“Besser, als wir jemals erwartet haben“

Mit gewagter Taktik kam Pedersen aus der Tiefe des Raums

Von Kevin Kempf

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Bei der WM immer kurz vor Anschlag: Mads Pedersen | Foto: Cor Vos

28.09.2026  |  (rsn) – Als Mads Pedersen vor dem Weltmeisterschafts-Rennen gegenüber Eurosport ankündigte, dass er eine Medaille holen möchte, auch wenn die Chancen, dafür nicht sehr gut stünden, konnte man schon ein wenig schmunzeln. Denn quasi der gleiche Kurs, der bei der WM gefahren wurde, war zwei Wochen zuvor bereits der Schauplatz des GP du Montreal (2.UWT). Dort war der härteste Anstieg des Tages für Remco Evenepoel zu schwierig, um Isaac Del Toro und Paul Seixas folgen zu können.

Folgerichtig wurde Pedersen früh abgehängt und war 75 Kilometer vor dem Ziel schon nicht mehr zu sehen. Dänemark wurde im Finale von Mikkel Honoré und Anthon Charmig vertreten. Die allerdings fielen letztendlich auch zurück. Doch dann tauchte etwas mehr als zwei Ruden vor Schluss erneut ein dänisches Trikot in Gesellschaft des abgehängten Remco Evenepoel auf. Aus der Tiefe des Raums war Pedersen wieder aufgetaucht. Mit Evenepoel und Mauro Schmid fuhr er später sogar erneut in die Gruppe vor, die um Silber und Bronze kämpfen sollte.

“Ich war den ganzen Tag am Limit. Beziehungsweise ganz knapp, ein halbes Prozent unter dem Limit“, fasste der Weltmeister von Harrogate 2019 sein Rennen in einem Satz zusammen. Seiner Schwächen am Berg war er sich nur zu gut bewusst – und er hatte seine Taktik darauf ausgelegt. “Ich musste konservativ fahren. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, diesen Attacken zu folgen. Vor allem an dem langen Anstieg musste ich in meiner eigenen Zone bleiben.“

Während Del Toro und Co. sich im Stop and Go aufrieben, drückte Pedersen relativ konstante Wattzahlen in den Asphalt. Eine kräfteschonendere aber gewagte Herangehensweise: “Zocken und es für mich gerade so am Limit halten, sodass ich Stück für Stück aufholen kann. Wir haben uns an Zürich erinnert. Die Fahrer, die da über das Limit gegangen sind, sind wieder zurückgefallen. Das Gleiche ist heute passiert“, sagte der Lidl-Profi.

Widerspruch und Zustimmung

So spielte er in der Schlussrunde vorne mit – nicht nur um die Plätze neben Brandon McNulty, sondern sogar um den Titel, als der US-Amerikaner doch noch Schwächen zeigte und in greifbare Nähe kam. Dann aber hielten die Favoriten die Beine still - auch Pedersen. “Ich hatte nichts mehr im Tank. Aber man kann sagen, dass das Resultat besser ist, als wir jemals erwartet hätten“, urteilte er über seinen sechsten Platz. Damit widersprach er zwar seiner eigenen Meinung von vor dem Rennen, die meisten Radsport-Sachverständigen werden ihm trotzdem zustimmen.

Letztendlich konnte der 30-Jährige ein kurzes, aber positives Fazit ziehen, obwohl er seine zweite WM-Medaille bei der Elite verpasst hatte. “Ich bin stolz auf das Rennen. Es war schön.“

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