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22.07.2026 | (rsn) – So richtig knapp war es nicht und so wirklich der Plan ist es auch nicht gewesen – doch Mauro Schmid hat seinem australischen Team Jayco – AlUla nach dem Sieg auf Etappe 13 in Belfort nun auf Etappe 17 in Voiron gleich das nächste Spitzenresultat beschert: Platz zwei hinter dem erleichterten Sieger Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech). Damit schaffte er zwar nicht die völlige Krönung einer erneut guten Teamleistung der Mannen in Lila, durfte aber trotzdem sehr zufrieden sein.
"Bei mir ist jetzt wirklich ein bisschen der Knopf aufgegangen", sagte der Schweizer radsport-news.com nach der Etappe. "Die Vorbereitung war absolut super, es hat einfach bei der Tour de Suisse und hier in der ersten Woche nicht richtig für die Resultate gereicht. Ich gehe davon aus, dass ich ein bisschen mehr Mühe mit der Hitze hatte als sonst. Jetzt wo die Temperaturen ein bisschen runtergekommen sind, kann ich ziemlich frei fahren."
Diesen Eindruck musste man am Rande der Chartreuse unweigerlich bekommen. Denn die Art und Weise, wie Schmid zu Rang zwei fuhr, war erneut beeindruckend. Er saß bereits in der letzten Kurve rund 300 Meter vor dem Ziel am Hinterrad des die rund knapp 30-köpfige Spitzengruppe ums Eck führende Joshua Tarling (Netcompany – Ineos) – perfekt für seinen Job, den Sprint von Teamkollege Michael Matthews anzuziehen. ___STEADY_PAYWALL___
Der Australier aber war nicht da, hatte das Hinterrad des Schweizers gut einen Kilometer vor dem Ziel aufgegeben, um sich allein durchzuboxen. Das aber gelang ihm nicht, während Schmid es perfekt machte und Tarling folgte. Der Sprint dann wurde lang und gegen den von Mathieu van der Poel lancierten Philipsen hatte Schmid keine Chance – doch alle anderen hielt er in Schach, obwohl er lange im Wind stand.
"Es wäre schön, wenn noch zwei, drei solche Etappen kämen", bedauerte Schmid ein wenig, dass keine dieser mittelschweren Teilstücks mehr wartet an den letzten vier Tour-Tagen – oder doch? Schließlich wird die Schlussetappe über den Montmartre in Paris wohl auch keine reine Sprinter-Show. "Das ist auch keine schlechte Etappe für mich", meinte er, erklärte aber auch, dass seine Erinnerungen ans Vorjahr dank Sturz am Vortag und Regen in der Hauptstadt nicht allzu gut seien. "Mit Bling (Matthews, Anm. d. Red.) und Ackermann haben wir sicher auch noch zwei gute Karten für Paris."
Während Schmid strahlen konnte, war Matthews in Voiron tief enttäuscht. Der Australier hing im Zielauslauf lange über seinen Lenker gebeugt, hielt die Hand vors Gesicht und wollte sich offenbar am liebsten vergraben ob seines Fehlers, Schmids Hinterrad kurz vor der Flamme Rouge aufgegeben zu haben und letztlich nicht unter den ersten Zehn auf die 300 Meter lange Zielgerade gekommen zu sein. Am Ende wurde er Neunter.
Dass Pascal Ackermann in Voiron keine Rolle im Sprint der Spitzengruppe spielte, das war angesichts des harten Rennverlaufs keine ganz große Überraschung. "Das war definitiv nicht in meiner Hand, ob ich da sprinte", gab er am ARD-Mikrofon zu, dass sich das Thema schon auf den schweren ersten 50 Kilometern im Bauges-Massiv erledigt hatte. "Es war am Anfang brutal hart und wir waren in der Gruppe mit über 100 Mann. Als wir wieder zurückgekommen sind, waren die vorne schon weit, weit weg."
