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24.07.2026 | (rsn) – Als ob er es geahnt hätte, sagte Remco Evenepoel am Donnerstag nach der 18. Etappe mit dem Blick voraus in Richtung Alpe d'Huez zu Sporza: "Manchmal kann die Zuschauermenge eine Etappe beeinflussen. Zum Beispiel, wenn man auf einen Angriff reagieren will, aber nicht nach vorne kommt, weil man blockiert wird."
Keine 24 Stunden später beschleunigte der Belgier knapp fünf Kilometer vor dem Ziel der wohl berühmtesten Bergankunft der Tour de France und hängte seine Kontrahenten im Kampf ums Podium, Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM), ab.
Doch dann lief er auf mehrere vor ihm fahrende Motorräder auf, die im engen Menschenspalier ihrerseits hinter dem aus der Ausreißergruppe des Tages durchgereichten Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) festhingen. Evenepoel musste bremsen. ___STEADY_PAYWALL___
"Fünf Kilometer vor Ende, als wir in die Höhe kamen, wollte ich versuchen, zehn Minuten Vollgas bis zum Gipfel zu fahren. Leider musste ich diese Attacke zweimal machen, weil ich Arensman eingeholt habe und hinter ihm drei Motorräder fuhren", schilderte der Olympiasieger die Szene nach der Etappe gegenüber radsport-news.com.
Remco Evenepoel nach seiner Attacke und kurz bevor er vom Motorrad aufgehalten wurde. | Foto: Cor Vos
"Der Geschwindigkeitsunterschied war ziemlich groß, weil ich sehr stark beschleunigt habe. Sie sind dann zu mir zurückgekommen. und ich musste es ein zweites Mal versuchen, was für die Beine sehr schmerzhaft war. Ohne Motorräder hätte ich vielleicht mehr Zeit herausfahren können", überlegte er, bilanzierte aber schließlich: "Am Ende muss ich zufrieden sein, da ich Zeit herausholen konnte und mein zweiter Platz etwas sicherer ist als zuvor."
Als er nach dem Duschen zum Interview aus dem Teamhotel kam, trug Evenepoel übrigens eine Maske – allerdings nicht, weil im Team jemand krank ist, sondern um sich vor Ansteckung durch die Journalisten zu schützen. "Ihr habt vorher mit kranken Fahrern gesprochen", erklärte er.
Evenepoel erreichte das Etappenziel in Alpe d'Huez nach 127,9 Kilometern mit 2:29 Minuten Rückstand auf Tour-Dominator Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) als Etappensechster.
Zwischen dem Slowenen und ihm lagen mit Lenny Martinez (Bahrain Victorious), Richard Carapaz (EF Education – EasyPost), Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) und Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) ausschließlich Fahrer, die für Evenepoels Podestplatz in Paris keine Gefahr mehr darstellten und aus der Ausreißergruppe des Tages kamen. Auf seine direkten Gegner Del Toro und Seixas machte er zwölf beziehungsweise 16 Sekunden gut.
Dass er Pogacar nicht würde folgen können, war Evenepoel schnell klar, als der Weltmeister fast zwölf Kilometer vor dem Ziel sehr früh in der Schlusssteigung das Tempo erhöhte und allen davonzog – in neuer Alpe d'Huez-Rekordzeit, wie später klar wurde.
"Tadej ist vom Fuße weg sehr schnell gefahren. Für mich war es unmöglich, dem Tempo zu folgen", gab der Belgier zu und konzentrierte sich auf seine wahren Gegner. Seixas' Team machte das Tempo und Evenepoel war zufrieden. "Von da an bin ich der Geschwindigkeit von Decathlon gefolgt und das war relativ einfach am Hinterrad", meinte er und war am Ende froh: "Es ist ein schönes Gefühl, etwas mehr Sicherheit für den zweiten Platz zu haben."
Vor der schweren letzten Alpenetappe dieser 113. Frankreich-Rundfahrt von Bourg d'Oisans in einer großen Schleife über den Col de la Croix de Fer, den Col du Telegraphe, den Col du Galibier und den erstmals von dieser Seite zu erklimmenden Col de Sarenne sowie über eine kurze Abfahrt noch einmal an die letzten 3,5 Kilometer der Alpe d'Huez-Steigung hat Evenepoel nun 7:11 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot von Pogacar und 2:31 Minuten Vorsprung auf dessen Teamkollege Del Toro sowie 2:55 Minuten auf Seixas. Der neue Gesamtfünfte Martinez liegt bereits 5:49 Minuten hinter Evenepoel.
Remco Evenepoel folgt dem Decathlon-Team den Berg hinauf. | Foto: Cor Vos
"Es wird morgen eine harte Etappe, aber total anders als heute, weil alle Anstiege mehr als eine Stunde dauern - außer der letzte. Es ist völlig anders im Hinblick auf Energie und Explosivität", blickte er voraus und gab sich optimistisch: "Es sollte mir liegen, weil sich meine Beine ganz gut anfühlen."
Alle Skepsis ob seiner Kletterfähigkeiten, die im Frühjahr nach Evenepoels Auftritten bei der UAE Tour und der Katalonien-Rundfahrt bei vielen Experten aufgekommen war und in der sich wohl alle in der ersten Hälfte der Tour de France auch bestätigt sahen, blies Evenepoel mit seinen Leistungen beim Sieg am Plateau de Solaison auf Etappe 15 sowie nun hinauf nach Alpe d'Huez weg.
"Wir hatten schon spekuliert, dass er speziell in der letzten Woche im Hochgebirge diese Form zeigen würde", erklärte Teamchef Ralph Denk RSN in Alpe d'Huez und sagte mit Blick auf den Samstag und Evenepoels theoretische Leistungsfähigkeit, wenn es über den 2.642 Meter hohen Col du Galibier geht:
"Man kann viel hochrechnen, aber man kann nicht vorhersagen, wie es nach 19 oder 20 Etappen aussehen wird. Deswegen gibt uns das heute Selbstvertrauen, aber wir bleiben fokussiert. Wir werden nicht zu offensiv fahren und erst einmal abwarten und beobachten."
Da Pogacar nach seinem Sieg am Freitag ankündigte, am Samstag für Teamkollege Del Toro fahren zu wollen, um dessen Podestplatz abzusichern, könnte sich tatsächlich sogar die Chance für Evenepoel bieten, im Finale nochmal auf Etappensieg zu fahren – ein drittes Mal bei dieser Tour. Drei Etappensiege und das Grüne Trikot hatte man bei Bora – hansgrohe sowohl 2016 als auch 2018 mit Peter Sagan in Paris zu feiern. Drei Etappensiege und Gesamtplatz zwei würde das zweifelsfrei toppen.
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