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28.09.2026 | (rsn) – Erst einen Rennsieg hat Michael Matthews in diesem Jahr auf seinem Konto, aber ausgerechnet bei einem seiner Saisonhighlights, dem Straßenrennen der Weltmeisterschaften in Montreal, präsentierte sich der Routinier wieder bärenstark und sprintete nach 273,4 Kilometern zur Silbermedaille. Dabei zwang er im ansteigenden Schlussspurt sogar Mathieu van der Poel in die Knie. Für Matthews war es die große sportliche Auferstehung nach zwei Jahren, in denen ihn Verletzungen und Erkrankungen zurückwarfen.
“Ich dachte eigentlich, mein Leben wäre vorbei“, erinnerte er sich auf der Pressekonferenz mit der Silbermedaille um seinen Hals an jene kritischen Momente, als er in der Vorbereitung auf die Tour de France 2025 an einer Lungenembolie erkrankte. Plötzliche Atemnot ließen ihn ein Krankenhaus aufsuchen, als er sich damals in Livigno im Höhencamp befand. Die Ärzte erklärten ihm dort, dass er auch im Trainingslager sterben hätte können, falls er nicht auf die Symptome reagiert hätte. ___STEADY_PAYWALL___
Wochenlang konnte Matthews gar nicht trainieren. Er kehrte erst Anfang September wieder zurück, feierte aber kurz danach mit Australien den Weltmeistertitel in der Teamstaffel in Ruanda. Nach einem guten Herbst und einer guten Wintervorbereitung wurde dann aber die neue Saison früh durch einen Trainingssturz unterbrochen, bei dem sich 'Bling', so sein Spitzname, beide Arme brach.
“Es war ein erneuter Rückschlag, aber ich habe einmal mehr gesehen, dass alles möglich ist, wenn du an dich glaubst. Du kannst immer wieder auf dein Level zurückkommen, dennoch kann ich kaum glauben, was ich heute erreicht habe“, schilderte der Australier, der eine weitere Medaille seinem bereits gesammelten Sortiment hinzufügen konnte.
Ungläubiger Griff an den Helm: Matthews schlägt van der Poel, Quinn Simmons, Isaac Del Toro und Mads Pedersen im Sprint und holt sich Silber in Montreal. | Foto: Cor Vos
Denn nach seinem U23-Weltmeistertitel in Geelong 2010 gewann er in Zürich und Kigali jeweils Gold mit der Mixed-Staffel. Dazu kommt noch ein Sieg im Mannschaftszeitfahren von Bergen mit Orica – Greenedge 2017. In der Elite holte er 2015 Silber in Richmond, 2017 gab es Bronze. 2022 wurde er ebenfalls Dritter in Wollongong und nun gab es wieder Silber, die dritte Medaille übrigens außerhalb von Europa.
Vor allem in Quebec fühlt er sich wohl. Dreimal gewann Matthews in seiner Karriere schon das WorldTour-Rennen Grand Prix de Quebec, 2018 war er auch in Montreal schon einmal erfolgreich. “Es fühlt sich hier irgendwie wie zu Hause an. Ich mag den Vibe in Nordamerika, die meisten Leute sprechen meine Sprache und das macht es weniger stressig als in Europa. Dass mir die Rennen hier auch gut liegen, trägt zu diesem Gefühl sicher bei“, verriet er über seine heimliche Liebe zur Region.
Seine finale Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften absolvierte Matthews natürlich bei den beiden Quebec-Eintagesklassikern – wie fast jedes Jahr. Und schon da machte er einen starken Eindruck, vor allem freitags in Quebec, wo er trotz der im Vergleich zu seinen dortigen Siegen nun schwereren Strecke Sechster wurde.
Michael Matthews fuhr ein sehr aufmerksames WM-Rennen und wurde dafür am Ende belohnt. | Foto: Cor Vos
"In Quebec habe ich mich sehr stark gefühlt, aber dann nicht mehr richtig für Montreal erholen können. Das Eintagesrennen hier verlief enttäuschend für mich, aber ich wusste, dass die Form da ist und das für die WM wieder alles zusammenkommen wird. Natürlich rechnete ich nicht damit Zweiter zu werden, aber ich wusste, was ich für das Rennen machen musste“, berichtete der mittlerweile 36-Jährige, der sich in der wohl finalen Phase seiner Karriere befindet.
“Die Zeit im Sport vergeht so schnell und es fühlt sich fast noch wie gestern an, als ich in Richmond meine erste Medaille gewonnen habe. Dabei ist das jetzt schon elf Jahre her“, gab sich der Australier etwas philosophisch in der Retrospektive auf sein vor allem bei Weltmeisterschaften so erfolgreiches Abschneiden. Dass ihm eine weitere Medaille auf dem so geliebten nordamerikanischen Terrain gelingen würde, führt er auch auf seine Rennerfahrung dort zurück: “Die Rennen in Kanada waren immer gut für mich. Ich habe zwar nie gezählt, wie oft ich hier schon auf dem Podium stand, aber die Erfahrung hier hat mir sicher sehr geholfen."
Im Straßenrennen selbst hielt sich der Australier lange bedeckt, blieb an der Seite der kletterstarken Favoriten, als Mathieu van der Poel rund 91 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive ging. “Das hat uns natürlich schon gestresst, weil du auf dem Kurs schwer einen Fahrer zurückbringst und dann vor allem Mathieu. Die Strecke hier ist aber bissig und du spürst es, wenn du es zu früh probierst. Trotzdem ist er auf dem Podium gelandet - nach dieser schweren Fahrt noch eine Medaille zu gewinnen, ist echt beeindruckend“, zog er den Hut vor dem Bronzemedaillengewinner aus den Niederlanden.
Podium-Selfie mit dem UCI-Smartphone: van der Poel, McNulty und Matthews tun, worum die UCI-Presseabteilung auf dem Podium stets bittet. | Foto: Cor Vos
Als aber der spätere Weltmeister McNulty seine Attacke 33 Kilometer vor dem Ziel setzte und seinen Vorsprung ausbaute, wusste Matthews, dass der Goldzug abgefahren war.
“Die USA sind ein so gutes Rennen gefahren und haben uns das Leben schwer gemacht. Es war kaum eine Nachführarbeit zu organisieren, weil sie noch zwei Fahrer in unserer Gruppe hatten, die das immer wieder störten. Aber so machst du das im Radsport und McNulty liegt der Kurs sehr gut. Er war der Stärkste heute“, huldigte er auch dem Sieger und dessen Nationalteam.
Die tolle Stimmung entlang der Anfahrt aber auch auf dem Rundkurs selbst, lobte der 36-Jährige dann zum Abschluss auch noch. “Ich hatte die Möglichkeit zwei Weltmeisterschaften zu Hause zu fahren und die Unterstützung, die wir heute in Montreal gespürt haben, erinnerte mich daran. Ich bin den Kanadiern für diesen Zuspruch so dankbar, denn es war verrückt wie bei einem europäischen Rennen, aber halt für alle Nationen. Am Ende war mein Energielevel niedrig, eigentlich war ich leer. Dass was ich noch in den Sprint packte, kam durch die Fans“, so der Vizeweltmeister an einem echten 'Feel-Good-Day'.
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