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20.09.2026 | (rsn) – Remco Evenepoel ist zum vierten Mal in Serie Zeitfahr-Weltmeister. Der 26-jährige Belgier holte sich auf dem Stadtkurs von Montréal nach einer überlegenen Vorstellung nach 39,2 Kilometern in der Zeit von 44:53 Minuten erneut das Regenbogentrikot und ließ dabei der Konkurrenz keine Chance.
Evenepoel erzielte im zweiten der 13 Wettbewerbe der UCI Straßen-Weltmeisterschaften an allen drei Zwischenmesspunkten Bestzeit und hatte im Ziel in der Avenue du Parc schließlich 57 Sekunden Vorsprung auf den Italiener Filippo Ganna, der damit zum dritten Mal mit der Silbermedaille Vorlieb nehmen musste.
Erstmals auf dem WM-Podium in der Eliteklasse landete der 19-jährige Paul Seixas, der 1:13 Minuten hinter dem alten und neuen Weltmeister Dritter wurde und damit als erster Franzose überhaupt eine Medaille bei einer Zeitfahr-WM gewann.
Alle Medaillenhoffnungen musste dagegen der letztjährige U23-Weltmeister Jakob Söderqvist wenige Kilometer vor dem Ziel begraben. Der 23-jährige Schwede stürzte in einer Linkskurve und büßte so entscheidende Sekunden ein. Letztlich reichte es hinter dem US-Amerikaner Brandon McNulty (+1:25) zu Rang fünf (+1:26).
“Es ist fantastisch. Es war natürlich das Ziel, hierherzukommen und das vierte Mal in Folge zu gewinnen. Es war eine große Motivation. Ich möchte meinem ganzen Team danken für die Vorbereitung und auch Specialized für das tolle Material, das sie mit mir entwickelt haben. Es war sehr schnell heute“, sagte Evenepoel im Flash-Interview nach seinem überlegen herausgefahrenen Sieg. “Ich war sehr zufrieden mit dem Gefühl, vor allem in den Kurven. Es war ein sehr fordernder Kurs mit einem technischen Start und Ziel und einem Abschnitt, wo man viel Kraft braucht in der Mitte. Es war eine wunderschöne Erfahrung hier“, erzählte er.
Wie der Top-Favorit weiter erklärte, habe er mit seinem Team nach sechs Kilometern “eine persönliche Zwischenzeit“ genommen. “Dort habe ich schon gewusst, dass ich vor dem Rest bin. Ich habe gedacht, dass ich bis zum ersten Messpunkt etwas überpaced hatte, konnte aber weiter Gas geben. Es ist ein sehr guter Start in diese Weltmeisterschaften“, so der alte und neue Titelträger, der nunmehr mit Fabian Cancellara und Tony Martin in der Anzahl der WM-Siege gleichgezogen hat. Dem Schweizer und dem Deutschen gelangen ihre jeweils vier Titelgewinne im Kampf gegen die Uhr allerdings nicht in Serie.
Zudem landete Evenepoel zum bereits siebten Mal auf dem Podium einer Zeitfahr-WM. Gleich bei seinem Debüt in der Eliteklasse wurde er 2019 als gerade mal 19-Jähriger bereits Silbermedaillengewinner. In den Jahren 2021 und 2022 kamen noch zwei Bronzemedaillen hinzu. Seinem Triumph in seiner Spezialdisziplin will er nun noch einen zweiten folgen lassen. “Es gibt jetzt etwas Zeit, um sich zu erholen und diesen besonderen Sieg zu genießen. Ab Dienstag an werde ich den vollen Fokus auf Sonntag legen“, sagte er mit Blick auf das Straßenrennen, in dem er am 27. September zum zweiten Mal nach 2022 Weltmeister werden will.
