Dank van der Poel Poel Sprintsieg auf 17. Tour-Etappe

Philipsen ganz oben auf der Achterbahnfahrt der Gefühle

Von Matthias Seng

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Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech) hat die 17. Tour-Etappe gewonnen. | Foto: Cor Vos

22.07.2026  |  (rsn) – Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) hat nach perfekter Vorarbeit seines Teamkollegen Mathieu van der Poel die 17. Etappe der 113. Tour de France (2.UWT) für sich entschieden. Der 28-jährige Belgier setzte sich über 174,7 Kilometer von Chambéry nach Voiron im Sprint einer rund 40-köpfigen Kopfgruppe souverän vor dem Schweizer Mauro Schmid (Jayco – AlUla) durch und feierte den insgesamt elften Tageserfolg bei einer Frankreich-Rundfahrt.

Dritter wurde der Niederländer Olav Kooij (Decathlon – CMA CGM) vor dem Briten Lewis Askey (NSN) und Kooijs Landsmann Rick Pluimers (Tudor). Van der Poel, der Philipsen den Zielsprint lanciert hatte kam als Elfter ins Ziel, bester deutscher Fahrer war Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché), der zeitgleich mit dem Sieger Platz 18 belegte.

“Es war eine echte Achterbahn der Gefühle während dieser Tour de France. Ich musste bis zur 17. Etappe warten, obwohl ich sehr gut vorbereitet war und in der Form meines Lebens. Die ersten zwölf Tage waren einfach schrecklich. Ich habe mich selbst und mein Gefühl nicht gefunden, so wie ich es mir erhofft habe. Diesen Sieg nach 17 Etappen möchte ich dem Team widmen, das immer an mich geglaubt hat“, sprudelte es aus Philipsen im Flash-Interview heraus. “Ich war enttäuscht in mich selbst, dass ich keinen Etappensieg holen konnte. Das Team musste damit umgehen und deshalb ist dieser Sieg für alle in der Mannschaft.“

“Dieser Sieg hat mich wohl einige Lebensjahre gekostet“

Dabei hatte es lange Zeit gar nicht nach dem erlösenden Sieg für Philipsen ausgesehen. Während sein Teamkollege van der Poel an der Spitze eine bis ins Finale hinein turbulenten Etappe mitbestimmte, musste Alpecin-Sprinter darauf hoffen, in der Verfolgergruppe doch noch den Anschluss zu schaffen. “Dieser Sieg hat mich wohl einige Lebensjahre gekostet“, gab Philipsen zu. “Ich habe während der Etappe zwischen Gruppen gekämpft, dachte, alles wäre schon verloren. Das Team hat weiter daran geglaubt, wir haben einen Plan gemacht und meine Kameraden waren sehr stark am Ende. Sie haben mich perfekt an die Ziellinie gebracht“, sagte Philipsen und dürfte damit speziell van der Poel gemeint haben, der bereits eine Etappe gewonnen hatte und sich schließlich selbstlos in den Dienst seines Teamkollegen stellte.

“Ja, es fühlt sich sehr gut an. Es war heute den ganzen Tag über sehr hart. Ich habe versucht, in den wichtigen Gruppen mit dabei zu sein. Am Ende ist dann alles zusammengelaufen. Edward (Planckaert) war in der Spitzengruppe. Wir hatten immer einen Fahrer in jeder Gruppe. Das hat es heute etwas leichter gemacht, den Etappensieg einzufahren“, erklärte van der Poel gegenüber Eurosport und stellte dabei seine eigene Leistung etwas in den Schatten.

Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) verteidigte vor nun den anstehenden drei Alpenetappen sein Gelbes Trikot gegenüber Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe), dessen Rückstand unverändert 4:32 Minuten beträgt. Dritter bleibt Pogacars Teamkollege Isaac Del Toro (UAE - Emirates – XRG / +6:51 vor Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM / +7:11) und Juan Ayuso (Lidl – Trek / +9:22).

Dessen Teamkollege Mads Pedersen gewann den Zwischensprint, musste sich im Ziel aber mit Rang acht begnügen. In der Punktewertung führt der Däne jetzt mit nur noch sieben Zählern vor Philipsen, der für seinen Sieg 50 Punkte erhielt. 

Pogacar bleibt auch an der Spitze der Bergwertung, Del Toro behauptete die Spitzenposition in der Nachwuchswertung. Lidl - Trek baute seine Führung gegenüber UAE in der Teamwertung von wenigen Sekunden auf nun wieder 18:10 Minuten aus.

