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25.07.2026 | (rsn) – Als Tadej Pogacar und Isaac Del Toro am Samstagnachmittag in Alpe d'Huez den Zielstrich erreichten, sich aufrichteten und lachend mit ihren Zeigefinger kleine Hörnchen über ihren Köpfen signalisierten, war es wohl vollbracht: Der Mann in Gelb zog den Mann in Weiß auf der letzten Bergetappe der 113. Tour de France weit genug von dessen ärgstem Gegner Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) weg, um seinen dritten Gesamtrang quasi zu fixieren.
Aus 24 Sekunden Vorsprung vor Etappe 20 wurden 2:12 Minuten Vorsprung nach Etappe 20 – eine Lücke, die der Franzose auch mit der kühnsten Attacke am Schlusstag in Paris nicht mehr schließen dürfte. Sollte Del Toro das Ziel auf den Champs-Élysées sicher erreichen, stehen erneut zwei UAE-Fahrer auf dem Podium – wie 2023 mit Pogacar und Adam Yates auf den Plätzen zwei und drei.
“Ich bin sehr emotional im Moment und dankbar für Tadej, weil er sich wirklich für mich eingesetzt hat. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen", zeigte sich der 22-jährige Mexikaner im Ziel überwältigt von dem, was ihm gerade widerfahren war und öffnete sich: ___STEADY_PAYWALL___
"Bei all den schweren Momenten, die wir diese Woche hatten, war er immer unterstützend für mich da! Es war nicht einfach, auf dem Podium zu landen, weil ich etwas krank war und mich nicht so gut gefühlt habe."
Strahlend in Weiß: Isaac Del Toro hat Nachwuchswertung und Podestplatz in Paris fast sicher. | Foto: Cor Vos
Nicht nur der am Donnerstag ausgeschiedene Brandon McNulty und Tim Wellens sowie Florian Vermeersch und Yates also litten in den vergangenen Tagen im UAE-Lager, auch Del Toro selbst war offenbar krank – und steht nun voraussichtlich trotzdem auf dem Tour-Podium:
"Die zweite Grand Tour und das zweite Mal auf dem Podium – Chapeau", zog Nils Politt im Gespräch mit RSN den Hut vor dem Youngster, der vielerorts bereits als Kronprinz Pogacars bezeichnet wird. Und der Slowene heizte diese Erzählweise nun in Alpe d'Huez auch noch an.
"Ich werde das hier mit Sicherheit nicht mehr allzu lange machen und Isaac hat großes Potenzial gezeigt", sagte der ab Sonntagabend wohl fünffache Tour-de-France-Sieger und ergänzte: "Wir werden ihm aber keinen Druck auferlegen. Er ist noch sehr jung, lernt viel, ist ein großartiges Talent mit einem starken Motor. Wir werden sehen, wo uns die Reise hinführt."
Tadej Pogacar bolzte Tempo für die Favoritengruppe um Evenepoel und Del Toro, um Seixas immer weiter zu distanzieren. | Foto: Cor Vos
Ob es wirklich keinen Druck bedeutet, wenn der derzeit beste Radrennfahrer der Welt für einen den Helfer gibt? Fraglich. Del Toro selbst sagte jedenfalls mit dem Blick allgemein auf die Tour-Schlusswoche: "Ich hatte noch nie so einen Druck in meinem ganzen Leben!"
Damit meinte er zwar nicht direkt den Effekt der Helferdienste von Pogacar, sondern eher den Kampf ums Podium und das Weiße Trikot an sich. Doch wäre Pogacar nicht so selbstlos aufgetreten und hätte Del Toro damit in den Mittelpunkt gerückt, so wäre sicher auch nicht so viel externer Druck entstanden. Möglicherweise war das aber auch Teil des langfristigen UAE-Plans – denn auch das muss ein Grand-Tour-Fahrer eben lernen: Umgang mit Druck.
"Der Plan war, Isaac auf dem Podium zu halten", bestätigte Politt, dass nicht nur Pogacar selbst in den Alpen eben für Del Toro gefahren war, sondern das Team insgesamt – auf Wunsch des Slowenen. "Da sieht man, was Tadej für eine Mentalität hat. Ihm war es extrem wichtig, dass Isaac mit auf dem Podium steht", so Politt, der auch betonte: "Auf den Tagessieg haben wir (auf Etappe 20, Anm. d. Red.) nicht gezielt, auch nicht auf das Bergtrikot."
Es war Pogacar wohl wirklich eine Herzensangelegenheit, den Youngster, mit dem er sich so blendend zu verstehen scheint, zu unterstützen. Denn er verteidigte ihn mit seiner Tempoarbeit nicht nur gegen einen möglichen Angriff von Seixas, sondern ließ das Team auch vorher bereits arbeiten, um den Rückstand zur Spitzengruppe um den Gesamtsiebten Juan Ayuso (Lidl – Trek) nicht zu groß werden zu lassen und den spanischen Ex-Teamkollegen der UAE-Armada schließlich auch zurückzuholen.
Mögen sich sehr: Pogacar und Del Toro im Ziel nach der 20. Etappe in Alpe d'Huez. | Foto: Cor Vos
"Ich habe heute mein Bestes gegeben, um Isaac zu helfen. Juan (Ayuso) hat uns etwas unter Druck gesetzt", sagte Pogacar und gab sich voller Demut: "Ich möchte einen großen Respekt aussprechen, was meine Teamkollegen in den letzten drei Wochen geleistet haben. Ich habe es jetzt selbst auch erleben dürfen. Ich habe jetzt noch mehr Respekt vor der Arbeit, die das Team leistet. Ich möchte mich bei jedem Einzelnen bedanken!"
Was wie eine Phrase wirkt, dürfte aufgrund der gesundheitlichen Herausforderungen der letzten Tage im UAE-Team alles andere als nur eine solche sein. Pogacar weiß, wie tief seine Mannschaft gehen musste, um das Doppelpodium zu ermöglichen. "Es war schon nicht ganz leicht, weil am Ende des Tages Nils und ich die einzigen fitten Helfer waren", bestätigte Felix Großschartner gegenüber radsport-news.com. "Zum Glück ging es die letzten Tage aufwärts." Er selbst habe glücklicherweise am Samstag auch "einen meiner besten Tage" gehabt.
Letztendlich lohnte sich alles Leiden und endete in der doppelten UAE-Glückseligkeit in Alpe d'Huez. "Ich hatte Gänsehaut. Würde ich meine Arme nicht rasieren, wären die Haare zu Berge gestanden. Es war fantastisch. Ein Moment, der in Erinnerung bleibt", sagte Pogacar über den gemeinsamen Hörner-Jubel mit Del Toro.
Am Sonntagabend in Paris dürfte der Tour-Dominator aber wieder selbst in den Mittelpunkt rücken wollen. Den prestigeträchtigen Etappensieg zum Abschluss der 113. Frankreich-Rundfahrt über den Montmartre und auf den Champs-Élysées will er sich ganz bestimmt nicht nehmen lassen – oder?
"Wir kennen Tadej", meinte Politt diesbezüglich, bestätigte auf Nachfrage von RSN aber auch, dass es im UAE-Team mehrere Kandidaten gibt, denen diese Etappe liegen könnte. Pogacar jedenfalls hielt sich bedeckt: "Wir werden sehen, ich möchte jetzt noch nichts sagen, aber ich möchte Paris auch genießen."