Sechster des WM-Zeitfahrens wurde der Mexikaner Isaac Del Toro (+1:38) vor dem Schweizer Stefan Küng (+1:45) und dem Dänen Kasper Asgreen (+1:48). Der Niederländer Daan Hoole (+2:02) und der junge Brite Calum Thornley (+2:02), die Jasha Sütterlin um acht Sekunden verpasste.
Auf dem 14. Platz war der 33-jährige Freiburger nach einer starken Vorstellung bester der deutschen Starter. “Ich denke, ich habe das ganz gut gepaced, gerade den mittleren und den Schlussteil. Am Anfang hatte ich Probleme, meinen Rhythmus zu finden. Aber sobald ich auf die langen Geraden war, habe ich eine gute Pace hinbekommen“, sagte Sütterlin im Ziel zu RSN.
Der gleichaltrige Max Walscheid dagegen blieb hinter den Erwartungen zurück und kam nicht über Rang 27 (+2:47) hinaus.
Im Zeitfahren der Elite Männer bestand das Feld aus 61 Fahrern. Auf dem überwiegend flachen Stadtkurs von Montréal, der auch über den Formel-1-Kurs führte, wurden drei Zwischenzeiten genommen: bei Kilometer 10,7, Kilometer 21,9 Kilometer und schließlich 29,8 Kilometer.
Der früh gestartete Sütterlin setzte mit 47:04 Minuten ein erstes Ausrufezeichen. Die Bestzeit des DM-Dritten hatte aber nicht lange Bestand, denn kurz darauf war Asgreen um gleich 22 Sekunden schneller – und kurz darauf auch noch der Kanadier Michael Leonard um fast die gleiche Zeit.
Walscheid war verhalten gestartet und steigerte sich im Rennverlauf. Im Ziel wurde der Deutsche Vizemeister aber zunächst fünf Positionen hinter Sütterlin geführt. Am Ende waren es sogar derer 13, womit sich der Heidelberger aber in guter Gesellschaft etwa vin Ex-Weltmeister Tobias Foss (22.) oder dem zweiten Schweizer Stefan Bissegger (28.) befand
Das Streckenprofil des WM-Zeitfahrens der Elite Männer | Foto: Veranstalter
Der als letzter Fahrer gestartete Evenepoel sorgte von Beginn an für klare Verhältnisse. Der Belgier unterbot nach 10,7 Kilometern Söderqvists Bestzeit um neun Sekunden und war hier schon 22 Sekunden schneller als Ganna, der lediglich auf Rang zehn geführt wurde und fast zeitgleich mit Küng und Del Toro war.
Ganna rückte an der zweiten Zwischenzeit an Söderqvist heran und lag fast gleichauf mit Seixas, der im Ziel Asgreens Zeit um gleich 35 Sekunden unterbot. Evenepoel baute hier seinen Vorsprung gegenüber dem letztjährigen U23-Zeitfahrweltmeister auf 34 Sekunden aus.
Der starke McNulty war im Ziel nur zwölf Sekunden langsamer als Seixas und verdrängte Asgreen auf den zwischenzeitlichen dritten Platz. Nach Bestzeit an der dritten Messmarke rutschte Söderqvist in einer Linkskurve weg und büßte bei dem Sturz entscheidende Zeit ein. Ganna dagegen setzte seine Aufholjagd fort und war mittlerweile fast zeitgleich mit dem Schweden, der mit 13 Sekunden Rückstand auf Seixas das Ziel erreichte und so knapp das Podium verpasste.
Küng wiederum kam 30 Sekunden nach Seixas an und war dabei etwas langsamer als McNulty, Söderqvist und Del Toro. Er landete letztlich auf dem siebten Platz, weil zunächst Ganna 14 Sekunden schneller war als Seixas und für wenige Sekunden die Bestzeit hielt – und dann noch der Titelverteidiger kam.
Evenepoel vergrößerte seinen Vorsprung nämlich nochmals und verdrängte Ganna schließlich um fast eine Minute auf den Silberrang. Seixas konnte sich über Bronze freuen, das McNulty um zwölf Sekunden verpasste.
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