In 35:27 Minuten die 21 Spitzkehren hinauf

Pogacar knackt Pantanis 31 Jahre alten L´Alpe-d´Huez-Rekord

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Pogacar knackt Pantanis 31 Jahre alten L´Alpe-d´Huez-Rekord"
Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) auf dem Weg zum Etappensieg und dem neuen L´Alpe-d´Huez-Rekord | Foto: Cor Vos

24.07.2026  |  (rsn) – Wer in der Live-Übertragung Tadej Pogacars Fahrt durch die legendären 21 Spitzkehren hinauf nach L’Alpe d’Huez verfolgt hat, wird sich kaum über die Nachricht wundern, dass der Kapitän des UAE-Teams Marco Pantanis 31 Jahre alten Rekord für die 13,8 Kilometer lange Schlusssteigung dabei geradezu pulverisiert hat.

Pogacar wurde als Etappensieger in der Zeit von 35:27 Minuten gestoppt und unterbot damit die bisherige, im Jahr 1995 aufgestellte Bestmarke um gleich 1:13 Minuten. Pantani hatte in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der L’Alpe d’Huez die drei schnellsten jemals gefahrenen Zeiten erzielt. Mit seiner drittbesten Zeit war der Italiener immer noch um 21 Sekunden schneller als Lance Armstrong, der die Tour de France sieben Mal gewonnen hatte, ehe er wegen Dopings aufflog und alle Siege aberkannt bekommen hatte.

Aber auch Pantani wurde des (EPO)-Dopings überführt, was letztlich das Ende seiner Karriere bedeutete. Am 14 Februar 2002 verstarb der ehemalige Giro- und Toursieger in einem Hotelzimmer in Rimini an einer Überdosis Kokain.

Als Pantani seine L’Alpe-d’Huez-Bestmarken aufstellte, war Pogacar noch nicht geboren. Jahrzehntelang schien der Rekord – eben weil in den EPO-Hochzeiten erzielt – unangreifbar. Auch als er bei der Tour 2022 erstmals die L’Alpe d’Huez in einem Rennen fuhr, blieb der Slowene deutlich hinter den Pantani-Zeiten. Als Fünfter der damaligen 12. Tour-Etappe benötigte Pogacar für den Anstieg 39:08 Minuten.

Auf der 19. Etappe der 113. Tour de France war es nun aber soweit. Nach starker Vorbereitung seines durch mehrere Krankheitsfälle geschwächten UAE-Teams trat der Weltmeister bereits im unteren Teil des Berges unwiderstehlich aus der Favoritengruppe heraus an und krönte seine erfolgreiche Aufholjagd auf die beiden letzten Ausreißer Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) mit seinem fünften Etappensieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt.

"Habe keine Ahnung, was Pantanis Zeit war"

Auf der Sieger-Pressekonferenz erklärte Pogacar, der nun die Gesamtwertung mit 7:11 Minuten auf den zweitplatzierten Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) anführt und unaufhaltsam seinem fünften Tour-de-France-Sieg entgegenfährt, dass der Rekord für ihn keine Rolle gespielt habe.

"Ich habe keine Ahnung, was Pantanis Zeit war, wenn ich ehrlich bin“, sagte der 27-Jährige. “Ich bin in den letzten Wochen sehr viel weg vom Internet geblieben und habe nicht viel daran gedacht. Ich habe gehört, dass ich den Rekord gebrochen habe, und das macht mich glücklich. Ich wollte einfach ein gutes Rennen zeigen und heute gewinnen", so Pogacar. Beides ist ihm in wieder einmal äußerst beeindruckender Weise gelungen.

Seine frühe Attacke knapp zwölf Kilometer vor dem Ziel dürfte sowohl für die Rekordfahrt als auch für das Einholen von Martinez, Carapaz und Co. entscheidend gewesen sein. So fuhr er wirklich so schnell den Berg hoch, wie er konnte.

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