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25.07.2026 | (rsn) - Nach dem gestrigen Spektakel an den 21 Kehren nach Alpe d’Huez steht bei der Tour de France 2026 die Königsetappe an wieder mit Ziel an der berühmten Skistation. Beim zweiten Mal geht es jedoch über eine andere Seite hinauf zur Bergankunft geht.
Dabei ist der Weg “hintenrum“ über den Col de Sarenne nach unserer Ansicht spektakulärer, schöner und wahrscheinlich auch schwerer.
Die Frankreich-Rundfahrt nutzte diese Passstraße in ihrer Geschichte bisher nur einmal als Abfahrt bei der Tour 2013. RSN ist beide Wege nach Alpe d’Huez vor dem Besuch der Tour abgefahren.
Der 12,8 Kilometer lange Anstieg beginnt direkt am Lac du Chambon. Die Fahrer nehmen vom Col du Lautaret kommend eine Abzweigung nach rechts. Der erste Kilometer bis Mizoën ist mit knapp zehn Prozent Steigung direkt einer der steilsten des gesamten Anstiegs, hier dürfte es bei Sonnenschein sehr heiß werden. Die Steigung in den drei Kehren flacht im Gegensatz zur bekannten Auffahrt nach Alpe d’Huez nicht ab. Es geht also gleichmäßig steil bergauf. ___STEADY_PAYWALL___
In Mizoën geht es für einen Kilometer flach mit einigen kleineren Wellen durch die Ortschaft. Es folgt ein kurzes, aber steiles Stück bergab, auf dem die Fahrer Schwung holen können. Das ist auch nötig, denn nach einer Brücke kommt die steilste Rampe des gesamten Anstiegs. Auf etwa 300 Metern liegt die Steigung bei über 15 Prozent. In den folgenden zwei Kehren bis nach Clavans le Bas wird es mit etwa acht Prozent etwas flacher.
Das Flachstück durch Clavans le Bas | Foto: Privat
Am Ortseingang lässt die Steigung wieder deutlich nach. Auf fast flachen 1,5 Kilometern geht es nach Clavans-le-Haut. Wie auch in Clavans le Bas wirkt die kleine Ortschaft verschlafen und nicht touristisch, eher wie ein abgelegenes Bergdorf. Ein großer Parkplatz zwischen zwei Kehren markiert das Ende der breiten Straße mit zwei Fahrbahnen. Der Asphalt wird jetzt deutlich rauer. Auch die Steigung nimmt langsam wieder zu.
Nach diesem Parkplatz wird die Straße schmaler. | Foto: Privat
Auf den nächsten drei Kilometern wird der Anstieg unregelmäßiger. Die Straße führt kurvig durch den Wald und ist im Durchschnitt etwa 8,5 Prozent steil. In einer Linkskehre erreichen die Fahrer den Weiler Le Perron, ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderer. Auf einer Höhe von knapp 1600 Metern verlassen die Fahrer den Wald. Einige hundert Meter später ist nach einer Rechtskehre für die Zuschauer dann Schluss. Es geht in eine geschützte Zone des Nationalparks Écrins.
Die Kehre oberhalb von Le Perron befindet sich kurz vor dem für Zuschauer gesperrten Abschnitt | Foto: Privat
Spätestens hier kann man sich nur schwer vorstellen, dass etwa zehn Kilometer weiter die Touristenhochburg L’Alpe d’Huez liegt. In der Ferne sind einige Wasserfälle zu sehen, darunter die Cascade du Ferrand. Die Steigung liegt konstant zwischen acht und neun Prozent, während sich der schmale Weg über fünf fast übereinanderliegenden Kehren bei rund neun Prozent Steigung nach oben windet.
Beim Blick zurück ins Tal kommt langsam das Massiv des La Mejle, des fünfthöchsten Berges Frankreichs, und seine Gletscher in Sicht. Die Fahrer werden dafür aber keinen Blick haben.
Für diesen Ausblick werden die Fahrer wohl keine Zeit haben. | Foto: Privat
Am Straßenrand sieht man die typische Vegetation dieser Landschaft. Genau die will die ASO durch das Zuschauerverbot auf diesem Abschnitt schützen. Nach den Kehren verläuft die Straße etwa einen Kilometer an einer Felswand entlang. Zwei weiter auseinanderliegende Serpentinen bringen die Fahrer noch einmal eine Stufe weiter nach oben. Hier wird es mit bis zu zehn Prozent Steigung noch einmal etwas anspruchsvoller. Zusammen mit der dünner werdenden Luft auf über 1800 Metern dürfte spätestens hier die entscheidende Phase des Anstiegs beginnen.
