21:0 für Roglic, trotzdem Vorteil Mas

Schlusswoche spannend wie selten: Wer gewinnt die Vuelta?

Von Kevin Kempf

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Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe, links) hofft gegen Enric Mas (Movistar) vor allem aufs Zeitfahren. | Foto: Cor Vos

07.09.2026  |  (rsn) - Die Vuelta a Espana geht in ihre dritte Woche und der Kampf um den Gesamtsieg ist durch das Aus von Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) offen wie länger nicht. Enric Mas (Movistar) übernahm das Rote Trikot vom Weltranglistenersten und ist mit ihm in den zweiten Ruhetag gegangen. In der zweiten Woche seiner Heimatrundfahrt sah der Spanier sehr souverän aus und vergrößerte seinen Vorsprung.

Zwei für die Klassementfahrer relevante Etappen gab es in den vergangenen sieben Tagen. Beim Sieg von Jakob Omrzel (Bahrain Victorious) auf dem Calar Alto wurde Mas Sechster. Dabei nahm er Felix Gall (Decathlon – CMA CGM), Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) jeweils 27 Sekunden ab. Diese drei Verfolger sind gemeinsam mit dem Mallorquiner die besten Kletterer dieser Vuelta. Sie belegen folgerichtig auch die ersten vier Positionen im Klassement.

Beim zweiten Klassementtest kam Mas direkt am Hinterrad von Gall ins Ziel auf der Sierra de la Pandera. Wichtiger als dem Österreicher Zeit abzunehmen, war aber für Mas wohl, dass er Roglic abgehängt und 25 Sekunden extra mitgegeben hatte. Der Slowene ist nämlich wegen des noch anstehenden Zeitfahrens sehr wahrscheinlich eine größere Gefahr für den Movistar-Kapitän als Gall oder Carapaz, der auf der Pandera sechs Sekunden mehr einbüßte als Roglic.

Der Gesamtstand

So bleibt festzuhalten, dass Mas unter normalen Umständen – also ohne Sturz, Krankheit oder Einbruch – am Berg weder von Gall, noch von Roglic oder Carapaz angreifbar ist. Seine nominell eher mittelmäßig aufgestellte Mannschaft hat auf den schweren Etappen sehr gute Arbeit geleistet und ihren Kapitän immer bis weit in den letzten Anstieg begleitet, wo der dann selbst zum Angriff blies.

Das führt dazu, dass Mas vor der 16. Etappe 2:06 Minuten vor Gall liegt, der seinerseits vier Sekunden Vorsprung auf Roglic hat. Carapaz weist bereits 4:24 Minuten Rückstand auf. Das sind die Kräfteverhältnisse am Berg, mit Spannung wird vor allem auf das Zeitfahren am Donnerstag geschaut.

Zeitfahren als Zünglein an der Waage?

Zwischen El Puerto de Santa María und Jerez de la Frontera müssen 32,1 weitestgehend flache Kilometer auf dem Zeitfahrboliden absolviert werden. Während Roglic in dieser Disziplin Olympiasieger war, gehört sie nicht zu Mas‘ Stärken. Eindeutig ist auch die Bilanz der beiden im Kampf gegen die Uhr.

21 Mal traten sie gegeneinander an. Genauso oft hatte Roglic im direkten Vergleich die Nase vorn. Allerdings hat der Iberer dabei nie 2:10 Minuten auf den Red-Bull-Fahrer verloren. 2024 waren es auf 24,6 Kilometern rund um Madrid am Schlusstag der Vuelta 1:33 Minunten. Am zehnten Tag der Spanien-Rundfahrt im Jahr davor waren es auf 25 Kilometern in Valladolid 1:10 Minuten. Ebenfalls bei der Vuelta büßte Mas 2022 auf 30,9 Kilometern 1:03 Minuten auf Roglic ein, zwei Jahre davor auf 33,7 Kilometern 1:43 Minuten als es von Muros nach Mirador de Ezaro ging. Auch zwei Monate davor beim legendären 36 Kilometer langen Zeitfahren hinauf zur Planche des Belles Filles, bei dem Roglic das Gelbe Trikot noch an Tadej Pogacar abgab, verlor Mas nur 49 Sekunden auf den ehemaligen Skispringer.

So ist es fast ausgeschlossen, dass Roglic zur 19. Etappe im Roten Trikot antreten wird. Wahrscheinlicher scheint es, dass der vierfache Gesamtsieger erneut an Gall vorbeizieht und deutlich näher an Mas heranrückt. Das würde die Ausgangslage vor der Bergankunft am Peñas Blancas Estepona am 19. Renntag sowie der Königsetappe zum Collado del Alguacil tags drauf wieder spannender machen. Zumal gerade die 20. Etappe wie geschaffen ist für einen langen Angriff von Carapaz, dem ein vierter Gesamtrang erfahrungsgemäß völlig egal ist - er könnte das Podium noch einmal durcheinanderwirbeln, wenn er seine Form aus der dritten Woche der Tour de France findet.

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