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23.07.2026 | (rsn) – Nach dem Aus von Florian Lipowitz und den zwei Etappensiegen von Remco Evenepoel geht es für Red Bull – Bora – hansgrohe bei dieser 113. Tour de France nur noch um eins: den zweiten Gesamtrang des Belgiers zu halten. Das betonte man beim deutschen WorldTeam in den vergangenen Tagen immer wieder.
Und auch wenn mit den gesundheitlichen Problemen im Team von Dominator Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) eine kleine Chance aufzuflammen scheint, den Mann im Gelben Trikot unter Druck zu setzen, so gab sich Evenepoel nach der 18. Etappe in Orcières-Merlette defensiv:
"Ich werde keine unnötigen Risiken eingehen, die meinen zweiten Platz gefährden könnten", erklärte der Tour-Dritte von 2024 und schob die Verantwortung für Offensivaktionen ganz geschickt der Konkurrenz zu: dem Team Decathlon – CMA CGM um den Gesamtvierten Paul Seixas.
"Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sie jetzt alles daransetzen werden, Del Toros dritten Platz anzugreifen. Sie wollen herausfinden, ob er ebenfalls mit einer Krankheit zu kämpfen hat", meinte Evenepoel am Sporza-Mikrofon mit Blick auf die beiden verbleibenden Bergetappen, die beide in L'Alpe d'Huez enden.
Nach 18 von 21 Renntagen bei dieser Frankreich-Rundfahrt liegt Evenepoel als Gesamtzweiter 4:32 Minuten hinter Pogacar und 2:19 Minuten vor dessen Teamkollege Isaac Del Toro. Seixas trennen wiederum nur 20 Sekunden vom dritten Podestplatz und der Franzose wiederum hat zum Gesamtfünften Juan Ayuso (Lidl – Trek) ein Polster von 2:11 Minuten.
Evenepoel erwartet außerdem, dass der Kampf um die Plätze in der Ausreißergruppe am Freitag durch die Schwächung des UAE-Teams noch härter werden könnte. Denn auch wenn wohl jeder davon ausgeht, dass Pogacar den prestigeträchtigen Huez-Sieg unbedingt für sich beanspruchen will, so könnte es für UAE schwer werden, das Geschehen zu kontrollieren. "Das wird das Rennen verändern", so Evenepoel.
In Richtung Orcières-Merlette hatten die Ausreißer bereits Erfolg. Allerdings erzählte Nils Politt radsport-news.com, dass man bei UAE das für diesen Tag ohnehin eingeplant hatte und die Spitzengruppe gewähren lassen wollte. Abgesehen davon übernahmen die Tempoarbeit im Feld dann auch andere Teams:
Zunächst waren es Pinarello – Q36.5 und TotalEnergies, um die Top-10-Plätze von Tom Pidcock und Jordan Jegat gegen den späteren Etappensieger Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) zu verteidigen, und dann im Schlussanstieg eben auch Evenepoels Team selbst. Das sah dann doch danach aus, als ob Red Bull den UAE-Mannen auf den Zahn fühlen wollte. Eine Attacke von Evenepoel aber blieb aus und Maxim Van Gils erklärte Sporza:
"Der Sieg war ohnehin außer Reichweite, und wir wollten uns nicht für einen zehnten Platz und ein paar Sekunden die Beine ruinieren. Wir wollten am Schlussanstieg selbst das Tempo bestimmen, um ein ständiges 'Stop and Go' zu vermeiden. So konnten wir gleichmäßig hochfahren."
Dass Evenepoel sich dabei aber gut fühlte, das merkte Van Gils aber doch auch noch als kleines Signal an die Konkurrenz an: "Ich hörte ihn in meinem Ohr: 'Du könntest noch etwas schneller fahren.' Ich fand aber, dass ich schon sehr schnell fuhr und hab' geantwortet: 'Lass mich in Ruhe!'", lachte er und erzählte: "Remco war unterwegs sehr entspannt. Wir haben uns ein paar Mal über das Wetter und unsere Erlebnisse unterhalten. Die Stimmung im Team ist super. Remco fühlt sich gut, genau wie alle anderen im Team. Das spürt man."
Die kommenden beiden Tage müssen zeigen, ob die Stimmung auch in Paris noch super sein wird. Am Abend der 18. Etappe jedenfalls spricht nichts dagegen – auch wenn Evenepoel mit Blick auf das riesige Zuschaueraufkommen in L'Alpe d'Huez wohl doch etwas Muffensausen haben dürfte:
"Ich freue mich darauf, die Strecke kennenzulernen, aber es ist auch etwas beängstigend, wie eng sie sein kann", meinte er. "Manchmal kann die Zuschauermenge eine Etappe beeinflussen. Zum Beispiel, wenn man auf einen Angriff reagieren will, aber nicht nach vorne kommt, weil man blockiert wird. Mal sehen, wie extrem das wird", so Evenepoel, dem es lieber wäre, wenn das Menschenspalier nicht ganz so eng wäre: "Bei einem so populären Anstieg wie Alpe d'Huez wäre es sinnvoller, von unten an Seile zu spannen und dann auf den letzten fünf Kilometern Absperrgitter zu errichten."
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