So lief die 17. Etappe der Tour de France 2026:

Ohne den am Vortrag im Zeitfahren gestürzten Florian Lipowitz (Red Bull - Bora - hansgrohe) wurde in Chambéry der 17. Tagesabschnitt dieser Tour gestartet. Wie zu erwarten entbrannte auf zunächst noch bergigem Terrain ein langer Kampf um die Gruppe des Tages, bei dem es hektisch zuging und auch ein Massencrash mit rund 20 Fahrern zu verzeichnen war. Alle Gestürzten, darunter auch die Klassementfahrer Tom Pidcock (Pinarello - Q36.5) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious), konnten das Rennen aber fortsetzen.

Am Col de Prés (3. Kat.), dem dritten von vier Bergwertungen des Tages, die über die ersten 60 Kilometer verteilt waren, war das Feld auf nur noch rund 40 Fahrer ausgedünnt. Nicht dabei waren unter anderem Pedersen, der Träger des Grünen Trikots, Del Toro sowie Pidcock, die in der Verfolgergruppe unterwegs waren, die am Ende der Abfahrt rund 40 Sekunden Rückstand aufwies.

Dann aber nahmen die Klassementfahrer vorn die Beine hoch, so dass sich aus der Spitzengruppe gut 100 Kilometer vor dem Ziel 16 Fahrer lösen konnten, darunter van der Poel, Stuyven, Pluimers, der Deutsche Meister Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) sowie der US-Meister Quinn Simmons (Lidl – Trek). Der Rest der Gruppe ließ sich kurz darauf von den Verfolgern einholen. Dahinter folgte noch ein weiteres Feld um Sprinter wie Biniam Girmay (NSN), Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) und Max Kanter (XDS – Astana), dessen Rückstand schnell bereits mehrere Minuten betrug.

Das Streckenprofil der 17. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

Unter dem Tempodiktat der Decathlon-Equipe um Seixas und Sprintkapitän Kooij hielten die Verfolger den Rückstand jedoch zunächst bei rund 30 Sekunden, ehe die Franzosen dann aber die Beine hochnahmen. Ruhe im ersten Feld kehrte aber nicht ein, Matteo Jorgenson (Visma - Lease a Bike), Ben Healy (EF Education - EasyPost) und Mathis Le Berre (TotalEnergies) machten sich einen ruhigeren Moment zunutzeum sich abzusetzen und 68 Kilometer vor dem Ziel zur Spitze aufzuschließen.

Das gelang kurz darauf auch Pedersen sowie weiteren Fahrern, ehe dann doch in der Gruppe um das Gelbe Trikot die Beine hochgenommen wurden und die große Gruppe um Girmay aufschließen konnte. Vorne attackierte Pedersen immer wieder, ehe er sich gemeinsam mit Engelhardt, Stuyven, Healy, Michal Kwiatkowksi (Netcompany – Ineos) und Edward Planckaert (Alpecin – Premier Tech) knapp 60 Kilometer vor dem Ziel lösen konnte. Van der Poel dagegen hatte den Absprung verpasst.

Der Niederländer erhielt kurz darauf Verstärkung durch seinen Teamkollegen Jasper Philipsen, dessen Gruppe, in der auch Kooij dabei war, 42 Kilometer vor dem Ziel den Anschluss schaffte. Pedersen gewann 27 Kilometer vor dem Ziel den Zwischensprint und sicherte sich weitere 25 Zähler im Kampf um das Grüne Trikot. Kurz darauf attackierte Stuyven und nutzte die Uneinigkeit in der Gruppe, um sich einen Vorsprung von fast 50 Sekunden herauszufahren.

Alpecin und Engelhardt machen Jagd auf Stuyven

15 Kilometer vor dem Ziel schlossen Philipsen, Kooij, van der Poel & Co. zur Pedersen-Gruppe auf und starteten die Jagd auf Stuyven. Alpecin – Premier Tech, mit fünf Fahrern die stärkste Fraktion in der 44-köpfigen Gruppe, sorgte nun für Tempo, ehe sich auch Engelhardt für seinen Kapitän Schmid an der Verfolgung beteiligte.

Eingangs der letzten vier Kilometer wurde der Belgier schließlich gestellt. Nach einigen vereitelten Attacken übernahm Zimmermann mit Huub Artz am Hinterrad die Spitze, ehe Tarling die Gruppe auf den Schlusskilometer führte. Nach der letzten Kurve lancierte der erneut bärenstarke van der Poel auf der ansteigenden Zielgerade seinen Teamkollegen Philipsen, der keine Mühe hatte, endlich seinen ersten Etappensieg bei dieser 113. Tour einzufahren.

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