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28.09.2026 | (rsn) – Die ganze Radsportwelt suchte am Sonntag einen Nachfolger als Straßen-Weltmeister für den zwei Mal hintereinander erfolgreichen Tadej Pogacar und fand ihn ausgerechnet in einem UAE-Teamkollegen des Slowenen. Der 28-jährige Brandon McNulty erwischte die großen Favoriten in einem brutalen Ausscheidungsrennen nach 241 von 274 Kilometern auf dem falschen Fuß und fuhr allein, als siebter Solosieger in Folge, zum Sieg.
Vor einem Jahr überließ ihm am selben Ort noch sein Kapitän Pogacar den Erfolg beim WorldTour-Rennen Grand Prix de Montreal, nun triumphierte der US-Amerikaner ohne derartige Gunst.
Sein Vorgänger, der nach seinem Vuelta-Sturz für die Titelverteidigung ausfiel, bezeichnete ihn in einem Instagram-Posting als den König von Montreal. Nach vier Teilnahmen beim Grand Prix, wo er schon bei seinem ersten Start 2018, damals noch im Trikot von Rally Cycling, mit Rang 16 überzeugen konnte, gelang ihm schließlich der zweite Sieg im fünften Antritt auf dem herausfordernden Kurs über den Mont Royal. ___STEADY_PAYWALL___
“Es ist mein Lieblingskurs, denn ich habe ja nicht nur selbst gewonnen, sondern gehörte zum Team 2023, als Adam Yates gewann und auch dieses Jahr, wo wir mit Isaac Del Toro den Sieg einfahren konnten“, erklärte der frischgebackene Weltmeister, der vor zwei Wochen als Dritter neben seinem mexikanischen Teamkollegen auf dem Podium stand.
Beim GP Montreal 2025 überließ Pogacar (rechts) McNulty den Sieg. | Foto: Cor Vos
Del Toro hatte er im WM-Rennen nun besiegen können - und angesprochen auf den fehlenden Titelverteidiger aus Slowenien meinte McNulty: “Ich bin schon traurig, dass, aber vor allem warum, Tadej nicht hier ist. Du willst keinen Fahrer stürzen sehen. Ich hoffe, dass ich ihn stolz gemacht habe mit meiner Fahrt und dass er das Rennen genossen hat beim Zusehen."
Seine Erfolge in Montreal führten aber nicht nur dazu, dass er die Straßen in sein Herz geschlossen hat, sondern auch die Stadt. “Ich genieße es immer hier und mag die Stadt. Es ist verrückt, aber irgendwie fühlte sich das heute wie ein Heimrennen an, weil so viele unterschiedliche Fans für ihre Nationen jubelten. Die Stimmung war echt sehr speziell“, erklärte er.
Seine Kurskenntnisse und seine persönliche Erfolgsgeschichte waren ein Faktor für den Erfolg, ein weiterer steckte im so starken Auftritt des amerikanischen Teams, das mit Quinn Simmons und Matteo Jorgenson gleich zwei weitere Fahrer in den Top Ten platzieren konnte - die sich gleichzeitig auch als starke Mithelfer beteiligten.
Denn Simmons gehörte schon zu einer ersten Spitzengruppe um Mathieu van der Poel und Wout van Aert, durch die McNultys Kontrahenten im Verfolgerfeld viel arbeiten mussten. Später half der Lidl-Trek-Profi genau wie Jorgenson kräftig beim Stören der Nachführarbeit mit und wäre beinahe sogar noch aufs Podium gesprintet. Simmons wurde Vierter.
Quinn Simmons (links) gehörte neben Ehefrau Summer McNulty zu den ersten Gratulanten des neuen Weltmeisters. | Foto: Cor Vos
“Ich fahre, seit ich 15 Jahre alt bin für die amerikanische Mannschaft. Ich war damals noch ein Kind und lernte viele Leute kennen, die heute noch mit dabei sind. Wir sind durch die Zeit der Junioren gegangen, waren gemeinsam bei unseren ersten Rennen in Europa“, erinnerte sich der neue Weltmeister, der auch von den Einsätzen bei kleinen belgischen Kermes-Rennen sprach, die er mit dem Junioren-Nationalteam, zu diesem damals auch Jorgenson gehörte, bestritt und bei denen er sogar erste Erfolge einfuhr.
“Wir waren drei Wochen in Belgien und haben alle davon geträumt, Profis zu werden. Im Nachwuchs zählte jeder Erfolg und wenn du in Europa was gewinnen konntest oder auf dem Podium gelandet bist, dann zählte das doppelt. Europa ist halt der Kontinent mit den größten Radrennen. Blicke ich auf diese Zeit zurück, so legte sie sicher einen Grundstein in meiner Karriere“, war sich McNulty sicher.
Der Plan des amerikanischen Teams am Sonntag war simpel. Sowohl McNulty als auch Simmons und Jorgenson hatten den gleichen Status als beschützte Fahrer, die ab der Rennhälfte ihre Karten spielen sollten. Als Simmons es in eine Gruppe schaffte, konnten die anderen beiden dahinter pokern und mussten nicht nachfahren. Als dann 33 Kilometer vor Schluss die entscheidende Attacke von McNulty folgte, beteiligten sich weder Simmons und Jorgenson an der Nachführarbeit, sondern störten auch noch fleißig: “Wir hatten das stärkste Team und mit dieser Aufstellung können wir viele Rennen gewinnen", meinte der Weltmeister anschließend.
Kann es kaum glauben: Brandon McNulty kurz nach der Zieldurchfahrt, überwältigt von den Gefühlen. | Foto: Cor Vos
Seine entscheidende Attacke plante er nicht. "Da half natürlich die Erfahrung aus den Montreal-Rennen, die ich bestritten habe. Denn in den Anstiegen kannst du keinen überraschen, weshalb du was anderes versuchen musst. Ist die Gruppe klein, dann schauen sich die anderen an und zögern, was dir vorne hilft. Mein Angriff erfolgte aus purem Instinkt“, erzählte der 28-Jährige, der sich im Alleingang entscheidend von seinen Gegnern absetzen konnte, gut zwei Runden vor dem Ende schnell eine große Lücke herausfuhr und dann nicht mehr gestellt werden konnte.
Seine ersten Rennen im Regenbogentrikot wird er bei den italienischen Herbstklassikern bestreiten. Ob er schon den Giro dell’Emilia als erstes Rennen am kommenden Samstag bestreiten wird, wie auch sein Teamkollege Tadej Pogacar vor zwei Jahren, ist noch offen: “Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf, mich in diesem Trikot präsentieren zu dürfen. Ich hoffe, auch dann sind die Beine weltmeisterlich!"
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