Zwei Mal dachte er “es wäre durch“

Denz zeigt sich bei verzögertem Heimspiel offensiv

Von Felix Mattis aus Voiron

Foto zu dem Text "Denz zeigt sich bei verzögertem Heimspiel offensiv"
Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe) mit seinen Kindern vor der 14. Etappe am vergangenen Samstag in den Vogesen. | Foto: Cor Vos

22.07.2026  |  (rsn) – Drei Jahre hat er in seiner Zeit bei Ag2r (heute Decathlon – CMA CGM) und dessen Nachwuchsteam in Chambéry gelebt. Und tatsächlich führte die Neutralisation am Anfang der 17. Etappe der Tour de France 2026 sogar an dem Haus vorbei, in dem Nico Denz damals wohnte. Für den 32-Jährigen wurde das Teilstück zwischen Bauges-Massiv und Chartreuse zu einer Art in Heimspiel mit Verzögerung.

"Ich will jetzt nicht sagen Heimvorteil, aber es war schon eine besondere Motivation bei mir heute. Ich hatte die Etappe eigentlich schon vorm Start im Blick und habe dann auch die Möglichkeit bekommen, es zu versuchen", sagte er der ARD.

Und versuchen, das tat er. Denz ehrte sein ehemaliges Zuhause an diesem Mittwoch mit seiner Leistung, auch wenn am Ende nicht mehr als der 23. Platz heraussprang: Nach großem Kampf zu Etappenbeginn saß Denz in der großen Spitzengruppe des Tages und kam schließlich auch mit den Besten im Ziel in Voiron an – obwohl er das im Rennverlauf bereits zwei Mal aufgegeben hatte.

"Ich war gleich am Anfang vorne, hatte dann aber technische Probleme oben", erzählte er von den ersten 50 schweren Kilometern. "Nachdem ich mich da über den Berg gekämpft habe, bin ich in der Abfahrt ein bisschen zurückgefallen, habe dann das Rad gewechselt und dachte eigentlich schon, es wäre durch."

Doch vorbei war es, wenn man vorne dabei sein wollte, auf dieser denkwürdigen und chaotischen Etappe nie wirklich. Mit einige abgehängten Sprintern kam er nochmal nach vorne zurück. Er saß in der Gruppe und fuhr mit, ohne selbst groß im Zugzwang zu sein. Die Aufgabe war wohl vor allem: Folgen, wenn wichtige Gruppen gehen. Doch als rund 20 Kilometer vor dem Zwischensprint Mads Pedersen (Lidl – Trek) aufs Tempo drückte, war er nicht dabei.

"Mir blieb nichts anderes übrig, als zu warten"

"Ich war ein bisschen eingebaut mit dem Feeding-Motorrad und habe ein bisschen zu lange gezögert. Als der Move mit Stuyven und Pedersen ging, dachte ich wieder, es wäre durch", so Denz. "Mir blieb eigentlich nichts anderes übrig, als zu warten, bis alles wieder beisammen ist."

Und tatsächlich: 14 Kilometer vor Schluss holte die große Verfolgergruppe ein Quintett um Pedersen und Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) zurück und jagte den zu diesem Zeitpunkt allein führenden Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step). Kurz vor Voiron, an der letzten 2,5 Kilometer langen Rampe, wurde auch der Belgier gestellt.

"Ich war am letzten Kicker gut positioniert, habe dann ein bisschen sacken lassen und wollte über die Kuppe oder nach der Kuppe, wenn der Speed ein bisschen rausgeht, von hinten mit Momentum vorbeifahren. So war die Theorie. In der Praxis habe ich das auch versucht umzusetzen, wurde aber ein bisschen geblockt", erzählte er.

Gute Beine geben "Rückenwind für die nächsten Tage"

Letztlich ging es mit noch rund 30 Mann auf den Schlusskilometer und dem Sprint entgegen, wo der Deutsche gegen Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) und Co. aber auf verlorenem Posten war. Als 23., direkt neben Teamkollege Jai Hindley (22.) rollte er über den Zielstrich.

"Im Sprint, was soll man machen? Aber ich hatte heute auf jeden Fall die Beine dafür und es gibt Rückenwind für die nächsten Tage", bilanzierte der Deutsche am ARD-Mikrofon.

Gerade am Tag nach dem Sturz-Aus von Kapitän Florian Lipowitz dürfte aber vor allem das positive Gefühl für die Moral wichtig gewesen sein.

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