Im Sprint von Voiron auf Platz 2 und 9: Die Männer in Lila, Mauro Schmid und Michael Matthews. | Foto: Cor Vos
Luke Durbridge und der zuletzt kränkelnde Luke Plapp erreichten das Ziel mit Ackermann im Hauptfeld 8:46 Minuten nach Sieger Philipsen und Schmid. Doch insgesamt zeigte das Jayco-Team zwischen Chambéry und Voiron wieder eine starke Vorstellung. Wie schon beim Schmid-Sieg in Belfort gleich vier Mann in der großen Selektion dabei, die sich letztlich nach großem Kampf absetzen konnte: Schmid, Matthews, Ben O'Connor und auch der Deutsche Meister Felix Engelhardt.
Letzterer fand sich auch zwischenzeitlich immer wieder in starken Gruppen wieder und ging ins Etappenfinale sogar in einer sehr illustren Kleingruppe, die sich nach einer Beschleunigung von Mads Pedersen (Lidl – Trek) eingangs der letzten Rennstunde gebildet hatte – mit dem Weltmeister von 2019, dem Weltmeister von 2014, Michal Kwiatkowski (Netcompany – Ineos), Edward Planckaert (Alpecin – Premier Tech), Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step) und Ben Healy (EF Education – EasyPost).
"Da war ich eher die kleinste Kerze auf dem Kuchen", kommentierte Engelhardt und schilderte: "Pedersen ist 20 Kilometer vor dem Zwischensprint losgefahren, ich bin in eine kleine Gruppe hinzugesprungen und hinten draufgesessen. Es war eine relativ elitäre Gruppe und deshalb haben wir auch nicht die nötige Zeit bekommen. Keine Ahnung, wer kontrolliert hat, aber irgendjemand muss es gemacht haben."
Felix Engelhardt Seite an Seite mit Mathieu van der Poel an der Spitze des Rennens. | Foto: Cor Vos
Mehr als eine Minute Vorsprung hatte das Sextett, aus dem sich nach dem Zwischensprint 26 Kilometer vor Schluss Stuyven als Solist absetzte, nie. 15 Kilometer vor Schluss wurden Engelhardt und Co. eingeholt, elf Kilometer später auch Stuyven. Engelhardt war das gar nicht mal so unrecht: "Ich habe ehrlicherweise kein Radio gehabt und habe gehofft, dass irgendwann schon jemand (von hinten) kommen wird", sagte er über seine Situation in der prominent besetzten Spitzengruppe.
Insgesamt erzählte der Deutsche Meister von einem chaotischen und harten Tag. "Es war das erwartete Wahnsinnsgemetzel", sagte er und führte aus: "Im Endeffekt ist genau das passiert, was jeder erwartet hat. Es gibt einen Haufen Teams, die bis jetzt noch gar nichts gerissen haben bei der Tour und die müssen über die Gruppe gehen. Deshalb war es von Anfang an ein Kampf um die Gruppe", so Engelahrdt zum schweren Etappenbeginn im Bauges-Massiv. "Es war etwas ein Chaos, weil immer welche dazukamen und welche wegfielen – und die Radios haben auch nicht wirklich funktioniert."
Letztendlich sei man zufrieden – auch weil man taktisch alles richtig gemacht habe und in jeder Spitzengruppe vertreten war, meist mit mehreren Fahrern. Daran will Jayco auch auf den verbleibenden vier Etappen anknüpfen, in den Bergen vor allem mit O'Connor und Plapp – und auch Schmid traut Engelhardt weiterhin viel zu: "Mauro fliegt momentan. Da weiß man nie, was noch möglich ist!"
Auch wenn mit Blick auf Paris vor allem von Tadej Pogacar, Remco Evenepoel, van der Poel, Pedersen und Philipsen gesprochen wird: Den Schweizer und seine Teamkollegen in Lila muss man zwangsläufig ebenfalls auf der Rechnung haben!