Medienrunde mit der deutschen Tourhoffnung

Lipowitz: “Meine Leistung bisher ist besser als letztes Jahr“

Von Joachim Logisch aus Evian-les-Bains

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Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) | Foto: Cor Vos

20.07.2026  |  (rsn) - Ruhetag bedeutet für die Profis der Tour de France nicht, dass sie sich wirklich ausruhen können. Manchmal müssen sie sogar mit ihren Bussen oder im Flugzeug große Distanzen zurücklegen, um zum Start der folgenden Etappe zu kommen.

Diesmal, am zweiten Ruhetag, ist das nicht so. Der Tross der Frankreich-Rundfahrt hat Quartier am Genfer See bezogen. Doch auch hier ist höchstens Zeit für einen Kaffee am Ufer. Ansonsten haben die Fahrer zu ihren Pflegeterminen die Zeitfahrstrecke erkundet. Einige mussten Medientermine über sich ergehen lassen. So auch die Deutsche Tourhoffnung Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe), der in einer Videokonferenz auf Deutsch und Englisch Rede und Antwort stand.

Lipowitz …

… zum Sturz und Ausscheiden des Zweitplatzieren Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike): "Erstmal ist es super schade, dass er raus ist. Die Tour wird sicher ohne ihn im Feld anders sein. Hoffentlich erholt er sich schnell. Am Ende wird es nicht allzu viel daran ändern, wie wir als Team fahren."

… zum Etappensieg seines Teamkollegen Remco Evenepoel auf dem Plateau des Solaison : "Er hat eine wirklich beeindruckende Leistung gezeigt und wir waren superhappy, eine Etappe zu gewinnen. Ich weiß, und auch das ganze Team wusste, dass er in wirklich guter Form ist. Es waren keine Zweifel da und nichts. Ich denke, das war die beste Art, in den zweiten Ruhetag zu kommen."

… ob er sich in den ersten zwei Wochen zurückgehalten hat, als er stärker als Evenepoel wirkte: "Ich glaube, dass gestern der erste richtige Test auch bei langen Bergen war. Da hat man deutlich gesehen, dass meine Beine nicht ganz gereicht haben, um vorne mitzufahren. Bei den Etappen vorher hätte es auch nicht viel geändert – teilweise mit den Abfahrten wäre eh alles wieder zusammengelaufen. Aber gestern hat man gesehen, wer auf welchem Level steht. Das ist eine gute Ausgangslage, wie man die letzte Woche planen sollte."

… zur künftigen Rollenverteilung: "Wir werden heute Abend darüber sprechen, wie wir die letzte Woche angehen. Aber das Hauptziel bleibt, einen von uns auf dem Podium zu haben und besonders mit morgen (beim Zeitfahren) hat Remco die besten Chancen dafür."

Er will Evenepoel unterstützen

… ob er sich Evenepoel unterordnen wird: "Wir haben noch nicht speziell über die Rollen und Aufgaben geredet. Das machen wir heute Abend noch. Aber wenn man das Ergebnis und die Performance von gestern und den Tag morgen anschaut, hat Remco die Priorität. Ich werde so lange wie möglich mit Remco mitfahren, um ihm zu helfen."

… zur Idee beide aufs Podium in Paris zu bekommen: "Erstmal ist das Ziel, einen aufs Podium zu bekommen. Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und Seixas (Decathlon – CMA CGM) waren auch wieder superstark und ich denke, ich habe (gestern) am meisten gelitten. Von daher: Das Ziel ist sicher, mit Remco Zweiter zu werden. Es wird eine superharte letzte Woche, aber wir haben ein starkes Team hier und auch ich werde ihm natürlich helfen."

… dass Evenepoel auch ihn zu den Konkurrenten im Kampf ums Podium zählt: "Wir sind Teamkollegen, wir unterstützen uns gegenseitig und kämpfen zusammen. Fürs Podium werden sicher Seixas, Del Toro - und auch Ayuso ist nicht zu weit weg – die Hauptgegner sein."

Kann sich Pogacar auch verzocken?

… ob der Gesamtführende Tadej Pogacar den Kampf um die weiteren Podestplätze beeinflussen kann, wenn er seinem Teamkollegen Del Toro hilft: "Wenn man sieht, wie Pogacar gestern gefahren ist, haben sie sicher im Sinn, zwei Mann in Paris auf dem Podium zu haben. Von daher kann Pogacar den Kampf ums Podium recht ordentlich beeinflussen."

… ob sich Pogacar dabei auch verzocken kann: "Der Abstand zu Pogacar ist schon immens. Wenn er sturzfrei und gesund durchkommt, gibt es keinen Weg mehr an ihm vorbei."

… wie stark er sich im Vergleich zum letzten Jahr fühlt, als er Dritter der Gesamtwertung der Tour wurde: "Meine Leistung bisher ist etwas besser als letztes Jahr. Das Level des ganzen Feldes hat sich gesteigert, aber ich bin happy mit der Leistung bisher. Die Vergleiche sind allerdings auch schwer, besonders mit dem superharten Start in Barcelona und all den heißen Tagen. Aber ich habe gestern einen meiner besten 30-Minuten-Efforts gezeigt, bin also recht happy."

… seine eigenen Chancen im Einzelzeitfahren: "An sich bin ich ganz gut im Zeitfahren. Aber gegen die Spezialisten hat man wenig Chancen. Ich gebe mein Bestes und versuche, so wenig wie möglich Zeit zu verlieren. Hoffentlich hilft mir der Ruhetag, mich zu erholen und dann bleibt mir nichts anderes übrig, als mein Bestes zu geben."

… und wenn es nur zu Platz 5 in der Gesamtwertung zum Abschluss reicht: "Auch wenn's vielleicht nicht fürs Podium reicht, kann man mit einem fünften Platz definitiv zufrieden sein. Die Tour ist immer ein besonderes Rennen. Man bereitet sich besonders darauf vor, hofft dass die Form passt und am Ende gehört auch etwas Glück dazu, auf dem Podium stehen zu können. Ich bin happy, wie es lief und auch wenn es nicht fürs Podium reicht, kann ich happy mit der Performance sein."

Sein Blick Richtung Alpe d‘Huez

… zu den beiden Etappen mit Ziel in Alpe d’Huez: "Freitag und Samstag sollten mir normalerweise ziemlich gut liegen. Ich freue mich auf diese beiden Tage. Aber vorher müssen wir durchs Zeitfahren kommen und schauen, wo wir danach stehen. Dann kommt ein etwas leichterer Tag am Mittwoch und dann viele Berge."

… ob zweimal Alpe d'Huez eine gute Idee ist: "Ich find's ganz gut. Als Bergfahrer beschwert man sich da nicht allzu arg. Und auch wenn man die Etappe am Samstag anschaut: Wenn man in einer Region bleibt und einen Berg öfter hochfährt, wird es auch für die Fans spektakulärer und lohnt sich mehr."

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