Pieterse holt Silber, Reusser Bronze, Niedermaier 5.

Weltmeisterin Vollering ist die alte und neue Europameisterin

Von Marc Zeiringer

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Demi Vollering auf dem Weg zum zweiten Gold in einer Woche. | Foto: Cor Vos

03.10.2026  |  (rsn) - Das Europameisterschaftsrennen der Frauen in Slowenien wurde erneut zur Oranje-Angelegenheit. Nach 130 Kilometern von Ljubljana nach Sencur feierte Demi Vollering einen ungefährdeten Sieg und triumphierte damit zum zweiten Mal in Folge bei der EM. Den niederländischen Jubeltag rundete Puck Pieterse mit Silber perfekt ab, nachdem sie sich im Zielsprint einer fünfköpfigen Verfolgerinnengruppe vor der Zeitfahrweltmeisterin Marlen Reusser aus der Schweiz und Elisa Longo Borghini aus Italien durchsetzen konnte.

“Es ist verrückt – auch mit dem schönen zweiten Platz von Puck heute. Ich glaube, wir können mal wieder stolz auf unsere Leistung sein“, erklärte Vollering im anschließenden Flash-Interview. Nach ihrem Triumph beim Giro d’Italia, ihrem zweiten Gesamtsieg bei der Tour de France und ihrem ersten Weltmeistertitel krönte die 29-Jährige eine herausragende Saison erneut. “Es ist wirklich ein goldenes Jahr. Es ist schade, dass es schon vorbei ist. Am Mittwoch gibt es noch das Zeitfahren, und dann ist schon die Off-Season da. Ich kann es gar nicht erwarten, das ganze nächste Jahr im Regenbogen zu fahren und hoffentlich wieder eine gute Saison zu haben“, freute sich Vollering bereits auf die nächsten Aufgaben.

Die deutsche Antonia Niedermaier musste sich in einem dramatischen Finale mit Platz fünf begnügen. Ein Sturz der Polin Kasia Niewiadoma in der letzten Kurve unmittelbar vor der 23-jährigen Rosenheimerin machte alle Möglichkeiten auf eine Medaille zunichte. Ein Bremsmanöver, bei dem sie gerade noch die Polin verfehlte, verhinderte, dass sie die Zielgerade gemeinsam mit Pieterse, Reusser und Longo Borghini in Angriff nehmen konnte. Franziska Koch und Liane Lippert, die beide das Rennen über weite Strecken mitgestaltet hatten, kamen am Ende auf den Plätzen acht beziehungsweise 20 ins Ziel.

So lief das EM-Rennen der Frauen:

Sofort nach dem scharfen Start wurden die ersten Attacken gesetzt. Erfolgreich waren nach etwa acht Kilometern die Belgierin Margot Vanpachtenbeke und die Österreicherin Carina Schrempf, die sich im Laufe der ersten 30 Kilometer einen Vorsprung von zwei Minuten auf das Feld herausfahren konnten.

Die Niederlande und vor allem die Sprinterkönigin Lorena Wiebes übernahmen in weiterer Folge die Tempoarbeit im Peloton und kontrollierten den Abstand auf das Ausreißerinnenduo meist bei einem Abstand von etwas unter zwei Minuten. 67 Kilometer vor dem Ziel versuchte die Tschechin Kristyna Burlova mit einem Vorstoß, das Spitzenduo zu erreichen. Sie setzte sich zwar eine halbe Minute vom Feld ab, fuhr danach allerdings im Niemandsland und hatte keine Chance, Vanpachtenbeke und Schrempf zu erreichen. So wurde sie nach etwa 15 Kilometern Flucht wieder eingeholt.

Das Streckenprofil des EM-Rennens der Frauen | Foto: Veranstalter

Kurz vor der ersten Zielpassage bei noch 44 zu fahrenden Kilometern wurde das Tempo im Peloton angezogen, da sich neben den Niederlanden auch Frankreich und Polen vorne zeigten. Bei der Zieldurchfahrt waren nur noch 40 Sekunden Vorsprung übrig, der bis zum Start des ersten Anstiegs zum Mozjanca bereits Geschichte war. Eine erste Schrecksekunde gab es auch zu überstehen, da Letizia Borghesi (Italien) mit etwas zu viel Motivation die Schlusskurve in Angriff nahm und unsanft in die Barriere flog. Zum Glück konnte sie, wie auch die ebenfalls gestürzte Dominika Wlodarczyk (Polen) das Rennen wieder aufnehmen.

Bereits bei der ersten Auffahrt zum Mozjanca wurde ein sehr hohes Tempo an den Tag gelegt. Die Niederländerin Karlijn Swinkels sorgte für ein Ausscheidungsrennen. Als sie ihre Arbeit für Vollering vollbracht hatte, lagen kurz vor der Kuppe nur noch etwa 15 Fahrerinnen zusammen in der ersten Gruppe. Mit dabei waren hier auch noch Koch, Lippert und Niedermaier. Eine weitere Tempoverschärfung, dieses Mal von der Schweizerin Marlen Reusser, sorgte dafür, dass die Gruppe weiter dezimiert wurde. Demi Vollering, Puck Pieterse, Elisa Longo Borghini, Kasia Niewiadoma, Juliette Berthet und Niedermaier konnten der Zeitfahrweltmeisterin noch folgen.

Am Ende der Abfahrt kam eine dreiköpfige Verfolgerinnengruppe mit Lippert, Koch und Cecilie Ludwig zurück. Die deutsche Meisterin machte keine Anstalten langsamer zu fahren, attackierte sofort und setzte sich damit kurz vor dem Start der letzten Runde gemeinsam mit der Dänin Ludwig vom Rest ab. Dahinter wurde das Tempo herausgenommen und einige Helferinnen von Vollering schafften wieder den Anschluss. An der Glocke, die die letzte Runde einläutete, lagen Koch und Ludwig 17 Sekunden vor 19 Verfolgerinnen.

Kampf um Silber und Bronze bleibt spannend

Das Duo wurde schnell eingeholt, doch die Deutschen wollten es ein weiteres Mal versuchen. Lippert attackierte gemeinsam mit der Schweizerin Noemi Rüegg und der Niederländerin Femke de Vries, wurde allerdings noch vor dem entscheidenden Anstieg wieder gestellt. Am Mozjanca machten anschließend die Niederländerinnen ernst. Angeführt von de Vries und dann Pieterse konnte Vollering alle bis auf Niewiadoma schon früh abhängen. Die Polin hatte nach einer Attacke am steilsten Stück der Weltmeisterin nichts mehr entgegensetzen, womit Vollering spielerisch ihren zweiten Europameistertitel in Folge einfuhr.

Dahinter entwickelte sich ein spannender Fünfkampf um Silber und Bronze. Noch vor der Abfahrt schafften es Longo Borghini und Niedermaier im hügeligen Teil zu Niewiadoma und Pieterse aufzuschließen, kurz danach war auch Reusser dran. Die Entscheidung um die übrigen Medaillen fiel auf den letzten Metern. Niewiadoma kam in der letzten Kurve 300 Meter vor dem Ziel zu Fall und sorgte damit auch dafür, dass Niedermaier keine Chance auf Edelmetall hatte. Die Deutsche musste ausweichen, womit der Weg frei für Pieterse war, die sich im Sprint vor Reusser und Longo Borghini durchsetzte.

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