint her. Vielmehr kam er aus einer mit seinen Teamkollegen stark besetzten Fluchtgruppe heraus zum Erfolg. Ansonsten sammelt er fleißig in den Zwischensprints. "Hier kommt uns entgegen, dass die Zwischensprints meist Recht früh in den Etappen kommen. Wenn die dann vorbei sind, können wir uns aufs GC konzentrieren", analysierte Toms Skuijns, gewöhnlich Pedersens Bodyguard. ___STEADY_PAYWALL___
Der Lette gab auch zu, dass die Lidl Tourabordnung "in Sachen richtiges Leadout eher dünn besetzt" sei. Das führt dann zum Fokus auf Zwischensprints, und das wiederum zu frühen Fluchtgruppen, die das Team dann auch stark besetzt. Für Pedersen kamen auf diese Art bereits laut der Plattform procyclingstats 414 km vor dem Feld zustande - für Männer in Grün ein sehr beachtlicher Wert.
Mehr Ausreißerfahrung im eigenen Team hat mit 438 km nur noch US-Boy Quinn Simmons. "Captain America", wie ihn französische Medien wegen seines auffälligen Stars & Stripes Trikot des Landesmeisters nennen, ist ohnehin die Allzweckwaffe im Team. Er sicherte als Etappenzweiter Pedersens Sieg ab. Und auch im Gebirge sieht man ihn in vorderster Front. Er besetzte die Fluchtgruppe hoch zum Plateau de Solaison, wirkte dort extrem stark, und hatte, nachdem ihn Pogacar und Co. geschluckt hatten, noch genug Power, um den schwächelnden GC-Kapitän Ayuso ins Ziel zu schleppen.
Quinn Simmons begeistert für Lidl - Trek mit seinen zahlreichen Attacken | Foto: Cor Vos
"Eigentlich ist es ja nicht mein Job, mich auch um die GC-Fahrer zu kümmern", sagte Simmons RSN. Aber für "Captain America" scheint momentan keine Aufgabe zu schwer, um sie nicht doch zu übernehmen. Ihn mochte in den letzten Tagen vielleicht auch die Anwesenheit seiner Eltern beflügelt haben. Vater Simmons wartet dabei mit einer Bartracht auf, die den schon üppigen Haarwuchs des Filius weit in den Schatten stellt.
Simmons Performance und auch die des starken Tschechen Mattias Vacek trägt dazu bei, dass Lidl Trek auch die Teamwertung anführt, noch vor Pogacars Paradegruppe UAE. Das dürfte auch in der dritten Woche zu einem Teilziel werden.
Denn fraglich ist, ob das auf den Plätzen 6 und 7 wie festgenagelt wirkende GC-Duo die Klasse hat, um bis aufs Podium vozustoßen. Ayuso fehlen bereits anderthalb Minuten auf den drittplatzierten Mexikaner Del Toro, Skjelmose gar 3:40 Minuten. Und am Plateau de Solaison verlor er mehr als eine Minute auf Seixas und Lipowitz, noch mehr natürlich auf das Trio Evenepoel, Pogacar und Del Toro.
Mads Pedersen arbeitet fleißig für sein Grünes Trikot | Foto: Cor Vos
"Ich bin schon ein bisschen enttäuscht", gestand er am Sonntagabend gegenüber dem spanischen Fernsehen ein. "Ich wollte den Besten folgen, habe dafür dann aber auf den letzten anderthalb Kilometern bezahlt. Es war wirklich nicht mein bester Tag", bilanzierte er. Die Flinte ins Korn werfen kommt natürlich nicht infrage. Das würde ihm vermutlich auch Superkämpfer Simmons dem Chef nicht durchgehen lassen. Und so übt sich der Spanier in der Disziplin Hoffnung: "Es liegt ja noch eine Woche vor uns. Ich will mich da auf mich selbst konzentrieren." Riesig ist die Hoffnung aber auch nicht. Die tapfere Ansprache beendete er mit der sehr realistischen Einschätzung "Bleibt mir ja auch nichts anderes übrig.".
Immerhin, wenn er brav vorne bleibt und Skjelmose desgleichen, sind ihre Top 10 Platzierungen recht sicher. Damit und mit weiteren Bravourritten von Captain America könnten sie am Ende auf den Champs Elysees doch noch aufs Podium klettern und als bestes Team geehrt werden.