Etwas unterhalb der Passhöhe ist der Serpentinen-Abschnitt gut erkennen. | Foto: Privat
Nach den Kehren geht es erneut, diesmal etwas exponierter, an der Felswand entlang. Die Fahrer können die Passhöhe auf den letzten 1,5 Kilometern bereits erahnen. Der letzte Kilometer ist noch einmal 10,5 Prozent steil. Die Passhöhe auf 1999 Metern ist relativ unspektakulär, die Landschaft dagegen umso beeindruckender. Von hier aus lassen sich die ersten Kilometer der folgenden Abfahrt gut erkennen. Die Straße ist an dieser Stelle allerdings in einem deutlich schlechteren Zustand.
Zunächst geht es relativ geradeaus, bevor zwei weite Kurven über den Fluss Sarenne auf die andere Seite des Tals führen. Einen Kilometer später wird es flach, bevor kurz darauf der erste Gegenanstieg beginnt. Auf etwa 1,5 Kilometern sind etwa 80 Höhenmeter zu überwinden. Mit knapp fünf Prozent ist die Steigung gleichmäßig. Der Wind könnte hier eine Rolle spielen, sollte sich zuvor eine Gruppe bilden. Für Samstag ist mit einem stärkeren Gegenwind und Böen zu rechnen.
Die Veranstalter haben bereits vor einigen Monaten neuen Asphalt auftragen lassen. Als der Col de Sarenne auf der 18. Etappe der Tour de France 2013 zum ersten und bisher einzigen Mal befahren wurde, stand vor allem dieser Abschnitt in der Kritik. Die Strecke führte damals in die entgegengesetzte Richtung, und dieser Teil führte somit bergab. Die Straße verläuft über einige Kurven direkt an der Kante einer Felsenwand entlang, an der es völlig exponiert ohne Schutz steil nach unten geht.
Das Flachstück durch Clavans le Bas | Foto: Privat
Die Kritik bezog sich damals besonders auf den schlechten Straßenbelag, der diesen Abschnitt für die Fahrer noch gefährlicher machte. Ähnliche Kritik wollten die Veranstalter in diesem Jahr wohl erst gar nicht mehr aufkommen lassen. In dieser Fahrtrichtung verläuft dieser Abschnitt jedoch ohnehin bergauf.
Danach geht es noch einmal kurz bergab. Ein zweiter kürzerer und leichterer Gegenanstieg bringt die Fahrer über zwei Kehren zum Flughafen von L’Alpe d’Huez. Hier stehen Absperrgitter am Streckenrand, so dass Zuschauer wieder erlaubt sind. Der Asphalt ist hier noch einmal merklich schlechter und gleicht einer Buckelpiste. Etwa 6,5 Kilometer nach der Bergwertung des Col de Sarenne erreichen die Fahrer den bekannten Skiort.
Der neu asphaltierte Abschnitt ist nicht allzu lange. | Foto: Privat
Die Straße wird direkt etwas breiter und führt bergab. Nach etwa einem Kilometer geht es unter mehreren Hotels hindurch. Dieser Abschnitt ähnelt einer Tiefgarage. Eine Rechtskurve ist hier für die Fahrer nicht einsehbar und daher außen zusätzlich gesichert. Einige weite Kurven folgen, bevor es auf einer breiteren Straße aus L’Alpe d’Huez hinausgeht.
Die Kurve im Tunnel unter den Hotels | Foto: Privat
Die Strecke trifft genau zwischen Huez Village und L’Alpe d’Huez auf den bekannten Schlussanstieg. Die Fahrer müssen auf dem Weg ins Ziel aber nur die letzten fünf der insgesamt 21 Kehren bewältigen. Auf 3,7 Kilometern beträgt die Steigung noch einmal 6,2 Prozent. Richtig steil wird es aber nicht mehr. Die entscheidenden Attacken sollten deshalb schon vorher erfolgen.
Der Col de Sarenne bildet einen würdigen Abschluss der Alpenetappen bei der Tour de France 2026. Zuvor müssen die Fahrer noch den Col de la Croix de Fer sowie die Kombination aus Col du Télégraphe und Col du Galibier meistern. Insgesamt sind auf dem Weg nach nach Alpe d’Huez rund 5500 Höhenmeter zu bewältigen. Da es sich nicht um eine klassische Bergankunft handelt, sind Rennverlauf und die Taktik schwerer vorherzusagen. Am vorletzten Tag der Frankreich-Rundfahrt ist im Gesamtklassement also noch viel möglich.
Empfehlung für Hobbyradfahrer: Wer genug Zeit hat, sollte zur klassischen Auffahrt nach Alpe d’Huez unbedingt noch den Col de Sarenne vom Lac du Chambon aus hinzufügen. An den 21 Kehren erlebt man Radsportgeschichte, aber auf einer viel befahrenen Straße in einen Touristenort. Die schmale Straße zum Col de Sarenne dagegen führt durch eine spektakuläre Hochgebirgslandschaft mit grandiosen Ausblicken über die Alpen.